Drama

Sacrifice

Romain Gavras Reichen-Satire Sacrifice macht sich mit großem Material- und Staraufgebot über liberale Eliten lustig. Für die Reichen, die aktuell tatsächlich am Drücker sind, interessiert sie sich leider nicht. Filmkritik 

The Social Reckoning

Knallhart präsentiert sich in Aaron Sorkins Facebook-Abrechnung The Social Reckoning die postfaktische Gesellschaft. Der Film möchte Mark Zuckerberg und dem Meta-Konzern weh tun, fühlt sich aber vor allem ziemlich irrelevant an. Vielleicht liegt eben darin seine Stärke. Filmkritik 

Camouflage

Der russische Überfall auf seine Heimat stürzt auch einen jungen, in Deutschland lebenden Ukrainer in eine existenzielle Krise. Mit produktiver Unruhe erkundet Mykyta Gibalenkos Camouflage die leisen Spannungen zwischen denen, die gehen wollten, und denen, die gehen mussten. Filmkritik 

A Woman's Torment

Leg dich nicht mit Karen an! Roberta Findlays A Woman’s Torment funktioniert als stupider Sexstreifen genauso gut wie als experimenteller Horrorfilm. Mit psychotischer Energie durchkreuzt der Film die Pornoroutine und entfaltet so seine emanzipative Kraft. Sehen kann man ihn gerade auf dem Wiener Slash Filmfestival, oder bei Mubi streamen.  Filmkritik 

Frau Winkler verlässt das Haus

Warum wir leben, warum wir leiden: Wenn wir es doch nur wüssten! Tschechows Geist schwebt in Doris Dörries Komödie Frau Winkler verlässt das Haus, in der Angela Winkler als grumpy old lady einen empathischen Pflegedienstroboter bekommt. Es geht ums Alter und ums Sterben. Aber es ist nicht ernst. Filmkritik 

Primetime

To Catch a Predator hieß ein in den Nuller Jahren sehr erfolgreiches Format des US-Fernsehsenders NBC, dem es um die inszenierte Zurschaustellung potentieller Sexualstraftäter ging. Lance Oppenheims Primetime schildert diese Show und ihre Umstände als Fiebertraum einer korrupten, implodierenden Welt. Filmkritik 

Maspalomas

Der siebzigjährige Vicente genießt sein schwules Leben auf Gran Canaria. Bis er sich nach einem Schlaganfall den Wunden der Vergangenheit stellen und erneut um seine Freiheit kämpfen muss. Ruhig und einfühlsam erzählt Maspalomas von queerem Altern und der zerstörerischen Beharrlichkeit des Schweigens. Filmkritik 

Morgen war Krieg

Fahnenflüchtig in einem autoritären Deutschland nach der „Zeitenwende“: Nicolas Ehrets Langfilmdebüt Morgen war Krieg will ein Kommentar zur gegenwärtigen Aufrüstungsdebatte sein und bedient sich dafür aus dem Standard-Baukasten des dystopischen Kinos. Filmkritik 

Das geträumte Abenteuer

Nicht ist zu lose, aber auch nichts zu Ende erklärt: Rund um zwei nicht mehr ganz junge Heimkehrer im bulgarischen Svilengrad deutet Das geträumte Abenteuer einen Mafia-Plot an. Dabei geht Regisseurin Valeska Grisebach, für die Ort und Laiendarsteller bestimmend für die Geschichte sind, mit der Behutsamkeit einer Archäologin vor. Filmkritik 

Von Scham und Geld

Leere, Stillstand, vielleicht auch Sehnsucht: In Visar Morinas Sozialdrama Von Scham und Geld über eine Familie im Kosovo treffen dörfliche Werte auf die kapitalistische Moderne. Plötzlich muss der Protagonist feststellen, dass es in der Stadt etwas ganz anderes bedeutet, „ein guter Mann" zu sein. Filmkritik 

