Absolutely Fabulous - Der Film

Kippen, Champagner, Koks – und der Rest läuft fast von alleine. In ihrem ersten Leinwandabenteuer haben die moralisch verkommenen Heldinnen Eddie und Patsy vielleicht Kate Moss umgebracht. Stellt sich nur die Frage, ob die britische Erfolgsserie dabei im Gegensatz zu ihren Protagonistinnen in Würde altern kann.

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JIn einer seiner letzten Szenen bringt Absolutely Fabulous – Der Film noch einmal auf den Punkt, worum es – in diesem Kinoabenteuer, aber auch in der gleichnamigen britischen Comedy-Serie, die erstmals 1992 ausgestrahlt wurde – eigentlich schon die ganze Zeit ging. BFFs Eddie (Jennifer Saunders) und Patsy (Joanna Lumley) sind nach einem gescheiterten Fluchtversuch mit einem Golfwagen in einen Hotelpool gestürzt. Und während das Gefährt langsam untergeht, verfällt Eddie in einen ihrer wehleidigen Monologe, dessen Quintessenz „I’m fat and I’m old“ ist. Gewissermaßen beschreibt dieser wahrhaftige Augenblick den Kern des AbFab-Universums: Zwei Frauen machen sich die ganze Zeit nur etwas vor; führen ein Leben, als wären sie jung, schlank und schön, sind aber tatsächlich genau das nicht.

Gegenseitige Bestätigung durch schamlose Lügen

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Für alle, die mit der Serie noch nicht vertraut sind: Ed ist eine ebenso narzisstische wie komplexbeladene PR-Tante; eine Rabenmutter, die nie erwachsen werden, dafür aber überall dazugehören will. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Patsy – einem ehemaligen Bond-Girl mit Hang zur Nymphomanie, dessen genaues Alter wie auch biologisches Geschlecht ein ewiges Mysterium bleibt – versucht sie eine selbst geschaffene Scheinwelt aufrechtzuerhalten. Das tun die beiden, in dem sie sich auf Partys schmuggeln, zu denen sie niemand eingeladen hat, sich an jeden Promi ranschmeißen, der bei Drei nicht auf den Bäumen ist und am Ende meist derart mit Alkohol und Drogen zugedröhnt sind, dass sie sich an nichts mehr erinnern können. Und obwohl jeder Trend mitgemacht werden muss, gibt es immer wieder diese kurzen Momente der Selbsterkenntnis, in denen sich die beiden in die verklärte Hippie-Welt ihrer Jugend zurückträumen. Das Geheimnis dieser auf gegenseitiger Abhängigkeit basierenden Freundschaft: die ständige Bereitschaft einander zu bestätigen, auch wenn man dafür schamlos lügen muss. Die Frage, wie denn ein, gelinde gesagt, ziemlich unvorteilhaftes Outfit an Eddie aussehe, beantwortet Patsy grundsätzlich mit einem sehr bestimmten „Fabulous!“

Tinder, Siri, Twerking

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Über all die Jahre hat die Sitcom mehrmals pausiert und es doch immer wieder geschafft, an die alten Erfolge anzuknüpfen. Die Aktualisierung erfolgte meist in den ersten Minuten jeder neuen Staffel. Auch der Kinofilm vergeudet nicht viel Zeit, bis er sämtliche Trends der letzten Jahre abgedeckt hat – die Dating-App Tinder etwa, die Unzulänglichkeiten der Sprach-Software Siri oder den Tanz-Move Twerking, an dem Patsy schon allein deswegen scheitert, weil sie keinen Arsch in der Hose hat (ein Running Gag dreht sich darum, dass sie sich seit Jahren nur noch von Champagner und Koks ernährt). Dass solche Erneuerungs-Versuche nicht plump wirken, hat vor allem damit zu tun, dass sie aus der Angst der Figuren entwickelt werden, irgendwann den Anschluss zu verlieren. Wie ihre Heldinnen muss die Serie jeden neuen Scheiß mitmachen und lebt auch ansonsten ganz für den Moment. Absolutely Fabulous hat sich noch nie sonderlich für größere Erzählbögen oder eine ausgefeilte Dramaturgie interessiert. Im Mittelpunkt steht vielmehr das qualvolle Scheitern im Hier und Jetzt.

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Dieser Maxime bleibt auch der Kinofilm treu, der zwar über eine Rahmenhandlung verfügt – in der Eddie vermeintlich Supermodel Kate Moss auf dem Gewissen hat und sich nach Südfrankreich absetzen muss –, sich am Ende aber doch nur für die kleinen, sketchartigen Episoden interessiert, denen er sich größtenteils widmet. Der Look ist freilich ein anderer. Alles ist ein bisschen aufgehübscht, mit spektakulären Schauplätzen, ein paar Verfolgungsjagden und einer Postproduktion, die den Bildern einen schäbigen Glanz verleiht, der gut zu seinen abgewrackten Hauptfiguren passt. Um es sich nicht mit den Fans zu verscherzen, arbeitet Regisseurin Mandie Fletcher eine Checkliste ab, bei der fast jede noch so kleine Figur (die guten wie auch die nervigen) der Serie einen Auftritt bekommt. Dieses Pflichtprogramm beschneidet zwar teilweise jene erzählerische Freiheit, die dem Film am besten bekommt, trübt den Spaß aber insgesamt nur sehr bedingt. Denn für die Kür –  die zwischen Jennifer Saunders und Joanna Lumley hervorragend eingespielte Situationskomik – bleibt trotzdem genug Platz und seine zahlreichen Cameos trägt der Film so stolz vor sich her wie Eddie ihr neues Outfit von Stella McCartney.

Eine in Würde gealterte Serie

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Was Absolutely Fabulous schon immer auszeichnete, die Balance zwischen Spott und Affirmation, ist auch hier wieder äußerst geglückt. Man macht sich über Dinge lustig, deren Faszination man sich gleichzeitig nicht entziehen kann. Man distanziert sich durch Humor von den lächerlichen Figuren, ist aber zugleich ein Teil von ihnen. So zieht der Film zwar gnadenlos über die Modewelt her, spürt aber auch die Anziehungskraft eines Milieus, das seine Versprechen von Schönheit und Ruhm ständig neu zu verpacken weiß. Und wenn Eddie und Patsy sich ständig zudröhnen, wirken sie zwar wie abschreckende Beispiele für einen zügellosen Drogenkonsum. Doch anstatt sie zu verurteilen, gibt sich die Leinwandadaption mit ihnen dem Exzess hin. Durch diese Balance gelingt der Serie letztlich das, was sie ihren beiden Protagonistinnen konsequent verwehrt: in Würde zu altern.

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