Indianerspiele mit Egon Krenz. Lutz Pehnerts Dokumentarfilm Kommunist will keine historische Aufarbeitung liefern oder gar moralisches Diktatur-Bashing. Sondern einen Mann porträtieren, der zum inneren Zirkel der DDR-Staatsmacht gehörte und nun als Rentner an der Ostsee lebt. Doch dieser Essay hinterlässt das Gefühl, der Regisseur habe dem kalten Krieger Krenz einen Film geschenkt. Filmkritik
Das verträumte Genie, das zum Superstar gedrillt und umoperiert wird: Es steckt viel drin in Antoine Fuquas Michael-Jackson-Biopic, das 1988 und damit gnädig früh endet. Leider begräbt Michael alle seine interessanten Ansätze unter einem Schrottberg aus Pop-Trivia. Filmkritik
Von der französischen Neuen Welle ins US-amerikanische Theater: Richard Linklater erzählt in Blue Moon vom Broadway-Autoren Lorenz Hart, der am Abend der Premiere eines konkurrierenden Musicals über sein Leben nachdenkt. Ein elegantes Kummerspiel über Partnerschaften aller Art. Filmkritik
Wie seine Titelfigur ist auch Mona Fastvolds The Testament of Ann Lee stets auf der Suche nach Entrückung und Ekstase. Das Historienepos um eine kämpferische Predigerin der Shaker-Freikirche wird so zu einem Spektakel aus Tanz und Gesang, aus körperlichem Schmerz und funkelnder Natur. Filmkritik
Bilder wie Gedankenblitze: Kristen Stewart bricht in ihrem Regiedebüt The Chronology of Water beherzt mit den Konventionen linearen Erzählens. Vieles bleibt schemenhaft in diesem Drama um sexuellen Missbrauch, Selbstzerstörung und die erlösende Kraft des Schreibens. Filmkritik
Egotripping at the gates of hell. Das Leben ist in Josh Safdies Sport- und Scheißkerldrama Marty Supreme ein aggressiv-aufreibendes Tischtennismatch, ein rasend schnelles Hin und Her. Zum Glück gibt es den coolen, lebenslustigen Tyler the Creator und die stolze, abgeklärte Gwyneth Paltrow. Filmkritik
Berlinale 2026 – Panorama: Mit Douglas Gordon by Douglas Gordon ist Finlay Pretsell ein schmerzhaft intimes Porträt des berühmten Künstlers gelungen. Nicht die großen Erfolge stehen im Mittelpunkt, sondern kleine, sprechende Details – ein Hauch von Goldstaub im Gesicht macht hier ein ganzes Leben erfahrbar. Filmkritik
Streaming-Tipp: Handwerk alter Schule im Weihnachtsmehrteilerstil. Die Reise von Charles Darwin mischt mit ruhiger Hand einzigartige Naturfotografie, Wissenschaft und Abenteuer. Manchmal grüßt von weitem Werner Herzog. Filmkritik
Brett Ratners Melania über die amtierende First Lady der USA ist weniger Propaganda-Machwerk als eine um jede Eigenwilligkeit bereinigte Unternehmens-Broschüre. Glänzende Bilder und schmissige Popsongs erschaffen eine Oberfläche, an der man lang kratzen muss, um etwas Interessantes freizulegen. Filmkritik
Chloé Zhao erkundet in Hamnet die tragischen Hintergründe von Shakespeares „Hamlet“. Dem Schmerz des Verlustes ringt sie teils berückend intime Bilder ab, überschätzt dabei aber die heilende Kraft der Kunst. Filmkritik
Auf der Suche nach Bildern für das Unbebilderbare: Ildikó Enyedi grübelt in Silent Friend über die Beziehungen von Menschen und Pflanzen und findet neben zarten Mysterien leider auch einige Plattitüden. Filmkritik
Regisseur Rosa von Praunheim ist über 80 und nimmermüde. Mit Satanische Sau legt er einen Film nach, der als Lebensrückblick durchgeht. Oder als höllisch geiles Kammerspiel. Grenzen sprengt sein neues Werk in jedem Fall. Filmkritik
In einer schick eingerichteten und mit kunstvollen Zigarettenrauchschwaden gefüllten Wohnung trifft sich der Photograph Peter Hujar mit der Schriftstellerin Linda Rosenkranz. Ira Sachs’ Film ist eine verträumt dahinplätschernde Ergründung des Banalen. Filmkritik
Netflix: Man liebt das böse Leben und singt davon: Die mexikanische Miniserie Die toten Frauen ist eine Rotlichtmoritat mit resigniertem Humor und tiefem Grauen, schön gefilmtem Sex und krasser Niedertracht. Filmkritik
Netter Kampfgigant haut alles zu Klump. Benny Safdies The Smashing Machine unterläuft die Konventionen des Sportfilms, weiß aber oft nicht, was er stattdessen erzählen will. Filmkritik
Streaming: Leidenschaft, superbes Schauspiel, exquisite Pracht. Die TV-Serie Versailles ist ein mit Esprit komponiertes, episches Juwel. An jeder Ecke muss man sich hier neu verlieben. Filmkritik
Er hat Klaviere zertrümmert und Buddha vor einen Fernseher gesetzt. Nam June Paik war Medienkünstler und Provokateur. Die Dokumentation Moon Is The Oldest TV schildert sein Leben in bunten Bildern und ergibt sich in ideenloser Heldenverehrung. Filmkritik
Das Verblühende und das Kommende. Luchino Visconti verabschiedet sich in seiner Nebelsymphonie Ludwig II. – gemeinsam mit Helmut Berger und Romy Schneider – von der deutschen Romantik. Filmkritik
Neu auf Mubi: Alex Ross Perrys Porträt der Indie-Rockband Pavement ist so verspielt und eigenwillig wie die Musiker selbst. Mit seiner wilden Mischung aus dokumentarischen und inszenierten Szenen kümmert sich Pavements nicht groß um eine klare Erzählweise. Seine Energie ist vielmehr die des leidenschaftlichen Fans. Filmkritik
Die surrealistische Künstlerin Leonora Carrington wollte nicht Muse, sondern Subjekt des Blicks sein. Leonora im Morgenlicht macht es sich teilweise auf konventionellem Künstler-Biopic-Terrain bequem, entlässt uns aber dann doch versöhnt aus dem Kino. Filmkritik
Armer, netter Mann unter Druck. In Vor uns das Meer (The Mercy, 2018) von James Marsh trifft der Weltumsegler Donald Crowhurst bei einem Wettsegeln eine Folge unheilvoller Entscheidungen. Heftige Geschichte, guter Film. Filmkritik