Zornig, ohne richtig zu wissen, auf wen oder warum: Tommy, die Hauptfigur in Jan Komasas Good Boy - Wir wollen nur dein Bestes, ist ein Bully aus der britischen Arbeiterklasse. Der Film jedoch wird nicht zu einem Sozialdrama, sondern zu einem etwas unausgegorenen schwarzhumorigen Entführungsthriller. Filmkritik
Jean Rollin gelang eine zugleich poetisch-leichte und melancholisch-brutale Elegie über eines der zentralen Themen des Horrorfilms: den Verlust, die Trauer und die Unmöglichkeit, einen geliebten Menschen loszulassen. Nun gibt es The Living Dead Girl (1982) neu restauriert auf Blu-ray. Filmkritik
Zwischen einer Gedenkzeremonie in Guinea-Bissau und einer Hochzeit in der Pariser Banlieue, zwischen Dokument und Fiktion, Figurenkonstruktion und Selbstfindung: Alles fließt ineinander in Alain Gomis’ neuem Film Dao, der sich binären Konzepten von Identität ebenso widersetzt wie dem linearen Erzählen. Filmkritik
Zuckungen, Beleidigungen und die Sehnsucht nach Nähe: Verflucht normal schildert die Herausforderungen eines Lebens mit Tourette-Syndrom. Dabei folgt der Film zwar bekannten Feel-Good-Mustern, tut das aber mit gewinnender Aufrichtigkeit und tief empfundener Wärme. Filmkritik
Sich Treiben lassen in Passivitäten: Pedro Pinhos I Only Rest in the Storm gibt sich den Aporien des Neokolonialismus mit Kopf, Körper und Unterleib hin. Filmkritik
Eine weiblichere Welt ist nicht automatisch flauschiger. In David Lowerys Mother Mary keilt sich ein Pop-Megastar mit ihrer Kostümdesignerin. Lange geht es dabei schön biestig zu, bevor am Ende leider doch die Kitsch-Falle zuschnappt. Filmkritik
Cannes 2026 - Wettbewerb: Dieser Film ermüdet mehr als Schafezählen. Hirokazu Koreeda (Shoplifters) wagt sich mit Sheep in the Box ins Genre der Science-Fiction. Trotz zwischenmenschlicher Wärme und einem knuffigen Kinderdarsteller verliert er sich dabei in einem sterilen und hermetisch abgeriegelten Privatuniversum. Filmkritik
Nur acht Spielfilme hat Valerio Zurlini während seiner kurzen Karriere gedreht. Jeder einzelne ist die Entdeckung wert: Mal tragisch, mal leichtfüßig bewegte sich der italienische Regisseur stets fernab gängiger Kino-Moden. Ab heute Abend widmet ihm das Berliner Arsenal eine umfassende Werkschau. Special
Durch einen Unfall halten Angst und Zweifel Einzug ins Leben eines aufstrebenden jungen Boxers. Rasant und mit ruppigem Realismus erzählt Valery Carnoy in seinem Debüt Wild Foxes von wettbewerbsorientierten Männerbünden und einer besonderen Freundschaft. Filmkritik
Die Zugehörigkeit funktioniert in einer Wasserballgruppe für Jungen knallhart über Ausschluss. Charlie Pollingers hyperstilisiertes Langfilmdebüt The Plague nutzt sein Setting als Metapher fürs Aufwachsen und widmet sich dem Horror des Mobbings. Filmkritik
Mit dem Pöbel Eco fliegen. Der Teufel trägt Prada 2 widmet sich eher den realen Bedingungen der Modeindustrie als den Fantasien, die sie hervorbringt. Und wird am Ende doch noch zum Märchen, in dem die Erhabenheit der klassischen Fashionwelt gegen kulturlose Tech-Bros verteidigt wird. Filmkritik
Im Schatten des Dreißigjährigen Kriegs lebt eine als Soldat verkleidete Frau im Kampf um ein selbstbestimmtes Leben jeden Tag gegen sich selbst an. Die strenge, konsequente Form und Sandra Hüllers nüchtern kontrolliertes Schauspiel lassen kleinere Schwächen von Rose vergessen. Filmkritik
Ein Porno, der mit einem Selbstmord beginnt, in der Hölle endet und zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 1973 zählt. Gerard Damianos The Devil in Miss Jones ist ein dorniger Meilenstein der Filmgeschichte, der immer noch verstört und erregt – und am Sonntag Abend in Berlin zu sehen ist. Filmkritik
Das verträumte Genie, das zum Superstar gedrillt und umoperiert wird: Es steckt viel drin in Antoine Fuquas Michael-Jackson-Biopic, das 1988 und damit gnädig früh endet. Leider begräbt Michael alle seine interessanten Ansätze unter einem Schrottberg aus Pop-Trivia. Filmkritik
Karim Aïnouz’ Rosebush Pruning hat einen tollen, hochpräzise aufspielenden Cast und einige meisterlich inszenierte Szenen. Leider kommt am Ende dennoch nur eine weitere nihilistische Eat-the-Rich-Satire ohne große Überraschungen heraus. Filmkritik
Die Wahrheit findet sich im Zwischenmenschlichen: Rebecca Zlotowskis Paris Murder Mystery ist weniger Krimi als Psychogramm einer Frau, die ihr Gefühlsleben hinter einem Schutzpanzer verbirgt. In der Hauptrolle: Jodie Foster, die hauptsächlich Französisch spricht. Filmkritik
Die Kölner Familie, die man schon aus Die Liebe der Kinder kennt, steht auch im Zentrum von Das Glück der Tüchtigen. Doch Franz Müllers Film funktioniert auch ohne Kenntnis des Vorgängers. Gesellschaftliche Zwänge treffen hier auf unverhoffte Momente der Freiheit und jede Begegnung bietet die Chance auf einen Neuanfang. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: Korrupte Staatsdiener und die Opfer von Dutertes Drogenkrieg – Den schlichten Plot über zwei philippinische Polizisten erweitert Lav Diaz in When the Waves Are Gone mit gewichtigen Fragen rund um Religion, Moral, Buße und Rache. Filmkritik
Ein tragischer Todesfall, der durch quietschbunte Clownereien verarbeitet wird: Adrian Goigingers Vier minus drei hat keine Berührungsängste mit dem Banalen und Rührseligen. Doch genau das macht ihn zu einem ungemein spannenden Film über Trauer. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: Per Feuertaufe ins Leben der Erwachsenen. In James Grays The Yards - Im Hinterhof der Macht landet ein eigenschaftsloser Mark Wahlberg in einem Mafiakrieg und kann sich auf nichts verlassen außer auf seinen Dackelblick. Filmkritik
Kleine Freiheiten im unfreien Leben: Yüksel Yavuz’ Film von 2003 über die Freundschaft zweier in Hamburg gestrandeter Jungs ohne Papiere kommt noch einmal neu restauriert ins Kino. Ein echter Glücksfall. Filmkritik