Gentle Monster

Eine perfekte Bobo-Existenz wird von Missbrauchsvorwürfen erschüttert: Marie Kreutzers Gentle Monster erzählt eindringlich vom Schaudern, wenn ein geliebter Mensch plötzlich fremd und bedrohlich wird, verheddert sich dann aber in einem Dickicht aus Diskursen und Nebenfiguren. Filmkritik 

Die drei Gesichter einer Frau

Prinzessin Soraya, in den 50er Jahren Ehefrau des Schahs von Persien, war Staatsrepräsentantin mit Bescheidenheit und Eleganz. Im Omnibusfilm Drei Gesichter einer Frau erprobt sich die Kinoliebhaberin als Schauspielerin. Gelungen ist vor allem Michelangelo Antonionis Episode, in der die Berühmtheit wie ein wunderlicher Käfer seziert wird. Filmkritik 

The Image

Kino-Tipp: Radley Metzgers Kino ist von einer eleganten Dekadenz geprägt, die keinen Raum für ökonomische und weltliche Probleme lässt. Im üppig eingerichteten Townhouse des berüchtigten Trump-Anwalts Roy Cohn drehte Metzger mit The Image einen SM-Porno um Dominanz und Unterwerfung. Schöner wurde Urinieren selten inszeniert. Filmkritik 

Vaterland

Goethe soll geehrt werden, aber welcher? Schwere hängt in der Luft im von den Besatzungsmächten geteilten Deutschland, das Erika und Thomas Mann in Pawel Pawlikowskis von einem realen Heimatbesuch des Schriftstellers inspirierten Film Vaterland bereisen. Filmkritik 

Ghost School

Am Anfang steht ein geprügelter Esel, am Ende ein geflügeltes Pferd. Dazwischen stellt ein pakistanisches Mädchen Fragen über ihre geschlossene Schule, erhält aber keine einfachen Antworten. Seemab Guls kluger Debütfilm Ghost School verdeckt die Wirklichkeit, von der er erzählt, nicht. Filmkritik 

Falscher Bekenner

Der junge Armin verzweifelt an den Erwartungen der Erwachsenenwelt. Ein Ventil findet er nur im Abschicken erfundener Bekennerschreiben. Christoph Hochhäusler erzählt in Falscher Bekenner von der stillen Revolte gegen den Zwang, auf eine ganz bestimmte Art zu leben. Filmkritik 

Das Ende der Sterne

Ein blutiger, postapokalyptischer Western um einen todessehnsüchtigen jungen Piloten. Ridley Scotts neuestes Werk Das Ende der Sterne ist nachdrücklich inszeniertes Actionkino mit atemberaubenden Kämpfen und sensationell irrwitzigen Passagen.  Filmkritik 

The Shards

Mit der Disney+-Serie The Shards jagt Ryan Murphy die Romanvorlage von Bret Easton Ellis durch den Reißwolf seiner Produktionsmaschinerie: Statt kontrolliertem Exzess und präziser Satire herrscht nur mehr campige Beliebigkeit. Übrig bleiben immerhin ein paar grandiose 80er-Jahre-Songs. Filmkritik 

Sechswochenamt

Sich mit der Wirklichkeit herumschlagen, obwohl man kaum noch atmen kann: In Sechswochenamt muss eine junge Frau nach dem Tod ihrer Mutter deren Bestattung organisieren. Die Einwohner des niederrheinischen Erkelenz schicken sie dabei durch einen Parcours aus Vorschriften und Erwartungen. Filmkritik 

One Night Only

Eine dystopische Prämisse für eine retronostalgische RomCom: Will Glucks One Night Only spielt in einer Welt, in der Unverheiratete nur noch einmal im Jahr Sex haben dürfen. Der leichthändig inszenierte Film setzt dabei durchweg eher auf einwandfrei ausgespielte Slapstick-Gags als Gesellschaftskritik. Filmkritik 

Für immer 16

Brezel Görings Für immer 16 ist ein schräger Bravo-Fotoroman in Super 8 über halb gelingende Versuche, Freundschaften am Leben zu halten und mit der Beschissenheit der Dinge klarzukommen. Mit Lilith Stangenberg und Songs von Stereo Total. Filmkritik