To Catch a Predator hieß ein in den Nuller Jahren sehr erfolgreiches Format des US-Fernsehsenders NBC, dem es um die inszenierte Zurschaustellung potentieller Sexualstraftäter ging. Lance Oppenheims Primetime schildert diese Show und ihre Umstände als Fiebertraum einer korrupten, implodierenden Welt. Filmkritik
Der siebzigjährige Vicente genießt sein schwules Leben auf Gran Canaria. Bis er sich nach einem Schlaganfall den Wunden der Vergangenheit stellen und erneut um seine Freiheit kämpfen muss. Ruhig und einfühlsam erzählt Maspalomas von queerem Altern und der zerstörerischen Beharrlichkeit des Schweigens. Filmkritik
Fahnenflüchtig in einem autoritären Deutschland nach der „Zeitenwende“: Nicolas Ehrets Langfilmdebüt Morgen war Krieg will ein Kommentar zur gegenwärtigen Aufrüstungsdebatte sein und bedient sich dafür aus dem Standard-Baukasten des dystopischen Kinos. Filmkritik
Nicht ist zu lose, aber auch nichts zu Ende erklärt: Rund um zwei nicht mehr ganz junge Heimkehrer im bulgarischen Svilengrad deutet Das geträumte Abenteuer einen Mafia-Plot an. Dabei geht Regisseurin Valeska Grisebach, für die Ort und Laiendarsteller bestimmend für die Geschichte sind, mit der Behutsamkeit einer Archäologin vor. Filmkritik
Leere, Stillstand, vielleicht auch Sehnsucht: In Visar Morinas Sozialdrama Von Scham und Geld über eine Familie im Kosovo treffen dörfliche Werte auf die kapitalistische Moderne. Plötzlich muss der Protagonist feststellen, dass es in der Stadt etwas ganz anderes bedeutet, „ein guter Mann" zu sein. Filmkritik
Eine perfekte Bobo-Existenz wird von Missbrauchsvorwürfen erschüttert: Marie Kreutzers Gentle Monster erzählt eindringlich vom Schaudern, wenn ein geliebter Mensch plötzlich fremd und bedrohlich wird, verheddert sich dann aber in einem Dickicht aus Diskursen und Nebenfiguren. Filmkritik
Prinzessin Soraya, in den 50er Jahren Ehefrau des Schahs von Persien, war Staatsrepräsentantin mit Bescheidenheit und Eleganz. Im Omnibusfilm Drei Gesichter einer Frau erprobt sich die Kinoliebhaberin als Schauspielerin. Gelungen ist vor allem Michelangelo Antonionis Episode, in der die Berühmtheit wie ein wunderlicher Käfer seziert wird. Filmkritik
Kino-Tipp: Radley Metzgers Kino ist von einer eleganten Dekadenz geprägt, die keinen Raum für ökonomische und weltliche Probleme lässt. Im üppig eingerichteten Townhouse des berüchtigten Trump-Anwalts Roy Cohn drehte Metzger mit The Image einen SM-Porno um Dominanz und Unterwerfung. Schöner wurde Urinieren selten inszeniert. Filmkritik
Goethe soll geehrt werden, aber welcher? Schwere hängt in der Luft im von den Besatzungsmächten geteilten Deutschland, das Erika und Thomas Mann in Pawel Pawlikowskis von einem realen Heimatbesuch des Schriftstellers inspirierten Film Vaterland bereisen. Filmkritik
Am Anfang steht ein geprügelter Esel, am Ende ein geflügeltes Pferd. Dazwischen stellt ein pakistanisches Mädchen Fragen über ihre geschlossene Schule, erhält aber keine einfachen Antworten. Seemab Guls kluger Debütfilm Ghost School verdeckt die Wirklichkeit, von der er erzählt, nicht. Filmkritik
Der junge Armin verzweifelt an den Erwartungen der Erwachsenenwelt. Ein Ventil findet er nur im Abschicken erfundener Bekennerschreiben. Christoph Hochhäusler erzählt in Falscher Bekenner von der stillen Revolte gegen den Zwang, auf eine ganz bestimmte Art zu leben. Filmkritik
Ein blutiger, postapokalyptischer Western um einen todessehnsüchtigen jungen Piloten. Ridley Scotts neuestes Werk Das Ende der Sterne ist nachdrücklich inszeniertes Actionkino mit atemberaubenden Kämpfen und sensationell irrwitzigen Passagen. Filmkritik
Mit der Disney+-Serie The Shards jagt Ryan Murphy die Romanvorlage von Bret Easton Ellis durch den Reißwolf seiner Produktionsmaschinerie: Statt kontrolliertem Exzess und präziser Satire herrscht nur mehr campige Beliebigkeit. Übrig bleiben immerhin ein paar grandiose 80er-Jahre-Songs. Filmkritik
Sich mit der Wirklichkeit herumschlagen, obwohl man kaum noch atmen kann: In Sechswochenamt muss eine junge Frau nach dem Tod ihrer Mutter deren Bestattung organisieren. Die Einwohner des niederrheinischen Erkelenz schicken sie dabei durch einen Parcours aus Vorschriften und Erwartungen. Filmkritik
Eine dystopische Prämisse für eine retronostalgische RomCom: Will Glucks One Night Only spielt in einer Welt, in der Unverheiratete nur noch einmal im Jahr Sex haben dürfen. Der leichthändig inszenierte Film setzt dabei durchweg eher auf einwandfrei ausgespielte Slapstick-Gags als Gesellschaftskritik. Filmkritik
Brezel Görings Für immer 16 ist ein schräger Bravo-Fotoroman in Super 8 über halb gelingende Versuche, Freundschaften am Leben zu halten und mit der Beschissenheit der Dinge klarzukommen. Mit Lilith Stangenberg und Songs von Stereo Total. Filmkritik
Neue deutsche Gangsterfilme (3): Özgür Yıldırıms Chiko (2008), der große Intensivling. Klein, ausdrucksvoll und radikal. Alles eng zusammen. „Gewaltspirale“ passt selten so gut wie hier auf eine Filmhandlung. Filmkritik
Staatsschutz von Faraz Shariat radikalisiert sich mit seiner Hauptfigur – aber beide gehen nie zu weit. Das Ergebnis ist ein Film mit einer vielleicht allzu klaren Agenda, der aber durch das Prisma der Genrebrille überraschend präzise auf den aktuellen deutschen Rassismus zu blicken vermag. Filmkritik
Locarno Film Festival 2026: Geschichte als geschichtet begreifen. Luise Donschens Morgen vor langer Zeit überspannt in den Geschichten dreier Frauen 500 Jahre deutsche Geschichte und ist doch wie aus einem Guss. Filmkritik
Locarno Film Festival 2026: Sechs Tage Drehzeit, eine Insel und keine Crew – mehr braucht Hong Sang-Soo dieser Tage nicht, um seine eindrucksvolle Filmografie um ein weiteres Werk zu verlängern. Sein neuester Streich, Nowhere to Lay My Eyes, dreht sich um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung. Filmkritik
Locarno Film Festival 2026: Die Zeit genüsslich gedehnt und die Aufnahmen bis zum Hals in Musik gebadet. Nicolaas Schmidts erster experimenteller Langfilm September Afternoon handelt von einem Strandausflug und einer Wirklichkeit, die sich nicht greifen lässt. Filmkritik