Das Weib des Pharao

Massenszenen in der märkischen Sandgrube: In einer digital restaurierten Fassung liegt Ernst Lubitschs Monumentalfilm Das Weib des Pharao von 1922 vor.

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Das Weib des Pharao war für Ernst Lubitsch so etwas wie das Ticket nach Hollywood, entsprechend monumental ist der Film geraten. Weit entfernt von den später gedrehten perfekten Komödien, für die er heute vor allem sehr geschätzt wird. Um 1920 war Lubitsch bekannt  – und wurde gefeiert – als Regisseur von Historiendramen (Madame Dubarry, 1919).

Innerhalb dieser Phase nimmt Das Weib des Pharao eine besondere Position ein, als Ausweis von Lubitschs früher Perfektion. In ihrer Studie „Herr Lubitsch goes to Hollywood“ sieht die Filmhistorikerin Kristin Thompson Das Weib des Pharao als Wendepunkt in Lubitschs Karriere: Zum ersten Mal setzte er die fortgeschrittenen Techniken amerikanischen Filmemachens ein, vor allem was die Kameraarbeit und die Beleuchtung angeht.

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Zu diesem Urteil waren freilich auch schon die Zeitgenossen gekommen. Die New York Times schrieb in ihrer Kritik zur US-Premiere 1922, die früheren Filme des Regisseurs seien zwar künstlerisch gut gewesen, technisch jedoch unzureichend. Und fährt fort: „In der kurzen Zeit seit Ende des Krieges hat Lubitsch die amerikanischen Arbeitsmethoden studiert, hat die grundlegenden Prinzipien der Kameratechnik zu beherrschen gelernt und auf seine Arbeit angewandt.“ Das Weib des Pharao sei als Ergebnis ein „enormes Filmspektakel“.

Wohl wahr. Die Geschichte um ein Sklavenmädchen, das die Leidenschaft des Pharao (Emil Jannings) und damit einen Krieg zwischen Ägypten und Äthiopien auslöst, ist voller schwelgender Ausstattungs-Details und eindrucksvoll choreografierter Massenszenen. Es gibt exotistische Grausamkeiten wie die dramatische Hinrichtungsszene, in der ein schwerer Steinblock langsam auf den Verurteilten niedergelassen wird, und am Schluss eine Steinigung, bei der zahllose Steine wie Requisiten aus dem Wüstenboden gezaubert werden. Das ist nicht sehr realistisch, erzielt aber optisch eine effektvolle Wirkung. Dabei wurden die Außenaufnahmen in einer märkischen Sandgrube gedreht.

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Eine der Action-Szenen fehlt, nämlich die, in der die Sklavin vom jugendlichen Helden aus der Gefangenschaft befreit wird. Sie gehört zu den 600 Metern Film, die noch immer verschollen sind. Diese Stellen werden mit Standbildern und weißen Zwischentiteln nacherzählt. Anders als bei Fritz Langs Metropolis (1927), der großen Stummfilm-Rekonstruktion des letzten Jahres, ist der Film ansonsten aber durchgehend von gleichbleibend hervorragender Bildqualität. Grundlage der digitalen Restaurierung waren zwei viragierte Nitrokopien.

Für die Neueinspielung der Originalmusik von Eduard Künneke zeichnet wieder Frank Strobel verantwortlich, der sich schon um Metropolis verdient gemacht hatte. Und wieder ist die sinfonische Untermalung, oder vielmehr: Durchdringung des Films mit das Bemerkenswerte. Von Musik und Massenszenen kann sich auch ein heutiger Zuschauer durchaus überwältigt fühlen. 

Vergangene Woche fand die Uraufführung statt, live mit dem WDR Rundfunkorchester, im Neuen Museum Berlin, einer Kulisse, die zu dem Film passt wie kaum eine zweite. Arte zeigt Das Weib des Pharao am 26. September 2011, aber leider in weniger angemessener Umgebung: In der Sehr-Spät-Schiene um 23.45 Uhr.

Trailer zu „Das Weib des Pharao“


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