The Tree of Life

Ikarus verbrennt sich die Flügel: Terrence Malick dreht seinen ersten misslungenen Film.

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Vielleicht sollte man im Falle von The Tree of Life (2011) ganz am Anfang einsetzen. Da steht ein Zitat aus dem Buch Hiob, Kap. 38, Vers 4: „Where were you when I laid the earth’s foundation?“ So spricht Gott, um den vom Weg abgekommenen Zweifler aufs rechte Maß zu stutzen, ihn in die Schranken seiner Endlichkeit zu weisen. Aber wirklich zufrieden gegeben hat sich die Menschheit wohl nie mit dieser gottväterlichen Lektion.

In The Tree of Life geht Terrence Malick eben dorthin zurück, zu den Anfängen, zum Anbeginn von Zeit und Raum. Wörtlich: zur Geburt des Universums. Choräle und Orchester begleiten Bilder, die irgendwo zwischen Hubble-Teleskop und Galileo-Infotainment wabern; zu sehen sind Sternennebel, Galaxien, Vulkane und Ozeane. Die Entstehung des Lebens, Einzeller, Fische; alles vom Mikro- zum Makrokosmos. Und schlecht animierte Dinosaurier (sic!). Mit The Tree of Life wollte Malick zweifellos sein Magnum Opus schaffen, alles andere hieße die nachgerade wahnsinnigen Dimensionen des Projekts zu verkennen.

Exponiert werden die großen Fragen der Conditio Humana in ihrer breitesten, vagsten Gestalt. Nun, da die universale Geschichte mithilfe von Naturwissenschaft und Tricktechnik erzählt werden kann, da die große galaktische Dauer aufgespannt worden ist, darf der Mensch Gott erwidern: „I was there“. Aber die kosmische Zeit ist löchrig. Jedes Menschenleben bringt eine Frage in die Welt, die weder mit dem Urknall noch dem Ende des Sonnensystems beantwortet werden kann. Gibt es Ewigkeit? Wie passt der Tod in die große Erzählung? Diese Konfrontation strukturiert The Tree of Life: Evolution versus individuelle menschliche Starrköpfigkeit.

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Denn es gibt hier auch eine gewöhnliche, besser: archetypische Familiengeschichte. Vater (Brad Pitt), Mutter (Jessica Chastain) und drei Söhne in einer amerikanischen Vorstadt, irgendwann in den 1950ern. Malick zeigt das Heranwachsen der Söhne, ihre Zerrissenheit zwischen dem herrischen Vater und der übermäßig liebenden Mutter, und verknüpft so seine Ausflüge in die große Genese des Lebens mit dessen kleinster Einheit: dem Entstehen des individuellen Geistes. In Malick-typischen, beschwörerisch flüsternden Off-Monologen werden zwischen beiden Bezugsrahmen Brücken gebaut. Denn alles Leben gehorcht im spirituell durchwirkten Universum von The Tree of Life den Gesetzten der Kinship-Theorie. We are one big family. „Mutter“, „Vater“, „Bruder“ sind die atomaren Einheiten.

Wieder inszeniert Malick die verbal-akustische und die visuelle Ebene in größtmöglicher Unabhängigkeit, setzt frei assoziierende Bildmontagen gegen einen mystischen, homogenen Raum sprachlicher Intimität. Der Tod einer der Söhne triggert gleich zu Beginn eine Kaskade an großen Fragen, die sich meist an ein nicht näher bestimmtes „Du“ richten: der Geliebte im Jenseits, der die Antworten haben könnte auf das Dilemma der Existenz? Gefragt wird von den Stimmen der Mutter, des Vaters und des erwachsenen Bruders (Sean Penn), der in einigen wenigen Sequenzen durch verwinkelte, stahl-gläsernen Bürokomplexe irrt. Immer wieder beschreiben Ensembles aus Körper und Umgebung die Figuren: Der Sohn in den verwirrenden Fluchten postmoderner Architektur, der Vater auf den Steigen und Treppen einer Fabrik, die Mutter vor Bäumen und Blattwerk.

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The Tree of Life ist da am stärksten, wo er am bescheidensten ist. Wenn im Mittelteil des Filmes die Offstimmen schweigen, das Universum fern scheint und Malick bei seiner nuklearen Familie verweilt, formt er fernab narrativer Zwänge Bedeutung aus purem Erlebnis. Die Bilder der Kindheit und Adoleszenz sind von immenser poetischer Wucht: die Bewegung von Steadicam und Figuren, die Dramaturgie der Räume und Oberflächen und die dynamische Montage erschaffen Erinnerungsbilder, wie sie kaum möglich scheinen. Vollkommen durchwirkt vom intensiven kindlichen Erleben (die Furcht vor dem Vater, die Anarchie des Spiels ...) und zugleich fragmentarisch, fast willkürlich angeordnet, sind sie halb im Kind und halb im Gedächtnis des erinnernden Erwachsenen.

