Hope – Kritik

Trottelcop & Butt-kicking Babe gegen CGI-Aliens: In Hope, dem teuersten koreanischen Film aller Zeiten, greift der bislang für seine düsteren Filme bekannte Na Hong-jin tief in die Popcornkinotüte und steuert 160 Minuten lang auf ein polarisierendes Finale zu.

„Hoffnung“ ist nicht unbedingt das erste Wort, das einem zu Na Hong-jin einfällt. Sein Debüt The Chaser (Chugyeokja, 2008), der in puncto Brutalität an Park Chan-Wooks Oldboy (Oldeuboi, 2003) erinnert, dreht sich um einen Zuhälter und Ex-Polizisten, der im Strudel eines Kriminalfalls versinkt. In The Yellow Sea (Hwanghae, 2010) schlägt und schießt sich ein eher unfreiwilliger Auftragsmörder in desaturierten Bildern durch trostlos-graue Stadtlandschaften. Und Nas Meisterwerk, der wuchtige Exorzismus-Horrorfilm The Wailing (Gokseong, 2016) verweigert mit seinem unerbittlich finsteren Herz jegliches genretypische Happy End.

So ziemlich das Einzige, was davon in Hope (Hopeu, 2026) übriggeblieben ist, ist die Skepsis gegenüber Ordnungshütern. Polizisten sind in sämtlichen Filmen Nas inkompetent, korrupt oder beides. So auch in Hope Bum-seok (Hwang Jung-min), der unfähige Dorfcop, der am Beginn auf eine übel zugerichtete Kuh stößt und daraufhin nach einem Tiger fahndet. Allerdings stellt sich recht schnell heraus, dass die Gegend nahe der innerkoreanischen Grenze nicht von einer Raubkatze heimgesucht wird, sondern von außerirdischen Monstern.

Die erste Stunde des Films ist im Grunde eine Trottelcop-Komödie mit Alien-Beilage, die möglichst lang den Moment hinauszögert, an dem wir die Kreaturen zum ersten Mal zu sehen bekommen. Mit der Ankunft von Bum-seoks Kollegin Sung-ae – einem veritablen Butt-kicking Babe, gespielt von Model und Squid-Game-Star Jung Ho-yeon – verwandelt sich das Ganze dann in einen Action-Blockbuster, dessen simpler Plot sich mit „Menschen jagen Monster“ zusammenfassen lässt.

Unterentwickelte Hintergrundgeschichten, launische Monster

Na Hong-jin verwebt gekonnt mehrere Stränge, hält Dynamik und Spannung hoch und lockert den Film immer wieder im Stil eines Midnight Movies auf: sei es mit Running Gags über Bum-seoks mangelhafte Bewaffnung und seine erbärmlichen Autofahrkünste, einem langen Fäkalwitz oder einer Sezier-Szene, die den Body Horror so weit treibt, dass man nicht anders kann als das eigene Unbehagen wegzulachen. In erster Linie aber erweist sich Hope als laut raschelndes Popcornkino, das den Puls mit atemloser Dauer-Action antreibt.

Weil sich das irgendwann nicht mehr steigern lässt, wird einem paradoxerweise bei dem all dem Geballer, den ständigen Explosionen und Verfolgungsjagden zunehmend langweilig. Das zeigt sich insbesondere während einer späten, schier endlosen Car-chase-Sequenz, die in einem vorhersehbaren Twist mündet.

Die Monster weisen – je nachdem wie es der Plot gerade braucht – eine sehr unterschiedliche Geschwindigkeit und Toleranz gegenüber Schusswaffenverletzungen auf. Auch ihre Form wandelt sich: Mal erinnern sie an Avatar, mal an Transformers, gelegentlich erhalten sie ein menschliches Antlitz, wenn der Regisseur die Spiegelneuronen des Publikums befeuern will. Besonders realistisch wirken sie nicht – aber das scheint volle Absicht zu sein, denn in puncto CGI-Technik wäre bei Hope, immerhin dem teuersten koreanischen Film aller Zeiten, sicherlich mehr drin gewesen.

Das Aussehen der Aliens ist aber weniger das Problem als ihre Geschichte: Der Film deutet zwar anfänglich den Grund für ihre Landung auf der Erde an, lässt dann aber diesen potenziell subtextreichen Hintergrund im Larvenstadium verkommen. Inkonsequent wirkt auch der Umgang mit ihrer Sprache: Zunächst erscheinen keinerlei Untertitel – was Sinn ergibt, da auch die menschlichen Figuren die Außerirdischen nicht verstehen können. Im Finale jedoch tauchen plötzlich Untertitel auf. Was die Aliens dann kommunizieren, ist dabei so offensichtlich, dass es keiner Übersetzung bedurft hätte. Das erweckt letztlich den Eindruck, als vertraue Na entweder seinen Bildern oder den ZuschauerInnen nicht.

Finale mit bitterem Beigeschmack

Ähnlich wie im Monsterfilm The Host (Goemool, 2006) von Nas Landsmann Bong Joon-ho, schlummert auch in Hope eine politische Parabel. An mehreren Stellen insinuiert er, dass die Aliens im Grunde nicht nach einem Konflikt, sondern nach friedlicher Koexistenz suchen. Da ist es sicher kein Zufall, dass Na den Plot nahe der (keinesfalls demilitarisierten) Demilitarized Zone, der Grenze zu Nordkorea ansiedelt. Auch sonst stecken ein paar potenziell produktive Ideen in Hope, etwa dass Wut Menschen verändert. Vor lauter Dauerfeuer aber dringen diese Elemente nie auch nur in die Nähe der Oberfläche.

Das ist schade, denn Hope wäre an sich gut dazu geeignet, eskapistisches und anspruchsvolles Kino zu vereinen. Mehrfach bietet sich die Chance zum subversiven Blockbuster – etwa, wenn Na das erwartete Grande Finale verweigern würde, da die Aliens eigentlich gar nicht kämpfen wollen. Oder wenn die militanten Menschen sich als die wahren Monster herausstellten. Stattdessen degradiert Na seinen ersten Film nach zehn Jahren zum bloßen Honeypot. In der allerletzten Einstellung wird klar, dass die soeben erlebten 160 Minuten im Grunde nur das Setup für ein (bereits fertig geskriptetes) Sequel sind.

Neue Kritiken

Trailer zu „Hope“


Trailer ansehen (2)

Neue Trailer

alle neuen Trailer

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.