One Night Only – Kritik

Eine dystopische Prämisse für eine retronostalgische RomCom: Will Glucks One Night Only spielt in einer Welt, in der Unverheiratete nur noch einmal im Jahr Sex haben dürfen. Der leichthändig inszenierte Film setzt dabei durchweg eher auf einwandfrei ausgespielte Slapstick-Gags als Gesellschaftskritik.

Regisseur Will Gluck hat einen Schtick, der seit jeher seine romantischen Sexkomödien grundiert. Wortreich reden die Figuren gängige Klischees von Liebesfilmen klein, nur um sie letztlich doch zu bestätigen. Dabei bewähren sich Muster nicht zuletzt deshalb, weil sie Altbewährtes variieren. In seinem neuen Film One Night Only finden die Hauptfiguren Allie (Monica Barbaro) und Owen (Callum Turner) in einer Bodega neben dem Geldautomaten eine schmalzige Postkarte, die mit einem Bild aus dem Film An Affair To Remember für New York als Hauptstadt der Liebe wirbt. Nach einer flüchtigen Affäre versprechen sich Cary Grant und Deborah Kerr darin, sich gegen alle Wahrscheinlichkeiten auf dem Dach des Empire State Building wiederzutreffen. Aber dieses Gebäude, sagt Allie, hat nichts immanent Romantisches an sich. Erst braucht man eine Ewigkeit, um mit dem Fahrstuhl nach oben zu kommen, und dort angekommen wird dann der pittoreske Ausblick auf die Stadt durch einen Zaun verstellt.

Die Nachtstunden, in denen sich Allie und Owen immer wieder über den Weg laufen werden, werden zu Beginn von One Night Only als „the least romantic night of the year“ bezeichnet. Eher kontraintuitiv für eine RomCom hat der Film ein dystopisches Grundkonzept, das süffisant auf das Horrorfranchise The Purge verweist: In einer alternativen Gegenwart hat die amerikanische Regierung den Geschlechtsverkehr zwischen Unverheirateten unter Strafe gestellt und hält allzu sexwillige Dissidenten mit Biosensoren unter Kontrolle. Es ist eine Ehrenauszeichnung, ein Incel zu sein, sagt ein Politiker in seiner Fernsehansprache. Aber auch die rigideste Einschränkung braucht eine Ausnahmeregelung, die eingeführt wird, um das System zu stützen. An einem Tag im Jahr wird das Verbot von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen ausgesetzt. Ertönt ein durchdringendes Signal, fallen Zufallsbekanntschaften und andere Wahlverwandte übereinander im Restaurant her, beenden Paare den Workout im Fitnessstudio, um in Trainingskleidung nach Hause zu rennen.

Ohren wie Autotüren und trotzdem eine 10 von 10

Für alle, die in der Partnersuche weniger gewandt sind, beginnt hingegen die einsamste Nacht des Jahres. Seit spätestens Billy Wilders The Apartment nutzt die romantische Komödie für derartige Stimmungslage immer wieder den forcierten Ausnahmezustand des Silvesterabend als Setting. Recht offen und mitunter unverhohlen genrenostalgisch verweist One Night Only immer wieder auf diese Erzähltradition zurück und behandelt dabei sein dystopisches High-Concept eher als sittenkomödiantisches Anhängsel zweiter Ordnung. Der wundervoll leichthändige Touch des Films, dem ein einwandfrei ausgespielter Slapstick-Gag mehr wert ist als die konkretere Ausformulierung der im Setting angelegte Gesellschaftskritik, fand bei US-Kinostart allerdings kaum Zuspruch in der Filmkritik, die dem Film lieber penibel erzählerische Inkonsistenzen vorrechnete und vermeintliche Prüderie zu erkennen meinte.

Wie zuletzt beim Neo-Shakespeare-Schangel Anyone But You, der gegen alle ursprünglichen Box-Office-Prognosen seine beiden Hauptdarsteller*innen Sydney Sweeney und Glen Powell als A-List-Namen in Hollywood etablierte, beweist Will Gluck gleichwohl auch mit One Night Only wieder, dass die spritzigen Neckereien klassischer RomComs immer noch der probateste Genre-Modus sind, um Schauspielstars zu erschaffen: Deine Ohren erinnern an Autotüren und mit deinem Kinn ließe sich ein Feld umpflügen, sagt Monica Barbato zu Callum Turner – mit einem wissenden, die Zuschauer einschließenden Lächeln, das längst um die tatsächliche 10-von-10-Schönheit Turners weiß.

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