Aber The Tree of Life will eben mehr, viel mehr als das. Malick zeigt immer wieder Treppen, Leitern, Aufzüge, wovon meist auf Durchgänge geschnitten wird, auf Türen oder Pforten. Der Film schwingt sich auf zum Höchsten, hin zum Durchschreiten der Existenz auf die „andere Seite“, strebt nach einer – frei nach Borges – unablässig sich ankündigenden Offenbarung, die jedoch niemals eintritt. Das ist das Dilemma: Mit den kleinen „Offenbarungen“ seines filmischen Genies gibt sich Malick nicht länger zufrieden.

Ausgenommen vom ersten und letzten Bild jedoch weiß der Film wohl insgeheim, dass diese eine Grenze, zumal so schwammig gezogen, wohl ewig unpassierbar bleibt. Und dieses Wissen kann The Tree of Life retten. Wer viel Blödsinn aushalten kann, bekommt hier das ehrliche Dokument eines fantastischen, größenwahnsinnigen Scheiterns. Und damit etwas, letztendlich, zutiefst Menschliches.

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Kommentare


zo

"Fantastisches, größenwahnsinniges Scheitern", das die Palme d'Or mit nach Hause nahm. Alles klar.


foozes

Lars von Trier konnten sie die Palme dann ja nicht mehr gebe, haben sie eben den Film prämiert...


dev

Mit dem Anschaun dieses "Films" verwchwendet man 132 Minuten seines Lebens. Absolut unerträglich und Nichts bringend. Knappe Dialoge, endlose Naturaufnahmen. Ein Dschungelbuch von Disney ist 1000x interessanter!


hans

war grad in der vorpremiere von dem streifen! nach 100 minuten hatten wir kein bock mehr auf diesen SINNLOSEN MÜLLFILM und haben den saal verlassen...

NICHT ANSCHAUEN !!!!!!!!!!!!


Lars

Ein Meisterwerk.


Waldi

Also ich war nach 20 Minuten sowas von angefressen, nach ca. 40 Minuten habe ich dann endlich das Kino verlassen und habe mein Geld zurück verlangt(was auch geklappt hat). Das ist wohl der der größte Schunt, der in den letzten Jahren produziert wurde. Man kan kaum glauben, das Filmgrößen Ihren Namen dafür hergeben.
Definitiv eine absolut andere Vorstellung gehabt, nachdem ich die Beschreibung gelesen hatte, die am Kino aushing. Da stand so gar nichts von stundenlangen Vulkanausbrüchen und Dinosauriern, die irgendwo auf diesem Planeten rumschlappen.

Definitiv NO GO!!! NICHT ANSCHAUEN!!! DIE 10€ haut mal lieber wo anders auf den Kopf!!!

greetz Waldi


Elena

Obwohl ich ein echter Gefühlsmensch bin und immer empfänglich für Familiengeschichten, waren mir das endlose Geflüstere und die sich im Kontext nicht erschließenden Naturaufnahmen absolut zu viel. Der Film hat körperlich weh getan, was auch mich dazu brachte, kurz vorm Schluss zu gehen.


Agathe

Ein gescheiteter Film erhebt nicht den Anspruch auf einen Hauptpreis. Auch wenn es phasenweise Ausnahmen des Scheiterns gibt wie etwa die schauspielerische Leistung der Jungen. Sie machen den Film streckenweise sehenswert.
Maliks Versuch an Kubrik scheitert zunächst an der horrent schlecht komponierten Filmmusik, die mit Pseudo Sakraler Kraft den "philosophischen" Anspruch des Films völlig zerstört. Brad Pitt und Sean Penn werden als Stars für den Film benötigt, geben aber keine Leistung ab.
Insgesamt ein sehr klerikal-amerikanischer Film, der wahre Meisterwerke wie "Menschen und Götter" vergleichweise um Welten hinterherhängt.


Fredi

Film des Jahrzehnts und Malicks bestes von 5 Meisterwerken.


Martin W.

Der Film ist revolutionär, weil er die herkömmliche Kinoerzhälstruktur völlig umkrempelt. Das wird auf jeden Fall bleiben. Dass der Film hier so viel (Schmäh-)Kritik bekommt, adelt ihn. Die wirklich großen Neuerungen sind von der kleingeistigen Zeitgenossen oft nicht verstanden worden und haben zum Teil Jahrzehnte gebraucht, um sich zu etablieren. Das war bei Beethovens Fünfter so, bei Bach und Mahler sowieso, bei vielen anderen wird es auch in Zukunft so sein. Brad Pitt usw. sind in 50 Jahren vergessen, Terrence Malick und Tree of Life werden bleiben.

