Intruders

Zwei Kinder, die nicht schlafen können, und ein Vater, der ein dunkles Geheimnis hat.

Intruders 1

„Und der Schattenmann kommt näher und näher und näher ...“ Mit dieser Formel beschwört der spanische Regisseur Juan Carlos Fresnadillo (28 Weeks Later, 2007) den klassischen Suspense eines Horrorfilms herauf. Dieses spannungserzeugende Mantra wird in seinem neuen Film Intruders gerne und oft wiederholt. So oft, dass es fast kindisch wirken könnte – wären es nicht tatsächlich Kinder, die sich vor besagtem Schattenmann fürchten: Der achtjährige Juan lebt allein mit seiner Mutter irgendwo in Südamerika. Er denkt sich gerne Gruselgeschichten mit Monstern aus, bis eines dieser Monster nachts in sein Zimmer eindringt. Doch Juan ist ein mutiges Kind: Er wehrt sich gegen den Eindringling, der in Form eines Mannes ohne Gesicht auftaucht. Fortan kommt er nun jede Nacht, um sich Juans Gesicht zu holen, und damit sein verlorenes zu ersetzen. Das weiß der Zuschauer aus der Erzählung eines anderen Kindes, der 12-jährigen Mia, die eines Tages bei ihren Großeltern auf dem Land eine Papyrusrolle findet, auf der die Geschichte des Gesichtslosen steht. Nun wird auch sie von dem nächtlichen Ungeheuer bedroht. Als Mias Vater John (Clive Owen) dem unbekannten Wesen ebenfalls begegnet, scheinen die Zweifel, dass es sich hierbei um kindliche Angstfantasien handelt, beseitigt zu sein.

Intruders 2

Die konturlose Fläche, die die Gestalt statt einem Gesicht unter ihrer Kapuze trägt, ist eine perfekte Projektionsfläche für sämtliche Erklärungsansätze, die der Zuschauer im Laufe des Films für die Visionen der beiden Kinder sucht. Wirkliche Hinweise oder Fährten bekommt er dabei nicht. Handelt es sich bei der engen Beziehung zwischen Mia und ihrem Vater wirklich um das gemeinsam durchlebte Trauma, wie es die Kinderpsychiaterin erklärt, oder doch eher um eine verklausulierte Missbrauchsfantasie, die im Folgenden aufgedeckt wird? Clive Owen verkörpert dabei stets den vertrauenswürdigen, rechtschaffenen Familienvater, dem man kein böses Doppelleben zutraut.

Intruders 3

Nun leben viele Horrorfilme und Psychothriller ja von den scheinbar klar verteilten Opfer- und Täterrollen, die im letzten Moment vertauscht werden. Doch bis zur Aufklärung vergeht in Intruders einiges an Erzählzeit, und der Film macht es dem Zuschauer auch angemessen schwer, das Rätsel allzu schnell zu lösen. Leider bedient er sich dabei ausschließlich altbekannter Bilder aus der Horror-Klamottenkiste: das unheilvoll knarrende, offene Fenster, die stereotype Gestalt des als Sensenmann getarnten Einbrechers und die verstört dreinblickenden Kinder, die nach der Begegnung mit dem Ungeheuer merkwürdig verändert scheinen – all das wird von Fresnadillo zwar handwerklich gekonnt und mit effektvoll eingesetzter Musik inszeniert, wirkt aber durchweg uninspiriert und schablonenhaft.

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Allzu lange springt die Handlung ohne wirkliche Entwicklung zwischen den beiden Orten hin und her und zeigt, wie alle Beteiligten vergeblich versuchen, der Lage Herr zu werden. Und dass die Kinder offensichtlich zu ganz unterschiedlichen Zeiten leben und gar nicht gleichzeitig von dem unheimlichen Einbrecher heimgesucht werden, erfährt man nur aus dem Presseheft – die Ausstattung verrät dies nicht. Kurze Aufmerksamkeitsspannen werden allein durch das Auf- und Abtauchen des – immerhin einigermaßen gruseligen – „Intruder“ durch die Fenster der Kinderzimmer erzeugt. Da sich die Szenen mehr oder weniger immer in diesen Zimmern abspielen, kann man diese dann auch schnell als Innenräume traumatisierter Seelen identifizieren. Und natürlich ist auch der gesichtslose Eindringling Teil eines Psycho-Tableaus, das in den letzten Minuten des Films auch eindeutig aufgelöst wird. Fresnadillo führt die Fäden zusammen, indem er zuletzt einen „unzuverlässigen Erzähler“ enttarnt, aus dessen Perspektive der vorangegangene Film präsentiert wurde – dieser narrative Trick, der in den späten 1990ern seine Hochzeit hatte, wird hier allerdings wesentlich weniger virtuos inszeniert, als man es aus Filmen wie Fight Club (1999) oder The Usual Suspects (1995) kennt. Und dass filmische Horrorszenarien immer auch Spiegel der Psyche ihrer jeweiligen Protagonisten sind, ist leider keine besonders originelle Idee. Jedenfalls nicht, wenn sie so müde und einfallslos präsentiert wird.

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