Vom deutschen Alain Delon zum erratischen Essayfilmer: Die Karriere des Ulli Lommel verbindet Fassbinder mit Warhol, Lederhosenfilme mit Slashern, Kunst mit Küblböck. Das Berliner Zeughauskino widmet ihm ab Freitag eine Retrospektive. Über einen Regisseur, der sich nicht darum scherte, wie die Dinge auszusehen haben. Special
Neu auf DVD: Im Fegefeuer der Shore. Ben und Joshua Safdie finden Magie in den Zirkeln der Selbstzerstörung. Filmkritik
VoD: Frühling in Paris erzählt die Begegnung zwischen der 16-jährigen Suzanne und dem 35-jährigen Raphaël wie einen Traum. So ganz räumt Regisseurin Suzanne Lindon in ihrem Debüt den Verdacht nie aus, dass ihre Heldin sich nur ein Alter Ego erfindet. Filmkritik
Serien wie When They See Us versuchen verstärkt, auch politische Strukturen ins Bild zu setzen. Warum die Analyse von Machtverhältnissen und die Affekte des Kinos sich nicht ausschließen müssen. Special
Eine Gratwanderung zwischen Psychose und Erlösung in nur 50 Minuten. Jesus Egon Christus ist ein ziemlich einzigartiger Film, der nicht nur aus der sonst so braven Perspektive Deutsches Kino herausragt. Filmkritik
Auf Goldsuche und in Stammkneipen: Auf MUBI gibt es zwei Filme des texanischen Independent-Regisseurs Eagle Pennell zu sehen, der seine Slacker-Figuren voller Verständnis in eskalierende Situationen bringt. Special
Neu auf Netflix: Das Testpublikum tat sich schwer, reale Szenen von Fantasien der Protagonistin zu unterscheiden. Darauf wurde Joe Wrights Thriller umgeschnitten. Was von dem Problem übrigbleibt, ist das Reizvollste an The Woman in the Window. Filmkritik
Wie man die Zeit auch dreht und wendet, in Richtung Zerstörung geht sie in Irreversibel leider immer. Dabei zeigt die neue, chronologische Schnittfassung, dass Gaspar Noés Film nie etwas verborgen hat, was es zu offenbaren gäbe. Filmkritik
Avantgardistischer kleiner Bruder zu Nolans Tenet: In Die letzte Stadt wirft Heinz Emigholz die Frage auf, ob es in einer global vernetzten Welt überhaupt noch möglich ist, an einem Ort zu sein, oder ob wir nicht immer zugleich hier und irgendwo anders sind. Filmkritik
Ein Psychologe hat mal behauptet, der Mensch werde mit einem Alkoholdefizit geboren. Thomas Vinterberg gefällt's: Der Rausch ist eine Hommage an unsere liebste Droge, stellt aber auch die Frage, ob wir überhaupt glücklich werden können. Filmkritik
Netflix: Nicht wissen, wer man ist, und dann auch noch in einer Kammer mit wenig Sauerstoff feststecken. Oxygen spielt in einem Zwangskokon, aus dem sich Mélanie Laurent zu befreien versucht – und mit der Frage, ob Regisseur Alexandre Aja hier der einzige Sadist ist. Filmkritik
Streaming-Tipp: Gelähmte Regisseurin trifft Betrüger in Topform. Catherine Breillats Film beruht auf Selbsterlebtem. Auf angenehm sachliche Art erzählt Missbrauch, wie ein gesunder muskulöser Körper einen kranken Körper missbraucht. Filmkritik
Neu auf DVD: Ficken auf dem Kreuzweg. Der japanische Regisseur Isao Yukisada mischt Schicksalsschlag und Softporno und lässt das Roman-Porno-Genre des Filmstudios Nikkatsu wiederaufleben. Filmkritik
Neu auf DVD: Der Regisseur Jacques Tourneur schätzte das unterschwellig Brodelnde und atmosphärisch Ambivalente mehr als straightes Storytelling. In Der dreizehnte Gast (1951) schickt er einen unterkühlten Ray Milland im Post-War-Britain auf eine Reise zu den Toten. Filmkritik
MUBI: Sturz in die Dunkelheit bei Tag. In Camilo Restrepos Debütfilm Los Conductos kann man kaum etwas sehen, kaum etwas nachvollziehen, und doch viel begreifen. Filmkritik
VoD: Die eine kann jeden haben, aber keinen halten – die andere würde jeden nehmen, wenn sie nur einen abbekäme. Catherine Breillats Sommerferienfilm über zwei sehr ungleiche Schwestern ist gewissermaßen die Horrorversion von Éric Rohmers Pauline am Strand. Filmkritik
Neu auf MUBI: Vier Zuschauer erfahren Kriegsfilme am eigenen Leib. In seiner letzten Regiearbeit feiert der 2020 verstorbene Nobuhiko Ōbayashi das Kino als lustgesteuertes Referenzsystem und Gegenprinzip zum Krieg. Filmkritik
Eine Frau sieht rot: Emerald Fennels gerade mit einem Oscar ausgezeichneter Rape-Culture-Revenge-Film wechselt stetig die Tonlage und verläuft sich in Sackgassen. Nur deshalb bekommt Promising Young Woman etwas von seinem Thema zu fassen. Filmkritik
Neu auf DVD: Wind überm Moor, Schatten auf Mauern, überall emotionale Kälte und Irrsinn. Die Geistergeschichte Rosen blühen auf dem Heidegrab (1952) räumt auf mit Heimatfilm-Klischees und wirft einen Blick auf ein dunkles Deutschland, in dem etwas grundlegend nicht stimmt. Filmkritik
VoD: Faraz Shariats Debütfilm wechselt radikal die Perspektive von der weißen Mehrheitsgesellschaft zu denen, die wissen, wie das ist, die eigene Realität nicht auf der Leinwand zu sehen. In Futur Drei nehmen sie sich jetzt einfach den Raum. Filmkritik
MUBI: Echo eines verbrannten Mädchens. Der französische Regisseur Virgil Vernier erschließt den High-Tech-Standort Sophia Antipolis von den Rändern aus. Und von der Einsamkeit. Filmkritik