Um sich ein Urteil bilden zu können, sollte man auf jeden Fall diesen Film im Kino sehen, das wirkt zu hause nicht.


Hermann

Schwere Kost, aber ein wunderbarer Film ! Nichts für zahnlose Kritiker, die sich lieber Schonkost oder fast food gönnen sollten. Die Schönheit und Wucht der Bilder aus der Genesis scheinen allerdings teilweise dem ästhetischen Selbstzweck zu dienen. Charaktere und das Erleben der Kinder in den 50iger Jahren werden eindrucksvoll gespielt, die Erinnerungsfetzen erinnern mich an meine eigene Kindheit.

Unbedingt ansehen, wenn man nicht gerade depressiv gestimmt ist!


Lukas

Ich habe den Film gestern gesehen. Und ich sehne mich schon wieder zurück ins Kino. Ein Film, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Ein Film, der mich in der Tiefe meines Inneren berührt hat, ohne an auch nur einer einzigen Stelle kitschig oder sentimental zu sein. Ein Film, der seine Erhabenheit allein aus der Reinheit seiner Schönheit und seiner Simplizität gewinnt. Meisterlich. Schade, dass viele davon so unberührt bleiben - auch in meiner Vorstellung haben viele Besucher das Kino vorzeitig verlassen.


Behikulypotata

Goldene Panne!!!

Ich finde es arg von Leuten wie Martin W. und Lukas, sich und ihre Einschätzung hier so hoch zu hängen, dass diejenigen, die sehr enttäuscht waren und entsprechend negativ urteilen, hier nun allesamt dargestellt werden als Popcornkinokonsumenten (die es, zugegeben, sicherlich auch gibt) oder als zahnlose Kritiker oder entsprechende Geistesgenossen. Ich selbst bin auch immer offen für Filme, die abweichen von der Norm (Kubrick, Tarkowskij und von Trier nenne ich mal exemplarisch), die poetisch sind, die langsam sind usw. Und ich habe mich wahnsinnig auf diesen Film gefreut. Was für ein Desater! Ich bin viel zu zahm geworden, vor ein paar Jahren hätte ich gestern angefangen, im Kinosaal laut hörbare Sprüche über so viel Dummheit zu machen, aber stattdessen beließ ich es bei einem "Aber die ganze Handlung kommt doch jetzt gleich noch!" (als ein Pärchen ca. 10 min vor Ende raus ging) und meinem Ausruf "Goldene Panne!" So etwas Pseudointellektuelles, Prätentiöses, Sinnloses, mit Luft aufgeblasenes Meer aus Watte und Nichts hat es noch nicht gegeben: als der älteste der drei Jungen auf die Eisenbahnbrücke stieg, fühlte ich mich genau eine Sekunde lang gut - weil es 1:1 eine Szene aus Stand By Me hätte sein können...und das mal ein richtig GUTER Coming Of Age-Film und Lebenserklärerfilm war! Mir fehlen die Worte für so viel Dummheit, einem solch lächerlichen Möchtegernwelterklärerfilm die Goldene Palme zu verleihen.

Michael, Hamburg


Werner

Als nach einer halben Stunde ein kitschiger Dinosaurier in Jesus-Manier ohne Spritzer über Wasser lief, habe ich mich gefragt, was ich mir da antue. Nach 45 Minuten bin ich gegangen.

Das ist einer der schlechtesten Filme die ich je gesehen habe, man kann sich nur darüber ärgern.


Johann

Seltsam, was für Aggressionen dieser Film so im allgemeinen einfährt. Und wie immer wieder behauptet wird, die Botschaft sei so trivial, aber dann jeder eine andere zu erkennen glaubt. Auch wird dem Film, der doch in sich so ruhig und gelassen ist, eine Religiösität mit einem Eifer vorgeworfen, wie man ihn sonst nur von religiösen Fanatikern kennt, und als handelte es sich da um ein Verbrechen.


