Der Teufel trägt Prada 2 – Kritik
Mit dem Pöbel Eco fliegen. Der Teufel trägt Prada 2 widmet sich eher den realen Bedingungen der Modeindustrie als den Fantasien, die sie hervorbringt. Und wird am Ende doch noch zum Märchen, in dem die Erhabenheit der klassischen Fashionwelt gegen kulturlose Tech-Bros verteidigt wird.

Es ist eine Kunst für sich, wenn Drehbuchautoren Namen erfinden, die schon akustisch den Charakter der Figur transportieren. Andy Sachs, das klingt schnörkellos, rational und direkt, so wie man sich eine ehrgeizige Politikjournalistin vorstellt. Zu Beginn von Der Teufel trägt Prada 2 hat Andy (Anne Hathaway) endlich ihren Traumjob – zugleich aber auch sichtlich etwas gelernt aus der strapaziösen Zeit beim einflussreichen Hochglanz-Fashionmagazin „Runway“ (siehe Teil 1). Aus dem verhuschten Mäuschen ist eine elegante Business-Frau geworden, die mit luftig geschnittenem Hosenanzug durch New York stolziert und sich in der Spiegelung eines Schaufensters noch schnell den Lippenstift nachzieht. Hatte Andy im ersten Teil die Ausdruckskraft von Mode noch naiv belächelt, weiß sie sie nun für einen starken Auftritt zu nutzen.
Nicht nur die Figuren haben sich in David Frankels zum zwanzigsten Jubiläum des Vorgängers erscheinenden Fortsetzung gewandelt. Der Journalismus hat sich überwiegend ins Digitale verlagert und kämpft nun unter anderem in den Sozialen Medien ums Überleben. Das Geld wird immer knapper, die Jobs weniger und unsicherer. Durch diese Krise führt Der Teufel trägt Prada 2 seine einstigen Gegenspielerinnen wieder zueinander. Andy wird von ihrer Zeitung wegrationalisiert und soll der gefürchteten „Runway“-Chefin Miranda Priestley (Meryl Streep) – der mondän samtene Name öffnet bereits eine komplett andere Welt – mit demonstrativ ethischem Bewusstsein über einen unappetitlichen Sweatshop-Skandal hinweghelfen.
Selbstbewusst sucht Andy Miranda in ihrem Büro auf, doch die behauptet, sich an ihre frühere Assistentin nicht einmal zu erinnern. Dass die modische Transformation der Journalistin im Elfenbeinturm der High Fashion nur bedingt Wert hat, packt der spitzzüngig gutmütige Artdirector Nigel (Stanley Tucci) in ein vergiftetes Kompliment: „Well, look what TK Maxx dragged in“. Man könnte fast denken, alles sei wie früher (wenn auch ein bisschen versöhnlicher): Miranda versucht wieder, Andy mit wohldosierten Demütigungen kleinzuhalten, während diese es der autoritären Mutterfigur um jeden Preis recht machen will.
Hello, alles umarmender Zeitgeist!

Die stilvoll dominante, frei von der ehemaligen Vogue-Chefin Anna Wintour inspirierte Miranda bereits im ersten Teil nur bedingt als Schurke. Der wahre Horror kam damals von Andys kontrollsüchtigem und passiv aggressivem Boyfriend, mit dem der Film auch noch ein sich grundfalsch anfühlendes Happy End fabrizierte. In dieser Hinsicht hat man dazugelernt und der Heldin mit dem bodenständigen Luxusimmobilienbesitzer Peter (Patrick Brammall) ein respektvoll zurückhaltendes Love Interest verpasst, das erst gar nicht versucht, sich in die Front Row zu drängeln. Zudem wirkt Miranda diesmal nicht so dominant und kalt, manchmal gar ein wenig verletzlich, auch wenn ihr Ehemann (Kenneth Branagh) ihr zu Beginn ins Ohr flüstert, Bösewichte seien doch die interessantesten Figuren.
Der Teufel trägt Prada 2 setzt deutlich weniger auf krasse Gegensätze als auf Nuancen, weniger auf einen Kampf zwischen Idealismus und Oberflächlichkeit als auf das Bewusstsein, in einer Welt voller Widersprüche zu leben. So wie Miranda schon immer klar war, dass ihre Verlegerinnenkunst auf unzählige Kompromisse gebettet ist, versteht nun auch Andy, dass ihre achtsamen Artikel lediglich als ethisches Make-Up dienen sollen. Die Figuren wissen, dass sie privilegiert sind, kokettieren auch ein wenig damit – und leiden doch darunter, dass ihr Geld immer weniger wert ist. Andy kann sich das neue schicke Appartement mit ihrem Gehalt zwar leisten, aber wie lange noch?
Good-Bye, grausame Exklusivität

