E 2026. Regie: Pedro Almodóvar. Mit: Bárbara Lennie, Aitana Sanchez-Gijon Start:
Wenn ein totes Kind kein totes Kind mehr ist, sondern die Wendung zum dritten Akt: Pedro Almodóvars metareflexiver neuer Film Bitteres Fest beschäftigt sich mit dem Vampirismus von Künstlern – und erteilt sich selbst die Absolution. Kritik
MEX, USA 2025. Regie: Michel Franco. Mit: Rupert Friend, Jessica Chastain Start:
In einer unaufgeregten, souveränen, wenn auch ein wenig mechanisch anmutenden Bildsprache erzählt Michel Franco in Dreams von der komplizierten Liebesbeziehung zwischen einem Ballettänzer und Migranten aus Mexiko und einer US-amerikanischen Kulturmäzenin. Kritik
F 1973. Regie: Jean Eustache. Mit: Jean-Pierre Léaud, Bernadette Lafont Start:
Mit seinem Post-68er-Feeling offenbart Die Mama und die Hure einen Regisseur, der das Symbol der 1970er Jahre werden sollte wie es Godard für die 1960er Jahre gewesen war. Kritik
F 1974. Regie: Jean Eustache. Mit: Martin Loeb, Jacqueline Dufranne Start:
Triebspiele statt Spieltrieb: Jean Eustaches Meine kleinen Geliebten (1974) erzählt von einer unsentimentalen éducation sentimentale zwischen Fahrradwerkstatt und Zungenküssen. Jetzt kommt der Film neu restauriert wieder ins Kino. Kritik
GB, USA 2026. Regie: Christopher Nolan. Mit: Mia Goth, Matt Damon Start:
Mediterrane Felsen im warmen Sonnenlicht, ein überraschend knorriger Matt Damon und eine Heldenreise als doppelt verankerte Rückblende: Christopher Nolans Die Odyssee ist weniger Blockbusterbarock als wuchtige, lebendige Arbeit am Mythos. Kritik
USA, AR 2025. Regie: Lucio Castro. Mit: Laith Khalifeh, Joel Isaac Start:
Streaming-Tipp: In einer sommerlichen Traumwelt, die New York verblüffend ähnelt, trifft ein Student auf drei verführerische Männer. Lucio Castros sinnlich verspieltes filmisches Rätsel Drunken Noodles kreist um geisterhafte Begegnungen, melancholische Einsichten und die Schönheit flüchtiger Intimität. Kritik
D 2026. Regie: Eva Trobisch. Mit: Max Riemelt, Gina Henkel Start:
Ostdeutschland als opulentes Ensemblestück: In Etwas ganz Besonderes erzählt Regisseurin Eva Trobisch von einer thüringischen Familie, die zwischen DDR-Erbe, Wendeerfahrungen und Strukturkrise wieder zueinanderfinden will. Neue Hoffnung weckt ausgerechnet eine TV-Castingshow. Kritik
Alexandre Koberidzes prekär unscharfes, archaisch gestriges Fußball-Roadmovie Dry Leaf schlägt sich wie ein Pyro-Fan auf die Seite der Vernebelung. Und lernt vom trockenen Laub und vergeistigten Superkickern, wie man mit minimaler Kontrolle Tore schießt. Kritik
VCH, F 2025. Regie: Bi Gan. Mit: Jackson Yee, Shu Qi Start:
Erleben statt verstehen. Bi Gans Resurrection reist durch Epochen und Genres der Filmgeschichte und entwirft dabei traumwandlerische Bilder, die man nicht immer begreifen muss, um sie zu genießen. Kritik
Ingeborg Bachmann in her own visionary words. Mit Schauspielerin Sandra Hüller als Medium, das die Gefühlsregungen der österreichischen Dichterin in einer vielschichtigen Textcollage sichtbar macht. Dabei bleiben sie getrennte Figuren. Und das ist gut. Kritik
USA 2025. Regie: Curry Barker. Mit: Michael Johnston, Inde Navarrette Start:
Ein magisches Stöckchen wird in Obsession – Du sollst mich lieben zur Erfüllung einer Incel-Fantasie missbraucht. In seinem gehypten Horrorfilm gelingen dem YouTuber Curry Barker verstörende Momente, doch von den Möglichkeiten eines Langfilms scheint er ein wenig überfordert zu sein. Kritik
HOK, VCH 2025. Regie: Kenji Tanigaki. Mit: Miao Xie, Joe Taslim Start:
Kenji Tanigakis The Furious hat klare Prioritäten: Die Handlung um böse Menschenhändler und aufrechte Helden ist nebensächlich, die Hauptsache sind die vielen, wuchtigen und maßlosen Kampfszenen. Konsequentes Ziel ist die komplette Vernichtung des Gegners. Kritik
IS, DK, S, F 2025. Regie: Hlynur Palmason. Mit: Ingvar Sigurdsson, Sverrir Gudnason Start:
Sich trennen und den gemeinsamen Alltag doch nicht aufgeben, diesen Versuch unternimmt ein isländisches Paar in The Love That Remains. Hlynur Pálmasons Film interessiert sich dabei weniger für große Gefühle als für subtile Stimmungswechsel und das langsame Brüchigwerden von Vertrautem. Kritik