Dire

Eine zutreffende Filmkritik. Die schauspielerischen Leistungen der 3 jungen Brüder sind sensationell. Sie stellen Brad Pitt und sogar Sean Penn mächtig in den Schatten, Die Familiengeschichte hat mich sehr berührt. Die tatsächlich sehr schlecht animierten Dinosaurier haben mich dagegen sehr enttäuscht. Genauso wie das schlecht inszenierte Ende, wo Menschen in Schlafsachen auf einer Insel rumzulaufen scheinen.
Im großen und ganzen war es aber doch ein besonderes Kinoerlebnis für mich. Die Fragen, die Malick stellt sind universell und müssen behandelt werden, auch wenn es auf sie keine Antworten gibt.
Ich zolle ihm Respekt. Der Film kommt meiner Meinung nach definitiv nicht an 2001 von Kubrick ran, trotzdem ist er eine positive Ausnahme in unserer langweiligen Kinowelt von Heute. Ob er die goldene Palme tatsächlich verdient hat wage ich zu bezweifeln. Ich bin gespannt auf die anderen Filme aus dem Wettbewerb.


puhlmatz

ARTE nachts um 3Uhr, vielleicht an Fronleichnam oder Totensonntag...
Mit etwas Pech zappt man trotzdem rein!
Das ist dann Pech


Burkhard

Nein nein und noch einmal nein:das war gar nichts keine Dramaturgie keine Dialoge ich habe mich gefragt ob der Filmvorführer die Rollen vertauscht hat... Meine Frau sagte: da war doch Hape Kerkeling am Werk und hat Hurz neu aufgelegt. Als die Dinos auftauchten lachte das halbe Kino so mies war der Zusammenhang und die Animation
Die religiösen Anspielungen sind platt
und anmassend. Wir sind kurz vor Schluss gegangen- schade um die wertvolle Zeit!
HURZ!


max

Der größte Mist ever!!! Keine Handlung, keine Stringenz und erst recht keine Kohärenz, nichts was an einen Spielfilm erinnern würde, eher an einen Naturfilm. Ich glaube Brad Pitt und Seann Pen wurden nur als Zugpferde engagiert, damit sich überhaupt jemand den Quatsch anschaut, auch glaube ich, dass das ein, von evangelikalen inspirierter, Indoktrination-Film ist. Auf keinen Fall reingehen, genauso gut kann man sein Geld auch verbrennen!


Alexander G.

Jeder kann selbst aus diesem Film ziehen, was er möchte. Ich halte diesen Film für große Kunst, denn Terrence Malick konfrontiert uns schonungslos mit „seiner Diktatur von Kunstverständnis". Ohne Rücksicht, religiös-fanatisch, egoistisch, anmaßend und einzigartig. Wir können zwar an vielen Details des Films mäkeln und trotzdem bin ich dem Künstler dankbar, dass er mich tief berührt hat: Im Positiven, wie auch im Negativen. Der Film hat die Wucht eines Gemäldes von Vincent van Gogh. Unvollkommen, fehlerhaft und dennoch ein einzigartiges Gesamtkunstwerk.


Ina

Ich fand den Film einfach ergreifend, hoch spirituell, die Grundfrage nach dem Sinn unseres Seins berührend. Für mich war das bedeutsam. Aber ich kann mir vorstellen, dass Action gewöhnte Zuschauer/innen mit so wenig Action im Kino nicht "zurechtkommen". Schade eigentlich...Ich finde einige Meinungen hier sehr erstaunlich; vor allem die, die raten, auf keinen Fall den Fiilm anzusehen. Wie wäre es damit, jedem dies selbst zu überlassen? DIE Wahrheit gibt es wirklich nicht.


Marcus

Ich komme gerade aus dem Kino und kann die schlechten Kritiken voll nachvollziehen.
Am Anfang dachte ich, das wird ein guter Film.
Tolle Kamera,schöne Musik vom Komponisten Alecandre Desplat.
Als dann die nicht endende Sequenz vom Beginn des Lebens begann, war ich ein wenig verunsichert. Was sollen diese auschweifenden Bilder? Sie bringen den Film nicht weiter. Eine Collage aus Clips von Vulkan Ausbrüchen, Asteroiden Einschlägen Quallen,Fischen, Wüste.. usw.
Die Krönung war dann der schlecht animierte Dino. Das darf doch jetzt nicht war sein, waren meine Gedanken.
Naja villeicht wird das ja doch noch was.
Schließlich hat er die Palme in Cannes abgestaubt...
Auf der Erde angekommen geht es auch direkt zum erdischen Teil des Filmes. Und das ist auch das beste an dem Film. Es wird versucht eine Story über das Erwachsen werden zu erzählen. Dies gelibgt nur mittelmäßig. Auch hier nerfen die Stimmen aus dem Off, und die Dramaturgie wird immer wieder durch kitschige Bilder zerstört. Da ist die Mutter die auf einmal fliegt. Da gibt es auf dem Dachboden eine Szene wo ein langer großer Mann mit dem Jungen steht. Der Junge fährt mit dem Dreirad rum.
Warum fragt man sich. Was will uns Malick hier sagen? Das was Kubrick kann kann ich noch lange nicht....

Er wollte etwas großes schaffen und hat sich in den 400 Stunden gefilmeten Material einfach verloren.
Der Film ist völlig überladen, kitschisch, aufgebauschtes Spirituelles Kino.

