Viennale 2026: Große Träume und ein bisschen Leichtsinn. Mehr braucht es in Paper Tiger nicht, um eine Familie zu zerstören. James Grays meisterlicher Film bannt das Unheil in elegante Breitwandbilder, befeuert von Adam Drivers wuchtigem Charme und Scarlett Johannsons brüchiger Grazilität. Filmkritik
Neue deutsche Gangsterfilme (5): Zwei Kumpels fläzen kraftlos auf dem Sofa, ein langes, zugedröhntes Abhängen. Ekrem Engizeks Koxa ist schläfrig und fuzzy, manchmal lustig, manchmal erschreckend fies."Ein Film zum Reinziehen", in SD. Filmkritik
Knallhart präsentiert sich in Aaron Sorkins Facebook-Abrechnung The Social Reckoning die postfaktische Gesellschaft. Der Film möchte Mark Zuckerberg und dem Meta-Konzern weh tun, fühlt sich aber vor allem ziemlich irrelevant an. Vielleicht liegt eben darin seine Stärke. Filmkritik
Slash Filmfestival: Das orangene Einhorn Buddy tanzt nicht nur gerne, sondern terrorisiert auch Kinder, die nicht folgsam sind. Casper Kellys surreale Horrorkomödie dekonstruiert 90er-Jahre-Kindershows und ist zugleich ideenfreudiger Slasher und unterkomplexe Mediensatire. Filmkritik
Der junge Armin verzweifelt an den Erwartungen der Erwachsenenwelt. Ein Ventil findet er nur im Abschicken erfundener Bekennerschreiben. Christoph Hochhäusler erzählt in Falscher Bekenner von der stillen Revolte gegen den Zwang, auf eine ganz bestimmte Art zu leben. Filmkritik
Ein blutiger, postapokalyptischer Western um einen todessehnsüchtigen jungen Piloten. Ridley Scotts neuestes Werk Das Ende der Sterne ist nachdrücklich inszeniertes Actionkino mit atemberaubenden Kämpfen und sensationell irrwitzigen Passagen. Filmkritik
Mit der Disney+-Serie The Shards jagt Ryan Murphy die Romanvorlage von Bret Easton Ellis durch den Reißwolf seiner Produktionsmaschinerie: Statt kontrolliertem Exzess und präziser Satire herrscht nur mehr campige Beliebigkeit. Übrig bleiben immerhin ein paar grandiose 80er-Jahre-Songs. Filmkritik
Neue deutsche Gangsterfilme (3): Özgür Yıldırıms Chiko (2008), der große Intensivling. Klein, ausdrucksvoll und radikal. Alles eng zusammen. „Gewaltspirale“ passt selten so gut wie hier auf eine Filmhandlung. Filmkritik
Ins Klima von Pop, Nouvelle Vague und den politischen Bewegungen der 1960er Jahre setzt Nadine Trintignant ihren abgründigen, wilden Genremix über einen „falschen Bekenner“. Darin spiegeln sich Geschlechterverhältnisse so einprägsam wie die verborgene Verzweiflung in Jean-Louis Trintignants Gesicht. Filmkritik
Leidet die frisch gebackene Mutter Saga unter einer postpartalen Depression oder ist ihr Baby wirklich ein Troll? Hanna Bergholms Nightborn verbindet geschickt nordischen Folk Horror mit blutigem Körper-Slapstick. Filmkritik
Neue deutsche Gangsterfilme (2): Fatih Akins Kurz und schmerzlos (1998) ist die vibrierende Keimzelle des Genres. Ein eindrucksvolles Debüt von hemdsärmeliger, hochinspirierter Einfachheit. Die Figuren in der tragischen Räuberballade fühlen sich selbst wie in einem Film und singen wie schmutzige Tenöre ihre Lieder, jeder seins. Filmkritik
Neue deutsche Gangsterfilme (1): Nach dem Intro letzte Woche ein Prachtstück des Genres mit goldenem Versace-Schlüpper: die 3-Staffel-Serie 4 Blocks von Marvin Kren, Oliver Hirschbiegel und Özgür Yıldırım. Filmkritik
Neu auf Netflix: Eitelkeit ohne Wagemut: Julian Schnabels In the Hand of Dante möchte einen literarischen Überklassiker mit den Mitteln des Lowbrow-Genrefilms bearbeiten – und verhebt sich dabei gewaltig. Filmkritik
Der Mann in seiner Erscheinungsform als Gangster. Die Filme und Serien der „New Young German Gangstamoviez“ beschäftigen sich interessant, herzbewegend und manchmal auch lustig mit dem, was impulsive, kriminelle Menschen aus dem rätselhaften Leben machen. Auftakt einer Mini-Textserie im Rahmen unseres Genre-Specials, von Akin bis Yildirim. Special
Kenji Tanigakis The Furious hat klare Prioritäten: Die Handlung um böse Menschenhändler und aufrechte Helden ist nebensächlich, die Hauptsache sind die vielen, wuchtigen und maßlosen Kampfszenen. Konsequentes Ziel ist die komplette Vernichtung des Gegners. Filmkritik
Wohlwollende Außerirdische, kindliches Staunen und ambivalente Vaterfiguren: In Disclosure Day verbindet Steven Spielberg allerlei bekannte Motive aus früheren Erfolgen, bekommt diese Überfülle aber nie ganz unter Kontrolle. Nur seine Liebe zu überwältigenden Bildern, die ist so lebendig wie eh und je. Filmkritik
Streaming-Tipp: In seinem dritten Spielfilm Europa folgt der Italo-Iraker Haider Rashid einem Flüchtling über die türkisch-bulgarische Grenze. Inszeniert ist das als bitteres Abenteuer und filmische Achterbahnfahrt. Filmkritik
In the Grey ist ein klassischer Guy-Ritchie-Film: abgebrühte Figuren, überdrehte Dialoge, verworrene Missionen. Neben Verfolgungsjagden und Schießereien gibt es diesmal aber auch Kaskaden abstrakter Informationen. Und dann dürfen die Helden auch noch weinen. Filmkritik
Der bisher unbeliebteste Film des Festivals ist einer der besten. Nicolas Winding Refns retrofuturistischer Her Private Hell treibt diverse Genres an ihre Grenzen und zeigt, was im Programm bisher gefehlt hat: Echte Experimentierfreude. Filmkritik
Karim Aïnouz’ Rosebush Pruning hat einen tollen, hochpräzise aufspielenden Cast und einige meisterlich inszenierte Szenen. Leider kommt am Ende dennoch nur eine weitere nihilistische Eat-the-Rich-Satire ohne große Überraschungen heraus. Filmkritik
Die Wahrheit findet sich im Zwischenmenschlichen: Rebecca Zlotowskis Paris Murder Mystery ist weniger Krimi als Psychogramm einer Frau, die ihr Gefühlsleben hinter einem Schutzpanzer verbirgt. In der Hauptrolle: Jodie Foster, die hauptsächlich Französisch spricht. Filmkritik