After Earth

Kindsoldat im Märchenwald.

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In den Augen von Kitai (Jaden Smith) zeichnen sich Enttäuschung und Verlangen ab. Sie sehnen sich nach Liebe, nach der Liebe des Vaters Cypher (Will Smith). Ehrfürchtig blickt der Junge zu ihm auf, muss jede Frage und Antwort mit einem „Sir“ abschließen und wartet dabei vergeblich auf Anerkennung. Der extreme Kontrast in After Earth zwischen verletzlichem Sohn und emotional unterkühltem Vater schlägt sich vor allem in den Gesichtern der Schauspieler nieder. Wo auf der einen Seite ein ängstlicher, auf die Welt neugieriger Blick darauf wartet, den Schimmer der Unschuld zu verlieren, sind auf der anderen Seite die Züge zur martialischen Grimasse eingefroren. Hier manifestiert sich der große Konflikt des Films, zwischen einem Vater mit zu hohen Erwartungen und einem Sohn, der nicht weiß, ob er sie erfüllen kann oder will.

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In The Tree of Life (2011) stellt Terrence Malick seinen jungen Protagonisten vor eine Weggabelung mit zwei Möglichkeiten, sein Leben zu führen: Der eine, der Weg der Mutter, ist sanftmütig, liebevoll und vergebend. Der Weg des Vaters dagegen kennt kein Mitleid und ist ganz auf das Ideal eines harten, über seine Gefühle erhabenen Mannes ausgerichtet. Cypher ist eine Karikatur von diesem zweiten Weg. Nachdem die Menschen in der nahen Zukunft von der Erde evakuiert wurden, um auf dem Planeten Nova Prime neu anzufangen, beginnt der Kampf mit feindlichen Außerirdischen. Diese haben mit den Ursas menschenfressende Wesen geschaffen, die ihre Opfer durch den Geruch ihrer Angst aufspüren. Der Mangel an Emotionen und das Übermaß an Selbstkontrolle erschweren das Familienleben für Cypher, haben ihn aber als General nach oben gebracht. Gefahr, so der Werbeslogan des Films, ist real, doch Angst ist eine Entscheidung. Diese Ideologie soll auch an den Nachwuchs weitergegeben werden. Als Vater und Sohn mit ihrem Raumschiff auf der Erde abstürzen und der verletzte Cypher bewegungsunfähig ist, muss sich Kitai durch eine Exkursion beweisen.

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M. Night Shyamalan, der in den letzten Jahren mit esoterisch und melodramatisch überfütterten Genrefilmen wie The Happening (2008) die Freunde, die er sich einst mit seinem Überraschungshit The Sixth Sense (1999) machte, wieder vergrault hat, bewegt sich mit After Earth zumindest in finanzieller Hinsicht wieder in der ersten Liga. Das ist ihm wohl vor allem deshalb gelungen, weil die in Hollywood einflussreiche Familie Pinkett-Smith an dem Werk maßgeblich beteiligt war. Will Smith verkörpert nicht nur die Hauptrolle, er ist auch für die Story verantwortlich und hat den Film mitproduziert. Das wirft natürlich die Frage auf, ob bei diesem Projekt wirklich Shyamalan gefordert war oder doch nur irgendein angeschlagener Regisseur, der Auszuführender einer fremden Idee sein sollte.

In den USA entbrannte bereits eine Diskussion darüber, ob der Film Scientology-Gedankengut verbreite. Der Beleg dafür sei nicht nur Smiths Nähe zur Promi-Sekte, sondern auch die in der Dianetik zentrale Überwindung der eigenen Angst und Symbole wie der speiende Vulkan, den Kitai am Schluss besteigen muss. Man kann dem Film aber auch Propaganda für ein altbackenes Männerbild vorwerfen, was sich genauso mit Smiths Person belegen ließe. Man denke nur an Das Leben – Ein Sechserpack (Six Degrees of Separation, 1993), in dem der Hauptdarsteller aus Imagegründen für einen lächerlich harmlosen schwulen Kuss gedoublet wurde.

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Doch lassen wir die Spekulationen und konzentrieren uns lieber auf den Film, oder zumindest seinen Regisseur. Sicher ist After Earth glatter als frühere Filme Shyamalans, und auch Zugeständnisse an den für die Produktion nicht unwichtigen Smith wird es gegeben haben; dass der Regisseur hier aber seine Seele dem Teufel verkauft hat, ist Unfug. Man muss sich den Film nur aufmerksam ansehen und wird auf zahlreiche Motive treffen, die sich auch in früheren Filmen Shyamalans finden: eine Menschheit etwa, die für den verantwortungslosen Umgang mit ihrem Planeten bestraft wird, der durch Tragödien unerschütterliche Zusammenhalt einer Familie oder die Schöpfung einer verkitschten Fantasiewelt. Bei Letzterer handelt es sich in Fall von After Earth um einen Märchenwald, der wie eine Postkartenkulisse aussieht und von computeranimierten Tieren bevölkert wird, die eher Zeichentrickfiguren als realen Geschöpfen ähneln.

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Man kann After Earth kaum absprechen, ein handwerklich solider Science-Fiction-Film zu sein. Es macht ihn sogar ein wenig sympathisch, dass er seine Einfachheit nicht zu verschleiern versucht. Dass sich etwa alles und in jeder Szene um den zentralen Generationenkonflikt dreht, wird schon deshalb unübersehbar, weil es keine Nebenfiguren oder -erzählstränge gibt, die davon ablenken könnten. Ärgerlich ist dagegen, wie sich der Film zu der Heldenreise und Wandlung seines jungen Protagonisten positioniert – ungeachtet dessen, aus welchen Gründen er das tut. Besonders konservativ an After Earth ist, dass er der Jugend jegliches revolutionäre Potenzial abspricht. Kitai folgt bis auf eine Alibi-Abzweigung brav den Anweisungen seines Vaters. Selbst als der Funkkontakt abgebrochen ist, leitet dieser ihn noch per Gedankenübertragung. Sich gegen den Erzeuger aufzulehnen ist den gesamten Film über keine wirkliche Alternative. Dabei gibt es doch zwischen dem Weg des Vaters und dem der Mutter noch einen dritten: den eigenen.

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