Ich war noch nie so enttäuscht von einem Film.


Kurt Dieter

Auch ich komme gerade aus dem Kino und lese - im Einfluss der Nachwirkungen des Films - diese Kritiken hier. Was sich hier so mancher selbsternannte Filmkunstwissenschaftler anmaßt finde ich doch sehr befremdlich.
Zugegeben, so kurz nach dem Kinobesuch bin ich ein wenig zerrissen. Ist es große Kunst oder nur eine Aneinanderreihung pseudoweltphilosophischer Bilder und Floskeln? Tatsache ist aber: Der Film bewegt, er polarisiert! Und seine gewaltige Bilderflut unterlegt mit elegischer Musik macht ihn zu einem Kinogenuss. Und darum geht man doch schließlich ins Kino. Die schauspielerischen Leistungen - insbesondere der Kinder - fand ich sehr gut. Auch wenn ich noch nicht so ganz hinter die Botschaft des Autors und Regisseurs gekommen bin, so bleibt das Machwerk im Gedächtnis haften und lohnt daher den Kinobesuch. Ist mir allemal lieber als die 95% Actionschund oder abgedroschene Komödien, die sonst in den Lichtspielhäusern laufen!
Was man aber jedem Einzelnen überlassen sollte, ist sich selbst eine Meinung zu bilden und nicht von vorn herein vom Besuch abzuraten. Diese tollen Ratschläge dann auch noch von Leuten, die mitten im Film das Kino verlassen. Einen Film kann und darf man nur beurteilen, wenn man ihn auch zu Ende anschaut. Wer vorher geht, der soll es tun, aber darf dann auch nicht mehr mitreden. Ist so wie nicht zur Wahl gehen und hinterher über die Politik aufregen.
Apropos mitreden: Was schon mal gar nicht geht, das ist seine oberschlauen Kommentare lauthals ins Kino rufen. Wem's partout nicht gefällt, der möge dann doch tatsächlich gehen, aber nicht die anderen stören, die den Film vielleicht genießen. Reine Selbstdarstellung und Profilierungssucht! In manchem Fall gab's dafür auch von den geneigten Zuschauern schon mal was auf die Fresse...
Wobei wir wieder beim Filmanfang wären. Der Weg der Natur und der Weg der Gnade.
Seid gnädig :-)


Manfred Lotze

Der Film passt ins Bibel-TV. Der Kreationismus mit seiner Lobby bringt dieses Pseudo-Kunstwerk als Gehirnwäsche nach Europa. Hier gibt es noch zu viele, die zwischen Religion und Naturwissenschaft unterscheiden können.
Nicht ansehen, da verschwendete Lebenszeit. Das ist meine Meinung.


Susanne Meier

Oh weeh! Jedem einigermaßen gebildeten Menschen muß doch bei soviel Kitsch und religiösem Determinismus schlecht werden. Ich mußte mich zwingen, nicht nach zwanzig Minuten zu gehen. (Freiheit und Selbstbestimmung sind ebenso auf dieser Welt möglich und nicht nur Naturkausalität). Der Film macht depressiv, aber irgendwie auch sprachlos: wer hat den gedreht? Beim besten Willen konnte ich nicht mehr als nur Familienklischées im ewigen Wehen der Gardinen bei Saurier und Hubble erkennen!


Gerwalt Brandl

Gestern diesen Film gesehen - es ist ein wunderbarer Film, der es nicht verdient hat, dass man von ihm eine eindeutige Botschaft verlangt. Dass die amerikanische Lebensphilosophie, unterfüttert mit theologisch simpel verkürzten Wahrheiten zu kurz greift, das zeigt der Film auch, er regt zum Nachdenken an. Die wunderbar ins Bild gesetzte Schöpfungsgeschichte (es ist ziemlich uninteressant, ob die Saurier gut oder schlecht animiert sind) ist die von Regisseur gewusst gewählte Perspektive: Nur wenn man das Ganze betrachtet, die lange Erdgeschichte, kann man ermessen, was denn nun die Aufgabe des ziemlich spät auftretenden Menschen wäre.Diese Gesellschaft hat sich zu einen und zu einigen. Dass es heute gar nicht danach ausschaut, und dass Ideologien wenig hilfreich sind ist eine schmerziche Erkenntnis, die mir der Film wieder wachgerufen hat. Ohne Nachdenklichkeit (im Nachhinein) und ein wenig Geduld beim Zusehen ist nichts zu machen. Die Leute, die bei dem Film aus dem Kino gehen - was weiß ich? - sie wollen alles haben und das gleich, jedenfalls haben sie es anscheinend eilig. Hektisch geworden, werden wir unsere Probleme weder im Kleinen noch im Großen lösen können.