Der Blick auf die Modewelt wirkt im Film manchmal überraschend ehrlich und differenziert. Es geht um schön verpackte Versprechen, die man auch Lügen nennen könnte, und um ein immer dichteres Netz aus Abhängigkeiten, das einem in der Arbeitswelt irgendwann die Luft abschnürt. Auch die Moral bleibt lediglich Oberfläche. Luxuskleidung ist erschwinglicher und vermeintlich egalitärer geworden, aber die Hierarchien haben sich nur wenig verschoben. Mit dem Begriff „Body Positivity“ ringt Miranda während einer Redaktionssitzung, als hätte sie etwas Verdorbenes im Mund. Sie stammt aus einer Ära, in der die Fashionwelt nicht zuletzt wegen ihrer grausamen Exklusivität so begehrlich war. Miranda ist elitärer als der vermeintlich alles umarmende Zeitgeist, aber auch ehrlicher.
Die Suche nach einem journalistischen Coup und die Ungewissheit auf dem sich zunehmend verengenden Zeitungsmarkt – das sind die überspitzten Alltäglichkeiten, denen sich der Film widmet, während er immer nur leicht ins Komische oder Dramatische ausschert. Teilweise könnte Der Teufel trägt Prada 2 etwas schwungvoller und pointierter erzählt sein, aber es hat auch seinen Reiz, wie er sich diesmal leicht melancholischden realen Bedingungen einer Industrie widmet statt den blühenden Fantasien, die sie hervorbringt. Passenderweise treten dann auch kulturlose Tech-Bros in grässlichen Steppjacken als Bösewichte auf, um dem süßen Leben mit gnadenlosen Kürzungen ein Ende zu setzen. Mit angewiderter Mine muss sich Miranda einem Reality-Check aussetzen, sieht zum ersten Mal die verlagseigene Kantine und muss mit dem Pöbel Eco fliegen.
Quiet Luxury und die Meisterin der leisen Überheblichkeit

Vorher sah es noch ganz anders aus. Als Andy zu einer Cocktail-Party in den Hamptons eingeladen wird, hilft ihr Nigel mit einem Designerkleid und bescheidener Weisheit weiter. „Quiet Luxury“ sei gefordert, also Wohlstand, der so zurückhaltend präsentiert wird, dass man ein Hörgerät braucht, um ihn zu bemerken. Andy entscheidet sich dennoch für ein auffälliges, mit seinen bunten Rechtecken an ein Mondrian-Bild erinnerndes Kleid.
Auch der Film zeigt gegen Ende mehr Mut zum großen Auftritt. Nach vereinzelter Denkmalpflege – prominenter Gastauftritt: der blaue Pulli, der Miranda im ersten Teil zu ihrem berühmten Monolog über die modische Evolution eines Kleidungsstücks verleitet – gibt es anlässlich einer Reise zur Milano Fashion Week wieder ordentliche Schauwerte: Opulente Hotelzimmer, eine Villa am Comer See, ein Dinner vor Da Vincis Letztem Abendmahl, Glamour am roten Teppich, diverse Cameos sowie ein toller Auftritt von Lady Gaga. Auch die Gefühle werden überwältigender. Es braucht nur ein paar Klavierakkorde und durchdringend wertschätzende Blicke, um jeden, der halbwegs empfänglich für solche Sentimentalitäten ist, dahinschmelzen zu lassen.
So wird Der Teufel trägt Prada 2 doch noch zu einem Märchen, in dem die Erhabenheit der klassischen Modewelt vor durchrationalisierten Großkonzernen und profitorientierten Oligarchen verteidigt wird: „You're not a visionary, you're a vendor“ faucht Miranda ihrer ehemaligen, von Rachegefühlen getriebenen Ex-Untergebenen Emily (Emily Blunt) entgegen. Was diesen visionären Blick auf Kultur auszeichnet, vermittelt nicht das publizistische Programm von Runway, sondern die Präsenz von Meryl Streep. Sie verkörpert Miranda als unnahbare, geschmeidig professionelle Figur, deren Aufmerksamkeit man sich hart erarbeiten muss. Meist schaut sie einfach durch Leute durch oder an ihnen vorbei. Aktiv herablassend sein erfordert für sie zuviel Energie, die man nicht an Unwürdige verschwenden sollte. So wie der „leise Luxus“ aus Kreisen kommt, die es nicht nötig haben, zu protzen, brilliert Steep in der Meisterinnenschaft der leisen Überheblichkeit.
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