Rurouni Kenshin – Kritik

Kann man gleichzeitig Pazifist und Krieger sein? Eine aufwändige Manga-Adaption zeigt uns, wie das gehen soll.

Rurouni Kenshin 04

Zahlreiche Leichen liegen bereits auf der Erde verstreut, während sich die letzten überlebenden Krieger mit Schwertern aufeinander stürzen. Dann sinken die Waffen plötzlich zu Boden: Eine neue Ära bricht an, verdichtet zu einem symbolischen Moment. Wir schreiben das Jahr 1867. Der Bakumatsu-Krieg hat so eben sein Ende gefunden, ebenso wie die japanische Isolationspolitik. Der Blick wird in eine vermeintlich bessere Zukunft gerichtet, auf ein modernes Japan, das sich gegenüber dem Westen öffnet. Einer der Männer, die ihre Schwerter niederlegen, ist der androgyne Junge Kenshin (Takeru Sato). Zu Kriegszeiten galt er als gefährlichster Kämpfer des Landes, nun hat er dem Töten jedoch abgeschworen. Entgegen der herrschenden Gesetze zieht er zwar als Wandersamurai auch zehn Jahre später noch bewaffnet durchs Land, seine innere Wandlung hat sich jedoch auch in der Wahl seines Schwertes niedergeschlagen: Mit der Klinge auf der falschen Seite dient es nunmehr nur noch zum Arbeiten, nicht aber zum Töten.

Rurouni Kenshin 02

Der Samuraifilm Rurouni Kenshin ist angesiedelt vor historischer Kulisse, in der sich Spuren japanischer Tradition mit westlichen Einflüssen überlagern. Zwischen Schilderungen einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in der neue und alte Werte miteinander kollidieren, inszeniert Keishi Ohtomo eine klassische Heldengeschichte. Dabei halten auch stilisierte Kämpfe und fantastische Elemente wie ein magisches Schwert Einzug. Es klingt zunächst nach einer seltsamen Mischung, ist aber letztlich nichts anderes als ein freier, nicht an einer realistischen Schilderung hängender Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Vorlage des Films sind dann auch keine historischen Ereignisse, sondern eine äußerst populäre Mangaserie, die der Fernsehregisseur Ohtomo für die Leinwand adaptiert hat.

Rurouni Kenshin 06

In Japan gibt es Mangas fast für jede Zielgruppe. Zwar versucht das Rurouni-Kenshin-Franchise betont unkontrovers und damit auch attraktiv für ein möglichst großes Publikum zu sein, die eigentlichen Adressaten bleiben aber doch klar erkennbar. So macht sich der Ursprung der Geschichte als Shōnen-Manga – also Produkt für pubertierende, männliche Jugendliche – an einigen Stellen unangenehm bemerkbar. Kämpfen ist hier nicht nur in erster Linie eine Männerdomäne, auch die Funktion der blass gezeichneten weiblichen Figuren bleibt überwiegend dekorativ. Dass nicht nur Kenshin mit seinem kindlichen Gemüt und der gewagten, orangenen Haartönung auffällig asexuell wirkt, sondern auch die Beziehung zu seinem love interest – Kaoru (Emi Takei), die Besitzerin einer Kendo-Schule –, ist ein weiterer Grund dafür, dass sich der Film für große Teile eines erwachsenen Publikums disqualifiziert.

Das ist jedoch nicht das einzige Problem, an dem Rurouni Kenshin leidet. So fällt es dem Film sichtlich schwer, die Zeit zwischen den zweifellos packend inszenierten Kampfszenen befriedigend zu überbrücken. Wie sich etwa das antagonistische Verhältnis zum dämonischen Geschäftsmann Kanryū (Teruyuki Kagawa), der das Volk mit Opium vergiftet, langsam zuspitzt, erzählt der Film viel zu ausladend. Da erweist es sich als hilfreicher dramaturgischer Kniff, dass der Protagonist eigentlich Pazifist ist, aber trotzdem ständig zum Kampf herausgefordert wird und versucht seine Gegner auf möglichst gewaltfreie Weise auszuschalten. Ein bisschen verlogen wirkt es allerdings schon, wenn der Film immer wieder die Ehrenhaftigkeit seines friedlichen Helden betont, selbst aber blutige Auseinandersetzungen als große Attraktionen in Szene setzt.

Rurouni Kenshin 05

Über solche Schwächen lässt sich wohl nur hinwegsehen, wenn man den Film als das sinnfreie Spektakel begreift, das er ist. Doch während bei Nebenfiguren wie Kenshins Mitstreiter Sanosuke (Munetaka Aoki) mit seinem überdimensionalen Schwert oder dem mit prägnantem Mittelscheitel und Gesichtsakrobatik zur Karikatur überzeichneten Kanryū wenigstens noch Platz für infantilen Gaga-Humor bleibt, krankt der Haupterzählstrang um den selbstlosen Helden daran, sich viel zu ernst zu nehmen.

Trailer zu „Rurouni Kenshin“


Trailer ansehen (3)

Neue Trailer

alle neuen Trailer

Neue Kritiken

Kommentare


dirk bruhse

ziemlich peinliche kritik! da scheint jemand 1. keine ahnung von japanischer kultur und popkultur zu haben und zweitens auch ziemlich unbedarft zu sein, was alles andere beim thema film angeht xD diese serie ist für die asiaten das, was für uns herr der ringe ist. diese serie hat nicht umsonst bei allen asia-afinen menschen eine höchstwertung erhalten ;-)


Michael

Mich würde natürlich interessieren, was an der Kritik so peinlich ist und inwiefern man ihr ihr mangelndes Wissen über die japanische (Pop)-kultur vorwerfen kann. Nur, weil darin ein kommerziell erfolgreicher Film kritisiert wird? Hat dann auch jeder ausländische Kritiker, der z.B. Probleme mit "Honig im Kopf" hat, seinen Job verfehlt oder gar das Wesen der teutonischen Kultur nicht verstanden?






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.