Noch zur Machart des Films. Wunderbar im Tempo, sehr gut fotografiert, ein sinnlicher reicher Film für Leute, die sehen wollen und ein bißchen mehr wollen als nur unterhalten werden.

Gerwalt


Susan Kronenberg

Nachdem ich so viel Gutes schon über den Film gehört und gelesen hatte, habe ich ihn mir heute angeschaut. In der Pause überlegte ich mir, ob ich nach Hause gehen solle, entschied dann hoffnungsvoll, zu bleiben. Die Naturaufnahmen sind wunderschön - das stimmt, aber vom Rest wurde ich beinahe depressiv. Die kitschige, alles überdröhnende Musiksauce, der entsetzliche Vater, der seinen Kindern die Jugend so richtig verdorben hat....
Ich hatte einen Film mit Tiefgang erwartet, nicht aber ein kitschiges, unverständliches (inhaltlich und akustisch) Gewaber.

Ich kann nur allen Leuten von diesem Film abraten; dass er dann noch so lang ist, macht die Sache noch schlimmer.


Cristina Haack

Ein prätentiöser Quatsch, mit allerdings schönen Bildern, genau richtig für die immer mehr auf Visuelles geeichte heutige Gesellschaft. Gut ist die Schauspielkunst der Kinder und von Brad Pitt. Viele Szenen sind an den Haaren herbeigezogen und überflüssig, weswegen der Film unnötig in die Länge gezogen wird. Unerträglich ist der pseudoreligiöse/pseuodophilosophische Anspruch, der besonders durch die off-Stimmen ausgedrückt werden soll. Und immer wieder die subliminalen Botschaften des puritanischen Amerika...Der Streifen ist etwas für Möchte-Gerne-Intellektuelle, die noch nicht viele Filme gesehen haben.


Marco

Wenn ich viele der Rezesionen hier lese, frage ich mich, warum von einem Film immer eine zusammenhängende Handlung verlangt wird. In künstlerischen Bereichen wie Malerei, Musik, Tanz usw. ist es schon seit einer halben Ewigkeit anerkannt das nicht Offensichtliche zu zeigen Zweifel zu haben und unbeantwortete Fragen zu stellen. Es gibt tausende Galerien und Konzertsäle die sich täglich diesem Thema stellen aber Filme a la Tarkowsky muss man mit der Lupe suchen.
Wahrscheinlich ist der Film, eine zu unserem Zeitalter passende Bastion, um die Ungewissheiten die im Inneren brodeln, meterhoch zu übertünchen.


Kimberly

Lange Naturaufnahmen, viele Bilder und wenig Worte.
Ein Meisterwerk zum nachdenken, nicht zum berieseln lassen. Viele Aufnahmen hätte man kürzen können, man fragt sich, warum wird dies oder jenes jetzt gezeigt...
Aber ich denke, Malick wollte keinen 0815 Film produzieren. Die Welt wird aus den Augen des Sohnes gezeigt und wenn man sich darauf einlässt, staunt man über die großartige Umsetzung.
Die Kameraführung, der Ton und die stille Kommunikation zeigen das Leben aus einer anderen Perspektive. Er regt dazu an sich Gedanken zu machen über den Sinn des Lebens, über Gott und den Ursprung unseres Daseins. Er behandelt Fragen, mit denen sich jeder Mensch irgendwann befassen wird und doch gibt er keine Antwort. Er zeigt, dass wir Menschen nicht alles wissen können und doch alles schaffen wollen. Er fragt nach einem Schöpfer, nach jemandem, der den Sinn in seiner Hand hält.
Genau diese Tiefe macht diesen Film sehenswert.

Schau dir diesen Film NICHT an, wenn du unterhalten werden willst, wenn du lachen oder weinen willst, wenn du einfach abschalten möchtest.

Sieh dir den Film an, wenn du interessiert bist an philosophischen Fragen oder Glaubensfragen, an Filmen die etwas außergewöhnliches zeigen und wenn du in der Stimmung bist dir Gedanken zu machen.
:)


Kurt Dieter

Kompliment @ Kimberly, der Kommentar bringt es auf den Punkt!


johann

Dja ich habe jetzt nur den Trailer gesehen, und die kommentare gelesen,wen ich das aus meinen gefühlen so betrachte, scheiden sich hier die geister.als erstens denke ich haben sie das drehbuch maltretiert-den diese geschichte solte uns wahrscheinlich-die augen öffnen,würde gerne das orginal drehbuch lesen,ohne tree superstars die ja mitspracherecht haben


Hubert KessŸler

The Tree of Life
Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Terrence Malick aus dem Jahr 2011.