2026. Regie: Jacqueline Jansen. Mit: Magdalena Laubisch, Marc Fischer Start:
Sich mit der Wirklichkeit herumschlagen, obwohl man kaum noch atmen kann: In Sechswochenamt muss eine junge Frau nach dem Tod ihrer Mutter deren Bestattung organisieren. Die Einwohner des niederrheinischen Erkelenz schicken sie dabei durch einen Parcours aus Vorschriften und Erwartungen. Kritik
USA 2026. Regie: Kane Parsons. Mit: Finn Bennett, Avan Jogia Start:
Die Melancholie gescheiterter Lebensträume: Kane Parsons Kinodebüt Backrooms verliert dort seine Faszination, wo seine Liminal Spaces an die Grenzen stoßen, die Plot und thematische Zuspitzung ihnen abverlangen. Gewissermaßen scheint der Film selbst nicht fähig, den eigenen Vibe auszuhalten. Kritik
D 2025. Regie: Lutz Pehnert. Mit: Egon Krenz Start:
Indianerspiele mit Egon Krenz. Lutz Pehnerts Dokumentarfilm Kommunist will keine historische Aufarbeitung liefern oder gar moralisches Diktatur-Bashing. Sondern einen Mann porträtieren, der zum inneren Zirkel der DDR-Staatsmacht gehörte und nun als Rentner an der Ostsee lebt. Doch dieser Essay hinterlässt das Gefühl, der Regisseur habe dem kalten Krieger Krenz einen Film geschenkt. Kritik
Nicht immer bedeutet Filmsex Spaß und gute Laune. Als Teenieparty-Mitbringsel war die VHS von Im Reich der Sinne (1976) wenig geeignet, musste unser Rezensent lernen. Zum 50. Jubiläum kehrt Nagisa Oshimas unnachgiebiger, grimmiger Realismus der Körper nun zurück in die Kinos. Kritik
F 2025. Regie: Liane-Cho Han Jin Kuang, Mailys Vallade. Mit: Loïse Charpentier, Victoria Grobois Start:
Für Erwachsene mag wenig passieren, doch für ein Kind steht ständig alles auf dem Spiel. Der spielerisch feinsinnige Animationsfilm Die kleine Amélie oder der Charakter des Regens blickt mit den staunenden Augen eines Mädchens auf die Welt. Kritik
USA 2026. Regie: Steven Spielberg. Mit: Josh O'Connor, Eve Hewson Start:
Wohlwollende Außerirdische, kindliches Staunen und ambivalente Vaterfiguren: In Disclosure Day verbindet Steven Spielberg allerlei bekannte Motive aus früheren Erfolgen, bekommt diese Überfülle aber nie ganz unter Kontrolle. Nur seine Liebe zu überwältigenden Bildern, die ist so lebendig wie eh und je. Kritik
D 2026. Regie: Angela Schanelec. Mit: Agathe Bonitzer, Vladimir Vulevic Start:
Es wird viel gesprochen in Angela Schanelecs Meine Frau weint – auf dem Arbeitsplatz, im Auto, auf Berliner Grünflächen. Und doch kreist der Film in seinen langen Kamerafahrten um die Einsicht, dass das Gesprochene nie ganz dem entspricht, was man fühlt. Kritik
F 2025. Regie: Valentine Cadic. Mit: India Hair, Arcadi Radeff Start:
Die junge Touristin Blandine stürzt sich nach einer Trennung ins Getümmel der Olympischen Spiele in Paris. Ein Sommer in Paris ist eine sommerliche Tragikomödie voller unangestrengt eingefangener Emotionalität. Kritik
Zwischen einer Gedenkzeremonie in Guinea-Bissau und einer Hochzeit in der Pariser Banlieue, zwischen Dokument und Fiktion, Figurenkonstruktion und Selbstfindung: Alles fließt ineinander in Alain Gomis’ neuem Film Dao, der sich binären Konzepten von Identität ebenso widersetzt wie dem linearen Erzählen. Kritik
PL, GB 2025. Regie: Jan Komasa. Mit: Stephen Graham, Anson Boon Start:
Zornig, ohne richtig zu wissen, auf wen oder warum: Tommy, die Hauptfigur in Jan Komasas Good Boy - Wir wollen nur dein Bestes, ist ein Bully aus der britischen Arbeiterklasse. Der Film jedoch wird nicht zu einem Sozialdrama, sondern zu einem etwas unausgegorenen schwarzhumorigen Entführungsthriller. Kritik
D 2026. Regie: Kilian Armando Friedrich. Mit: Sabine Thalau, Thomas Sprekelsen Start:
Streaming-Tipp: Das Schicksal einer Managerin in einer Gebäudereinigung als Sinnbild für die Verwerfungen des modernen Arbeitsmarkts. Ich verstehe Ihren Unmut ist ein Film von nüchterner Intensität, der sich aber zum Glück ab und zu auch eine Kippenpause gönnt. Kritik