Neu auf Blu-ray: John C. Holmes war der größte männliche Star des “Porn Chic” der 70er Jahre; Paul Thomas Andersons Boogie Nights wurden von ihm und jener Zeit inspiriert. Dem Dokumentarfilmer Cass Paley gelang wenig später mit Wadd: The Life & Times of John C. Holmes (1999) eine faszinierende Studie dieses nach Ruhm, Sex, Drogen und Anerkennung hungrigen Mannes. Filmkritik
Das Münchner Underdox ist ein eigenwilliger Monolith unter den Dokumentarfilmfestivals, dem es nicht um Wettbewerb sondern um Echos und Verzweigung geht. Zur Eröffnung feierte Bernardo Zanottas kurioser Insieme, Insieme visuell schwelgerisch das Polymorph-Perverse. Als Highlight des Abends erhob sich Nicolás Peredas Lo demás es ruido fröhlich über feste Institutionen und Rituale. Special
Nachts auf Tel Aviver Dächern stellen Yuval Abraham und Rachel Szor Mitgliedern des israelischen Militärs nüchterne Verständnisfragen über ihre Einsätze in Gaza. Die Diskrepanz der Antworten zu den Alltagsszenen in den Fenstern der umliegenden hochmodernen Stadt ist in NAZA schwer zu ertragen. Filmkritik
Die leidenschaftlichen Vogelbeobachter*innen in der Doku Watching People Watching Birds faszinieren durch ihre von gesteigerter Aufmerksamkeit geleitete Lebensweise. Sie pusten auf daunenbedeckte Bäuche, freuen sich über die erste Großmöwe aus Litauen, und Star-Literat Jonathan Franzen sagt wohlklingend Geistreiches über die demütige Kalifornische Grundammer. Filmkritik
2022 kandidierte der Musiker Dominik Wlazny für das Amt des Bundespräsidenten von Österreich. Mit Witz und Sympathie folgt der Dokumentarfilm Highway to Hofburg ihm bei seinem Wahlkampf und hinterfragt dabei auch die Rolle des Außenseiters als politischem Hoffnungsträger. Filmkritik
Locarno Film Festival 2026: Bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2024 arbeitete Thomas Heise an dem ausgesprochen persönlichen Film, fertiggestellt wurde Übergang nun von Peter Badel und Chris Wright, zwei langjährigen Mitstreitern des Regisseurs. Entstanden ist ein Werk der geräumigen Bilder. Filmkritik
Ingeborg Bachmann in her own visionary words. Mit Schauspielerin Sandra Hüller als Medium, das die Gefühlsregungen der österreichischen Dichterin in einer vielschichtigen Textcollage sichtbar macht. Dabei bleiben sie getrennte Figuren. Und das ist gut. Filmkritik
Streaming-Tipp: Auf den ersten Blick ist A Bigger Splash (1973) ein dokumentarisches Porträt des kürzlich verstorbenen Malers David Hockney. Doch Jack Hazans Film geht weit darüber hinaus und verdichtet sich zu einem faszinierenden Cinéma-vérité-plus voller Träume, Spiegelungen und Geheimnisse. Filmkritik
Indianerspiele mit Egon Krenz. Lutz Pehnerts Dokumentarfilm Kommunist will keine historische Aufarbeitung liefern oder gar moralisches Diktatur-Bashing. Sondern einen Mann porträtieren, der zum inneren Zirkel der DDR-Staatsmacht gehörte und nun als Rentner an der Ostsee lebt. Doch dieser Essay hinterlässt das Gefühl, der Regisseur habe dem kalten Krieger Krenz einen Film geschenkt. Filmkritik
Als würde sie sich selbst wieder zusammensetzen: Daniela Magnani-Hüller hat einen Film über einen versuchten Femizid gedreht, dessen Opfer sie einst fast selbst geworden wäre. Was an Empfindsamkeit bleibt kommt ganz ohne Erbaulichkeiten aus. Filmkritik
Die Beiträge des diesjährigen Dokumentarfilmfestivals erzählen von technischen Fortschritten, gesellschaftlichen Rückschritten und vor allem von ungestillten Sehnsüchten. Um die Filme zu schauen, muss man nicht zwangsläufig vor Ort sein. Special
In Filmen, Workshops und Medienkunst-Arbeiten widmet sich das European Media Arts Festival in Osnabrück den drängenden gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit. Ein Festival, das dezidiert etwas zu sagen hat, ohne darüber die Offenheit und Vielfalt des visuellen Ausdrucks zu vergessen. Special
Ben Russell und Guillaume Cailleau haben über zwei Jahre lang eine aktivistische Community in Frankreich beobachtet. Direct Action ist ein langsamer Film, der weiß, wie lange politische Arbeit dauert. Filmkritik
Diagonale Graz: Die Experimentalfilmemacherin Birgit Hein schildert in ihrem Filmtagebuch Baby, I Will Make You Sweat (1995) als ‚alternde‘ Frau ihre Wut über die repressiven deutschen Verhältnisse und ihre sexuellen Abenteuer auf einer Jamaikareise – roh, poetisch, radikal und von ephemer Schönheit. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: Die Natur, wie ein Filmset nachgebaut. In seinem dreistündigen Film über den Zürcher Zoo richtet Romuald Karmakar den Blick auf Tiere, fürsorgliche Care Professionals und ihr teilweise blutiges Geschäft. Filmkritik
Weit sind sie herumgekommen mit ihrem langen Hals. Höflich beobachtend sammelt Lea Hartlaubs Dokumentarfilm sr in der Welt und der Kulturgeschichte Giraffen ein. Filmkritik
Machen Frauen die härteren Filme? Isa Willingers Dokumentarfilm No Mercy geht dieser Frage in Gesprächen mit Regisseurinnen wie Catherine Breillat, Monika Treut und Ana Lily Amirpour nach – und schafft ein vielstimmiges Mosaik, in dem Raum für Widerspruch und Kontroverse bleibt. Filmkritik
Berlinale 2026 – Forum: Die Regisseurin Nurith Aviv lässt 13 Menschen die Geschichte ihres Vornamens erzählen. Dabei verschreibt sie sich ganz den Porträtierten, nichts lenkt von ihrer Sprache ab. Prénoms ist ein Freundschaftsakt, ein Film wie ein Blumengeschenk. Filmkritik
Berlinale 2026 – Panorama: Mit Douglas Gordon by Douglas Gordon ist Finlay Pretsell ein schmerzhaft intimes Porträt des berühmten Künstlers gelungen. Nicht die großen Erfolge stehen im Mittelpunkt, sondern kleine, sprechende Details – ein Hauch von Goldstaub im Gesicht macht hier ein ganzes Leben erfahrbar. Filmkritik
Berlinale 2026 – Forum: Die Dokumentarfilmerin Pepa Lubojackis begleitet ihren Bruder durch die Alkoholsucht, ohne ihm helfen zu können. If Pigeons Turned to Gold ist Kino gewordene Überforderung mit einer Situation. Filmkritik
Berlinale 2026 – Forum: Eight Bridges macht die titelgebenden Bauwerke zum Sinnbild für die inneren Spannungen der U.S.-Gesellschaft. Das ist formal beeindruckend, doch vermisst man ein wenig die von Regisseur James Benning sonst gewohnte Ironie und Neugier. Filmkritik