Wo warst du, als ich die Erde gegründet? /…

als alle Morgensterne jauchzten, /

als jubelten alle Gottessöhne?

(Hiob 38, 4ff)



Diese Frage Gottes an Hiob, der über sein unschuldig erlittenes Leid vor Gott in verständlichem Klagen ausbrach, wählte T. Malick als Eröffnungsakkord seines filmischen Epos „Tree of life“. Es ist die Frage, die zu Hiobs Umkehr, zum „Sich Ergeben“ und zu seinem neuen Glück führte.

Die Protagonisten des Filmes, die Familie O`Briens im US – amerikanischen Texas werden vom Regisseur zu diesem „Wendepunkt“ der Frage des Leides und der Frage der Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leidens hingeführt. Er verbleibt nicht in der „Enge“ dieser Frage, sie wird Teil der Geschichte dieser Familie, im Horizont der Evolution des ganzen Lebens, der Suche nach dem, was auf dem Grund dieses Lebens vibriert.

Und im Rückblick erkennen die Protagonisten die vielen wirksamen Momente einer Begleitung, einer Antwort des Geheimnisses auf diese Fragen, die ihren Höhepunkt im Agnus Dei, in Gottes endgültiger Antwort auf die Frage des Lebens und darin eben auch auf die Frage des Leides findet.



Auch der Zuschauer, der Kinobesucher wird zum Verlassen der Bühne gedrängt, begleitet von herrlichen Naturbildern und großartiger Musik: er wird vor die Wahl gestellt. „Zwei Wege, den Weg der Natur und den Weg der Gnade. Man muss sich entscheiden, welchen man geht.“



Im Film folgt die Vorstellung dieser beiden möglichen Wege:



Die Gnade, repräsentiert durch Jessica Chastain als Mrs O’Brien ist der eine der vorgestellten möglichen Wegen durchs Leben. Uneigennützigkeit, Hinnahme und Treue. Wer diesen „Wer den Weg der Gnade geht, wird niemals ein böses Ende nehmen. Ich werde dir treu sein, was auch geschieht.“

Der andere Weg ist der der Natur, im Film ist es die Figur des Vaters. Die Natur sucht den Eigennutz, den Erfolg, die Herrschsucht, letztlich geht es um die „Durchsetzung ihres Willens“. Dabei findet sie Immer „ Gründe, unglücklich zu sein. Im Film riet er seinem Sohn: „Mach nicht den gleichen Fehler wie ich, versprich mir das, ….am Ende „Ich wollte immer nur, dass du ein starker Mann wirst und dein eigener Herr bist.“



Und dann geschieht es. Das Unglück bricht in das Leben der Familie ein. Mrs. O'Brien - nunmehr Ehefrau und Mutter dreier Söhne – erhält ein Telegramm, das sie vom Tod ihres 19-jährigen Sohnes unterrichtet. Die Nachricht stürzt sie, ihren Ehemann und die verbliebenen Söhne in tiefe Trauer.



Es folgen die menschlich unmöglichen Antworten auf den Tod. Man fühlt sich erinnert an die „Freunde“ Hiobs, die versuchen ihm das Leid zu erklären und zu begründen, als eine Nachbarin der Mutter sagt: „Du musst jetzt stark sein. Der Schmerz wird vorbei gehen. Das Leben geht weiter, Menschen kommen und gehen, nichts bleibt, wie es ist. Du hast immer noch die anderen beiden. Der Herr gibt und der Herr nimmt. Auf Wunden, die er heilen soll, schickt er Schmeisfliegen.“ Und man versteht die scharfe Rüge der „Freunde“ durch Gott:

„Und es geschah, nachdem der HERR jene Worte zu Hiob geredet hatte, da sprach der HERR zu Elifas, dem Temaniter: Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und gegen deine beiden Freunde: Denn ihr habt über mich nicht Wahres geredet wie mein Knecht Hiob.“ (Hiob 42,7)



Die Auseinandersetzung mit dem Tod des Kindes und Bruders führt, durch viele Rückblenden angeregt, zur Veränderung der Protagonisten. Man könnte mit Elihu aus Hiob sagen, sie werden durch Leiden zu „Selbsterkenntnis und Gehorsam“ geführt.



