Die Wahrheit findet sich im Zwischenmenschlichen: Rebecca Zlotowskis Paris Murder Mystery ist weniger Krimi als Psychogramm einer Frau, die ihr Gefühlsleben hinter einem Schutzpanzer verbirgt. In der Hauptrolle: Jodie Foster, die hauptsächlich Französisch spricht. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: Per Feuertaufe ins Leben der Erwachsenen. In James Grays The Yards - Im Hinterhof der Macht landet ein eigenschaftsloser Mark Wahlberg in einem Mafiakrieg und kann sich auf nichts verlassen außer auf seinen Dackelblick. Filmkritik
Kleine Freiheiten im unfreien Leben: Yüksel Yavuz’ Film von 2003 über die Freundschaft zweier in Hamburg gestrandeter Jungs ohne Papiere kommt noch einmal neu restauriert ins Kino. Ein echter Glücksfall. Filmkritik
Ein Film ohne Ziel und ohne Heldin, der seine antriebslose Hauptfigur durch ein verwahrlostes Amerika begleitet. Barbara Lodens einzige Regiearbeit Wanda (1970) ist ein Glücksfall der Filmgeschichte und wäre um ein Haar verschollen. Nun kommt er wieder ins Kino. Filmkritik
Wie man‘s auch beleuchtet, und welche Eleganz, Pointen, knisternde Musik und warme Farben man der sinnlosen, kalten Welt entgegensetzen mag: Es wird den existenziell orientierungslosen Gangstern in Christoph Hochhäuslers film noir Der Tod wird kommen nicht helfen. Filmkritik
Der Titel ist Programm in Park Chan-wooks neuem Film: No Other Choice, keine Wahl haben absolut alle Figuren in diesem genuin suizidalen Höllentrip aus Südkorea. Die Frage, was das alles soll, stellt sich durchaus. Filmkritik
Ein Franzose steht in Algerien für den Mord an einem Araber vor Gericht – und für die eigene Gefühlskälte. François Ozons Adaption von Der Fremde ist voller atmosphärischer Bilder, die aber nicht immer zur nüchtern-philosophischen Grundhaltung von Albert Camus’ Romanklassiker passen. Filmkritik
Neu auf Netflix: Auch im dritten Teil der Knives-Out-Serie um den Meisterdetektiv Benoit Blanc gibt es wieder zahlreiche Leichen und einen ausufernden Cast in Starbesetzung. Dennoch ist Wake Up Dead Man konzentrierter als seine Vorgänger und setzt weniger auf grelle Satire als auf entspannte Ironie. Filmkritik
Streaming-Tipp: Kleber Mendonça Filhos The Secret Agent ist zugleich Politthriller und quasi-autobiographische Hommage an die brasilianische Stadt Recife in den Seventies. Mit einem warmherzig-erschöpften Wagner Moura, einem schön genervten Udo Kier und einer zweigesichtigen Katze. Filmkritik
Netflix: Man liebt das böse Leben und singt davon: Die mexikanische Miniserie Die toten Frauen ist eine Rotlichtmoritat mit resigniertem Humor und tiefem Grauen, schön gefilmtem Sex und krasser Niedertracht. Filmkritik
Neu auf MUBI: Ein Familienvater versucht in den 1970ern mit einem Kunstraub seine Midlife-Crisis zu überwinden. Kelly Reichardts The Mastermind rückt das Scheitern des Einzelnen inmitten historischer Umwälzungen ins Zentrum. Filmkritik
Gesichtsmuskeln machen Überstunden, Politsignale führen ins Nirgendwo und auf der Tonspur macht sich musikalischer Dauerhagel breit: P.T. Andersons Pynchon-Paraphrase One Battle After Another ist ein Film, der vieles kann, aber längst nicht so crazy ist, wie er es gerne wäre. Filmkritik
Neu auf Apple TV+: Ein eindrucksvoller Thriller ist Spike Lees Highest 2 Lowest schon auch. Aber noch besser funktioniert das Kurosawa-Remake als Film über einen Mann, der es nur in wohlbekannten Mustern zu leben versteht. Filmkritik
Ein cooler Barkeeper im Sog der New Yorker Unterwelt: Regisseur Darren Aronofsky inszeniert Caught Stealing als atemlose Gaunergeschichte und lässt seinen gewohnten Fatalismus weitgehend hinter sich. Ein Film, der in seinen besten Momenten wirkt wie aus der Hüfte geschossen. Filmkritik
Streaming-Tipp: Radikal persönlich, ambitionsfrei, crazy verknallt in Pop. Der genial-dilettantische Animationsfilmer und Ex-Maschinenschlosser Bruno Sukrow wäre diesen Monat 98 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass steht seine charmante Krimikomödie Tod im Teehaus nun gratis auf YouTube. Filmkritik
Blu-ray: Voll und ganz dem Punk verpflichtet. James Dillingers Blonde Death ist eine Perle des queeren Films und steht exemplarisch für das Video-Exploitationkino der 80er-Jahre. Anarchisch, wütend und von derber Komik getragen, eröffnen die rauschigen Camcorder-Bilder ganz neue Wege des filmischen Ausdrucks. Filmkritik
Neu auf Netflix: Die Doku Chaos – Die Manson-Morde von Errol Morris entwickelt auf Basis eines Sachbuchs alternative Theorien über die Hintergründe der Morde an Sharon Tate und ihren Freunden. Dabei wirkt der Film mitunter wie eine Satire auf gängige Verschwörungsmythen. Filmkritik
Neu bei Amazon: Mittendrin bricht die Geschichte über einen abgehalfterten Auftragskiller ab und fängt wieder von vorne an – diesmal als Komödie. In seinem nur einstündigen Spätwerk Broken Rage ruht Regisseur und Hauptdarsteller Takeshi Kitano in sich wie lange nicht mehr. Filmkritik
Statt Konfektionskino zeigt die Berlinale in ihrer historischen Rückschau Filme für Leute, die das Genrekino hassen. Zum Auftakt unserer Reihe übers deutsche Genrekino erhebt Olaf Möller Einspruch gegen die BRD-Auswahl der diesjährigen Berlinale-Retrospektive. Special
VoD: In seinem neuen Polizeiruf lässt Dominik Graf das Münchner Ermittlerduo durch die Welten der Internetpornografie und der Upperclass stolpern. Jenseits des Rechts will ziemlich viel auf einmal, bringt mit seiner Eskalationslust aber auch ein bisschen Kino in den ÖRR. Filmkritik
Staatsfernsehen oder Instagram? Der inzwischen aus dem Iran geflohene Regisseur Mohammad Rasoulof zeigt, wie die persische Diktatur Generationen spaltet und Familien zerreißt. Die Saat des heiligen Feigenbaums ist ein politisches Familiendrama, das zu einem rasanten Thriller wird. Filmkritik