Hände weg von Mississippi

Detlev Buck macht dem Landleben eine sonnige Liebeserklärung. Mit einem verträumten und verspielten Abenteuerfilm über ein bedrohtes Pferd, dem das Seltene glückt, gleichermaßen Kinder und Erwachsene mit seiner Ferienstimmung zu becircen.

Hände weg von Mississippi

„Oh Mann, ich hätte so Lust auf Sommer auf dem Land“, lautete Detlef Bucks Motivation, den Jugendroman von Bestseller-Autorin Cornelia Funke (Tintenherz, 2003) zu verfilmen. Das Drehbuch wurde ihm im Winter vorgelegt und nach seiner letzten Regiearbeit Knallhart (2006) – der einen Teenager mit den brutalen Realitäten des Berliner Großstadtlebens konfrontierte – hatte er etwas Entspannung und Leichtigkeit vielleicht nötig. Der Gegensatz zwischen beiden Werken könnte kaum größer sein, aber es gelingt Buck ohne sichtbare Anstrengung, seine Lust auf den Zuschauer zu übertragen und dabei eine gutgelaunte Hommage an seine ländlichen - persönlichen und künstlerischen - Wurzeln abzuliefern.

Das 10-jährige Stadtkind Emma (Zoë Charlotte Mannhardt) erlebt die Eigenarten und Sonderbarkeiten des Landlebens und seiner Bewohner für genau sechs Wochen während der langen Sommerferien, die sie wie immer bei ihrer Großmutter Dolly (Katharina Thalbach) verbringt. Diese Jahr wird die Idylle allerdings getrübt, denn ein alter Dorfbewohner ist gestorben und sein dubioser Neffe, der „Alligator“ (Christoph Maria Herbst), verplant sein Erbe auf fragwürdige Weise: Die vom Onkel innig geliebte, eigensinnige Stute Mississippi soll an die Pferdeschlachterei „Ruck Zuck“ verhökert werden, was Emma und ihre Freunde in letzter Minute verhindern können. Doch der Alligator bleibt ihnen auf den Fersen und fordert das Tier zurück.

Hände weg von Mississippi

Aufgewachsen in Schleswig-Holstein, wollte Buck ursprünglich den Bauernhof seiner Eltern übernehmen, hat sich dann aber dazu entschlossen, das Land zu filmen, anstatt es tagtäglich zu leben. Wie bereits in Karniggels (1991) und Wir können auch anders (1993) ist das dörfliche Personal in Hände Weg von Mississippi ebenso liebenswert wie kauzig, ausgestattet mit skurrilen Spleens und trockenem Humor - meistens ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Kinder haben hier den Durchblick und die Zügel in der Hand, die Erwachsenen stehen fast alle einige Meter neben der Spur. Beim „Dorf-Sheriff“ Otto sind es schon eher Kilometer, und als mögliche Referenz an seine Rolle in Sonnenallee (1999) hat Buck sich selbst als ahnungslosen und autoritätsarmen Gesetzeshüter gecastet.

Gedreht wurde in Rögnitz, einem Ort mit 230 Einwohnern, der im ehemaligen Grenzgebiet von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein liegt. Er ist Teil eines Biosphärenreservats, was erklärt, warum die satten, sommerlichen Landschaften und die verschlafenen, nostalgischen Holzhäuschen aussehen, als wären sie einem Märchen oder der Fantasie eines Romantikers entsprungen, seit Jahrzehnten nicht angerührt und verändert worden. Braun, Ockergelb und Grasgrün dominieren die warmen, lichtdurchfluteten Bilder. Es wirkt so, als müsste jeden Moment die Knusperhexe oder ein Hobbit um die Ecke biegen und Strom noch erfunden werden.

Hände weg von Mississippi

Doch ab und zu durchkreuzen Erfindungen der Neuzeit die Bilderbuchharmonie, oder das äußerlich Traditionelle und scheinbar Rückständige wird durchbrochen: Jemand joggt mal kurz, mit lautem Schnaufen und hippem Outfit, durch die Szenerie, und demnächst soll ein Discounter eröffnet werden, zum Entsetzen der Besitzer des Krämerladens mit dem Namen, der es auf den Punkt bringt: „Milch, Eier, Käse“. Außerdem sieht Oma Dolly weder aus wie eine klassische Großmutter, noch benimmt sie sich so. Sie kann nicht backen, wenn Besuch kommt wird schnell mit gekauftem Kuchen geschummelt. Stattdessen schraubt sie in Opa-Manier, mit kurzen Haaren, Nickelbrille und Latzhose, an ihrem alten Wagen herum.

Buck nennt Lasse Hallströms Die Kinder von Bullerbü (Alla via barn i Bullerbyn, 1986) und dessen Fortsetzung Neues von den Kindern aus Bullerbü (Mer om oss barn i Bullerbyn, 1987) als Vorbild. Wie diese setzt er in erster Linie auf das Einfangen einer ausgelassenen, größtenteils sorglosen Stimmung, in der es zwar Probleme zu lösen gibt, die aber keine wirkliche Bedrohung darstellen. Der Spannungsbogen ist locker, die Story eher nebensächlich. Sie hangelt sich von einer Situation zur nächsten, wird aber durchgängig aus dem Blickwinkel der Kinder beleuchtet und gibt eine unbeschwerte, überschaubare Welt wieder, die von Erdbeerklauen und Schweinereiten handelt. Der Film will hierin entführen und vorrangig unterhalten - nicht mehr, nicht weniger - und das mit Erfolg. Man bekommt Lust aufs Land und auf sechs Wochen Ferien.

Trailer zu „Hände weg von Mississippi“


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Kommentare


Sandra

hi ich finde das buch echt geil ich habe mir jetz auch den film gekauft






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