Der Vater



Beim Vater meldet sich das Versäumte. „ Ich hatte nie die Gelegenheit, ihm zu sagen, wie leid es mir tut …. ich schäme mich“

Eine andere Rückblende zeigt ihn nach dem Verlust seiner Arbeit: Zunächst noch bezeichnete er im Auto nach einem Gottesdienst über Hiob und die Vergänglichkeit des Erfolges und des Lebens seinen Freund Frank Johnson neidvoll als „Vierten der Dreifaltigkeit“ wegen seines Erfolges, und erklärt seinen Kindern: „Wer Erfolg will, darf nicht zu gut sein“…

Nach dem Verlust seiner Arbeit aber erkennt er: „Ich wollte geliebt werden, weil ich so großartig war. Ein toller Hecht. Nichts bin ich. Sieh die Schönheit um uns herum, Bäume und Vögel. Ich lebte in Schande. Ich missachtete die Pracht. Ich bin ein dummer Mensch. … Sie schließen die Raffinerien. Sie stellen mich vor die Wahl: keinen Job oder Versetzung auf eine Stelle, die keiner will… ich habe kein Arbeitstag gefehlt. Hab jeden Sonntag meinen 10-ten entrichtet.“

Er erkennt, dass er nichts zustande gebracht hat, außer den Jungs. Mehr will er aber auch nicht mehr. Das Schicksal ließ ihn den Wert seiner Kinder entdecken.

Und dies durch die bei Malick öfter angewandte Methode, die Gedanken der Personen in der Form des inneren Monologes hörbar werden zu lassen, die er dann mit Bildern und vergangenen Geschichten aus dem Gedächtnis unterlegt.



Die Mutter



In den Augenblick, in denen die Erfahrung des Leides oder auch des Glückes im Vordergrund stehen, lässt Malick die Worte ganz beiseite und spricht durch die Musik und die Bilder.

Am bewegendsten wird dies in den Fragen der Mutter, der Person der Gnade, deutlich: „ Hab ich dir nicht immer treu gedient, Herr, Warum? Wo warst du?“ „Hast du es gewusst? Wer sind wir für dich? Antworte mir“. Das "Lacrimosa" aus dem "Requiem für meinen Freund" von Zbigniew Preisner nimmt diesen Schrei der Mutter auf und lässt den Zuhörer daran teilnehmen. Immer als Frage, die weiter ist als der Schmerz.

„Wann hast du zum ersten Mal mein Herz berührt? Du hast durch sie zu mir gesprochen, du hast vom Himmel aus zu mir gesprochen, den Bäumen, noch bevor ich wusste, dass ich dich liebe, an dich glaube“.

Gerad die Kontrastierung dieses traurigen Augenblickes mit den Rückblicken auf die schönen Momente des Lebens, die durch ausgelassenes Spielen und Tanzen dargestellt und deren Lebensfreude durch die Moldau Smetanas umrahmt werden, intensiviert diese Erfahrung. „Da oben wohnt der liebe Gott“, sagt sie ihrem kleinen Sohn.


Der Bruder



Beim Erzähler des Filmes, dem älteren Sohn und späteren sehr erfolgreiche Architekt, tauchen längst verdrängte Fragen nach dem Geheimnis des Lebens wieder auf: „Wie hast du dich mir offenbart? In welcher Gestalt? – In welcher Verkleidung?“

„Ich kannte deinen Namen damals nicht, aber ich weiß, das warst du, immer hast du mich gerufen… „Wie konnte ich dich verlieren – dich vergessen“ monologisiert er inmitten der Hochhäuser. „Wenn du nicht liebst, fliegt das Leben an dir vorbei, tue anderen Gutes, staune, hoffe ….

Im Film verlässt er seine Bürogebäude und versinkt wieder in den mit vielen Bildern umrahmten inneren Monolog. „Bruder, behüte uns, führe uns, bis ans Ende aller Zeit - folge mir“. Zunächst denkt man, er spricht zu seinem Bruder, Malick lässt ihn durch eine Tür treten und die Musik verweist auf DEN BRUDER des Agnus Dei, (Agnus Dei" des "Requiem" von Hector Berlioz) auf das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt.




Am Ende ist deutlich: Die Frage des Menschen ist weit mehr als die Frage nach dem Sinn des Leides und dem Tod. Was in der „Hiob-Predigt“ noch als Appell des Priesters formuliert war: „Wir können nicht verharren. Wir müssen auf die Reise gehen. Wir müssen finden, was größer ist als Glück und Schicksal. Nur das kann uns den Frieden bringen“, findet hier nun seine mögliche Antwort: „Folge mir“!





Hubert Keßler


JHAG

The Tree of Life beginnt früher als ein reiner Dialog zwischen Menschen und deren Geschichten. Es stellt den Zuschauern vor Fragen die man sich kaum stellen mag. was ist der Mensch? Wo beginnt das Leben? Und was ist das ursprüngliche Ziel eines menschlichen Lebens? Eine Reise der Inspiaration ein hineinhören in die tiefer der Seele. Eine Auszeit aller derzeitigen Probleme, Anstrengungen und hinein in eine Welt des Ursprungs. Einfach ein toller Film !






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