Drama

Die Liebe, ein Höllenschlund – Das Kino von Valerio Zurlini

Nur acht Spielfilme hat Valerio Zurlini während seiner kurzen Karriere gedreht. Jeder einzelne ist die Entdeckung wert: Mal tragisch, mal leichtfüßig bewegte sich der italienische Regisseur stets fernab gängiger Kino-Moden. Ab heute Abend widmet ihm das Berliner Arsenal eine umfassende Werkschau. Special 

Wild Foxes

Durch einen Unfall halten Angst und Zweifel Einzug ins Leben eines aufstrebenden jungen Boxers. Rasant und mit ruppigem Realismus erzählt Valery Carnoy in seinem Debüt Wild Foxes von wettbewerbsorientierten Männerbünden und einer besonderen Freundschaft. Filmkritik 

The Plague

Die Zugehörigkeit funktioniert in einer Wasserballgruppe für Jungen knallhart über Ausschluss. Charlie Pollingers hyperstilisiertes Langfilmdebüt The Plague nutzt sein Setting als Metapher fürs Aufwachsen und widmet sich dem Horror des Mobbings. Filmkritik 

Der Teufel trägt Prada 2

Mit dem Pöbel Eco fliegen. Der Teufel trägt Prada 2 widmet sich eher den realen Bedingungen der Modeindustrie als den Fantasien, die sie hervorbringt. Und wird am Ende doch noch zum Märchen, in dem die Erhabenheit der klassischen Fashionwelt gegen kulturlose Tech-Bros verteidigt wird. Filmkritik 

Rose

Im Schatten des Dreißigjährigen Kriegs lebt eine als Soldat verkleidete Frau im Kampf um ein selbstbestimmtes Leben jeden Tag gegen sich selbst an. Die strenge, konsequente Form und Sandra Hüllers nüchtern kontrolliertes Schauspiel lassen kleinere Schwächen von Rose vergessen. Filmkritik 

The Devil in Miss Jones

Ein Porno, der mit einem Selbstmord beginnt, in der Hölle endet und zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 1973 zählt. Gerard Damianos The Devil in Miss Jones ist ein dorniger Meilenstein der Filmgeschichte, der immer noch verstört und erregt – und am Sonntag Abend in Berlin zu sehen ist.  Filmkritik 

Michael

Das verträumte Genie, das zum Superstar gedrillt und umoperiert wird: Es steckt viel drin in Antoine Fuquas Michael-Jackson-Biopic, das 1988 und damit gnädig früh endet. Leider begräbt Michael alle seine interessanten Ansätze unter einem Schrottberg aus Pop-Trivia. Filmkritik 

Rosebush Pruning

Karim Aïnouz’ Rosebush Pruning hat einen tollen, hochpräzise aufspielenden Cast und einige meisterlich inszenierte Szenen. Leider kommt am Ende dennoch nur eine weitere nihilistische Eat-the-Rich-Satire ohne große Überraschungen heraus. Filmkritik 

Paris Murder Mystery

Die Wahrheit findet sich im Zwischenmenschlichen: Rebecca Zlotowskis Paris Murder Mystery ist weniger Krimi als Psychogramm einer Frau, die ihr Gefühlsleben hinter einem Schutzpanzer verbirgt. In der Hauptrolle: Jodie Foster, die hauptsächlich Französisch spricht.  Filmkritik 

Das Glück der Tüchtigen

Die Kölner Familie, die man schon aus Die Liebe der Kinder kennt, steht auch im Zentrum von Das Glück der Tüchtigen. Doch Franz Müllers Film funktioniert auch ohne Kenntnis des Vorgängers. Gesellschaftliche Zwänge treffen hier auf unverhoffte Momente der Freiheit und jede Begegnung bietet die Chance auf einen Neuanfang. Filmkritik 

When the Waves Are Gone

Mediatheken-Tipp: Korrupte Staatsdiener und die Opfer von Dutertes Drogenkrieg – Den schlichten Plot über zwei philippinische Polizisten erweitert Lav Diaz in When the Waves Are Gone mit gewichtigen Fragen rund um Religion, Moral, Buße und Rache. Filmkritik 

Vier minus Drei

Ein tragischer Todesfall, der durch quietschbunte Clownereien verarbeitet wird: Adrian Goigingers Vier minus drei hat keine Berührungsängste mit dem Banalen und Rührseligen. Doch genau das macht ihn zu einem ungemein spannenden Film über Trauer. Filmkritik 

The Yards - Im Hinterhof der Macht

Mediatheken-Tipp: Per Feuertaufe ins Leben der Erwachsenen. In James Grays The Yards - Im Hinterhof der Macht landet ein eigenschaftsloser Mark Wahlberg in einem Mafiakrieg und kann sich auf nichts verlassen außer auf seinen Dackelblick. Filmkritik 

Kleine Freiheit

Kleine Freiheiten im unfreien Leben: Yüksel Yavuz’ Film von 2003 über die Freundschaft zweier in Hamburg gestrandeter Jungs ohne Papiere kommt noch einmal neu restauriert ins Kino. Ein echter Glücksfall. Filmkritik 

The History of Sound

Musik als Speicher eines vergangenen Lebens: The History of Sound zeichnet in kontemplativen Bildern Lebensstationen des Sängers Lionel von den 1910ern bis in die 1980er-Jahre nach. Und betrachtet den langen Nachhall einer nur kurzen, aber umso innigeren Beziehung. Filmkritik 

Wanda

Ein Film ohne Ziel und ohne Heldin, der seine antriebslose Hauptfigur durch ein verwahrlostes Amerika begleitet. Barbara Lodens einzige Regiearbeit Wanda (1970) ist ein Glücksfall der Filmgeschichte und wäre um ein Haar verschollen. Nun kommt er wieder ins Kino. Filmkritik 

Enzo

Gleichermaßen sensibel und roh: Robin Campillos Enzo porträtiert fast intim dokumentarisch einen verschlossenen jungen Maurer, der von einem Kollegen aus seiner Komfortzone gelockt wird. Filmkritik 

Pillion

Alexander Skarsgård als hünenhafter Biker, von dem man sich gerne die Kette um den Hals legen lässt: Harry Lightons Pillion ist in seiner Darstellung einer SM-Beziehung um Authentizität bemüht und hat ein gutes Gespür für seine brüchigen Figuren. Nur dem Genuss der Knechtschaft kann er sich nicht so ganz hingeben. Filmkritik 

Blue Moon

Von der französischen Neuen Welle ins US-amerikanische Theater: Richard Linklater erzählt in Blue Moon vom Broadway-Autoren Lorenz Hart, der am Abend der Premiere eines konkurrierenden Musicals über sein Leben nachdenkt. Ein elegantes Kummerspiel über Partnerschaften aller Art. Filmkritik 

Is This Thing On?

Bedingungslos umarmt werden Neulinge auf den Stand-Up-Bühnen, auf denen Bradley Coopers Is This Thing On? in Teilen spielt. Leider vergisst der Film nicht nur in diesen Szenen, dass man sich die Gunst seines Publikums erarbeiten muss. Filmkritik 

Maysoon

In rasantem Tempo erzählt Regisseurin Nancy Biniadaki, wie das vermeintlich geordnete Leben einer in Berlin lebenden Ägypterin plötzlich zusammenbricht. Maysoon ist eine eindrückliche Figurenstudie, die zwischen erfrischender Eigenwilligkeit und erzählerischer Holprigkeit schwankt. Filmkritik