Das verborgene Gesicht

Hinter den Spiegeln einer Villa verbirgt sich eine eifersüchtige Frau. Andrés Baiz lockt den Zuschauer mit seinem zweiten Film auf eine falsche Fährte.

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Auf dem Anwesen des spanischen Nachwuchsdirigenten Adrián (Quim Gutiérrez) geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das muss seine neue Freundin Fabiana (Martina García) am eigenen Leib erfahren. Die Dusche wechselt schlagartig die Temperatur und verbrüht ihr den Rücken, das Badewasser beginnt zu vibrieren, und dann kommen auch noch diese seltsam kreischenden Geräusche aus dem Abfluss. Was diese ungewöhnlichen Ereignisse verursacht, vermag die eingeschüchterte junge Frau nicht zu sagen. In einem Punkt ist sie sich aber sicher: In irgendeiner Weise hängt der Spuk mit Belén (Clara Lago) zusammen, Adriáns auf mysteriöse Weise verschwundener Ex-Freundin.

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In seinem zweiten Film bedient sich der Kolumbianer Andrés Baiz (Satanás, 2007) zunächst sämtlicher Effekte des atmosphärischen Gothic Horrors, von dramatisch akzentuierenden Donnerschlägen bis zu plötzlichen Stromausfällen. Und auch mit seinem orchestralen Soundtrack und den eleganten Bildern scheint Das verborgene Gesicht (La cara oculta) ein Gruselfilm alter Schule zu sein, der sich nicht mit rationalen Erklärungen entschlüsseln lässt. Und dann, nach etwa einer halben Stunde, wechselt er plötzlich die Perspektive, erzählt die Geschichte noch einmal aus den Augen Beléns und erweist sich schließlich doch als stets in der Realität verankerte Mischung aus Liebesdrama und Thriller.

Die Idee, sich der Handlung von verschiedenen Seiten zu nähern, ist ein kluger Schachzug des Films, der gleichzeitig davon ablenkt, dass Baiz in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Figurenzeichnung nicht die größten Ambitionen hat. Ermöglicht wird dieser dramaturgische Kniff durch einen gut versteckten Schutzraum, den ein emigrierter Altnazi gebaut hat. Die eifersüchtige Belén nutzt ihn dazu, um die Echtheit von Adriáns Liebe zu testen, nachdem sie ihn per Videobotschaft scheinbar verlassen hat. Nur zu dumm, dass sie den Schlüssel verschlampt hat und zur Gefangenen ihres eigenen Planes geworden ist.

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Nacheinander etabliert der Film zwei direkt aneinander grenzende, aber in sich geschlossene Welten. Erst mit der Zeit findet Belén Wege, mit der anderen Seite zu kommunizieren. Plötzlich bekommt Rätselhaftes vom Anfang eine einfache, teils auch lustige Erklärung. Obwohl Das verborgene Gesicht in der zweiten Hälfte fast nur an einem Schauplatz spielt, wirkt er dabei nie monoton. Mit immer neuen Wendungen hält Baiz die Spannung aufrecht und verfängt sich gegen Ende dann doch in ihnen. Sein Anliegen, den Zuschauer immer wieder aufs Neue zu überraschen, gipfelt schließlich in einem etwas uninspirierten Schluss.

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Das verborgene Gesicht kann als durchschnittlicher Genrebeitrag auf jeden Fall überzeugen. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass gerade die Handlung über das gefährliche Abhängigkeitsverhältnis zwischen den beiden Frauen und die verschiedenen Auswüchse der Eifersucht mehr Potenzial gehabt hätte. Besonders deutlich wird das an der Figur der Fabiana, die als gleichzeitige Konkurrentin und mögliche Retterin der interessanteste Charakter des Films sein könnte. Leider verfällt Baiz aber dem attraktiven Äußeren von Darstellerin Martina García und gibt sich damit zufrieden, sie leicht bis nicht bekleidet vor der Kamera posieren zu lassen.

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