Indianerspiele mit Egon Krenz. Lutz Pehnerts Dokumentarfilm Kommunist will keine historische Aufarbeitung liefern oder gar moralisches Diktatur-Bashing. Sondern einen Mann porträtieren, der zum inneren Zirkel der DDR-Staatsmacht gehörte und nun als Rentner an der Ostsee lebt. Doch dieser Essay hinterlässt das Gefühl, der Regisseur habe dem kalten Krieger Krenz einen Film geschenkt. Filmkritik
Als würde sie sich selbst wieder zusammensetzen: Daniela Magnani-Hüller hat einen Film über einen versuchten Femizid gedreht, dessen Opfer sie einst fast selbst geworden wäre. Was an Empfindsamkeit bleibt kommt ganz ohne Erbaulichkeiten aus. Filmkritik
Die Beiträge des diesjährigen Dokumentarfilmfestivals erzählen von technischen Fortschritten, gesellschaftlichen Rückschritten und vor allem von ungestillten Sehnsüchten. Um die Filme zu schauen, muss man nicht zwangsläufig vor Ort sein. Special
In Filmen, Workshops und Medienkunst-Arbeiten widmet sich das European Media Arts Festival in Osnabrück den drängenden gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit. Ein Festival, das dezidiert etwas zu sagen hat, ohne darüber die Offenheit und Vielfalt des visuellen Ausdrucks zu vergessen. Special
Ben Russell und Guillaume Cailleau haben über zwei Jahre lang eine aktivistische Community in Frankreich beobachtet. Direct Action ist ein langsamer Film, der weiß, wie lange politische Arbeit dauert. Filmkritik
Diagonale Graz: Die Experimentalfilmemacherin Birgit Hein schildert in ihrem Filmtagebuch Baby, I Will Make You Sweat (1995) als ‚alternde‘ Frau ihre Wut über die repressiven deutschen Verhältnisse und ihre sexuellen Abenteuer auf einer Jamaikareise – roh, poetisch, radikal und von ephemer Schönheit. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: Die Natur, wie ein Filmset nachgebaut. In seinem dreistündigen Film über den Zürcher Zoo richtet Romuald Karmakar den Blick auf Tiere, fürsorgliche Care Professionals und ihr teilweise blutiges Geschäft. Filmkritik
Weit sind sie herumgekommen mit ihrem langen Hals. Höflich beobachtend sammelt Lea Hartlaubs Dokumentarfilm sr in der Welt und der Kulturgeschichte Giraffen ein. Filmkritik
Machen Frauen die härteren Filme? Isa Willingers Dokumentarfilm No Mercy geht dieser Frage in Gesprächen mit Regisseurinnen wie Catherine Breillat, Monika Treut und Ana Lily Amirpour nach – und schafft ein vielstimmiges Mosaik, in dem Raum für Widerspruch und Kontroverse bleibt. Filmkritik
Berlinale 2026 – Forum: Die Regisseurin Nurith Aviv lässt 13 Menschen die Geschichte ihres Vornamens erzählen. Dabei verschreibt sie sich ganz den Porträtierten, nichts lenkt von ihrer Sprache ab. Prénoms ist ein Freundschaftsakt, ein Film wie ein Blumengeschenk. Filmkritik
Berlinale 2026 – Panorama: Mit Douglas Gordon by Douglas Gordon ist Finlay Pretsell ein schmerzhaft intimes Porträt des berühmten Künstlers gelungen. Nicht die großen Erfolge stehen im Mittelpunkt, sondern kleine, sprechende Details – ein Hauch von Goldstaub im Gesicht macht hier ein ganzes Leben erfahrbar. Filmkritik
Berlinale 2026 – Forum: Die Dokumentarfilmerin Pepa Lubojackis begleitet ihren Bruder durch die Alkoholsucht, ohne ihm helfen zu können. If Pigeons Turned to Gold ist Kino gewordene Überforderung mit einer Situation. Filmkritik
Berlinale 2026 – Forum: Eight Bridges macht die titelgebenden Bauwerke zum Sinnbild für die inneren Spannungen der U.S.-Gesellschaft. Das ist formal beeindruckend, doch vermisst man ein wenig die von Regisseur James Benning sonst gewohnte Ironie und Neugier. Filmkritik
Berlinale 2026 – Forum: Ohne Budget, aber mit viel Leidenschaft dreht das nigerianische Kollektiv „The Critics“ afrofuturistische Sci-Fi-Kurzfilme. Die Doku Crocodile folgt dem Aufstieg der Gruppe und zeigt dabei auch Herausforderungen und Zerwürfnisse, die den Erfolg begleiten. Filmkritik
Brett Ratners Melania über die amtierende First Lady der USA ist weniger Propaganda-Machwerk als eine um jede Eigenwilligkeit bereinigte Unternehmens-Broschüre. Glänzende Bilder und schmissige Popsongs erschaffen eine Oberfläche, an der man lang kratzen muss, um etwas Interessantes freizulegen. Filmkritik
Stille Beobachter wirft einen Blick auf das Leben in einem bulgarischen Bergdorf – aus der Perspektive seiner tierischen Bewohner. Spielerisch offenbart Eliza Petkovas Dokumentarfilm dabei eine Spannung zwischen Realismus und Mystik. Filmkritik
In ihren so politischen wie persönlichen Essayfilmen reflektiert Lee Anne Schmitt anhand von Landschaften und Objekten über US-amerikanische Verhältnisse. Das Festival DOK Leipzig widmet der Regisseurin eine Hommage. Special
Die diesjährige Retrospektive des DOK Leipzig widmet sich der eigenen Festivalgeschichte und präsentiert eine Auswahl aus den erstaunlich vielen US-amerikanischen Filmen, die dort zu DDR-Zeiten liefen. Kuratorisch verantwortlich für die Schau „Un-American Activities“ sind Tobias Hering und critic.de-Autor Tilman Schumacher. Ein Gespräch. Interview
In A Letter to David erinnert der israelische Regisseur Tom Shoval an das Schicksal seines Freundes David Cunio, der am 7. Oktober 2023 von der Hamas in den Gazastreifen verschleppt wurde. Ein Film über eine historische Zäsur und ihre Folgen, der konsequent der Perspektive der Betroffenen verpflichtet ist. Filmkritik
Teils recht überzeugend zeigt Maciej J. Drygas‘ Trains, wie Zivilisation in Barbarei kippt. In einigen entscheidenden Passagen vergisst der kommentarlose Eisenbahn-Kompilationsfilm allerdings, dass Bilder nicht für sich stehen; sondern lesbar gemacht werden müssen. Filmkritik
San Sebastiàn Filmfestival: Bei einer Auseinandersetzung wird ein Angehöriger einer indigenen Gemeinschaft erschossen. Lucrecia Martel beobachtet in ihrem brillanten Dokumentarfilm den Prozess, der blinde Flecken und offene Wunden der argentinischen Vergangenheit und Gegenwart aufdeckt. Filmkritik