Underdox 2012

Ein Experte sitzt auf einem Stuhl und referiert sein Wissen zum jeweiligen Thema. Der Film vermittelt diese Kenntnisse unter weitgehendem Verzicht auf künstlerische Ausdrucksmittel. Ungefähr so sehen leider zu viele Dokumentationen aus. Das Münchener Filmfestival Underdox (4.-11. Oktober 2012) beweist nun zum bereits siebenten Mal, dass es auch anders geht.

Two Years at Sea 01

Zum Beispiel mit Bestiaire, einem auf der Berlinale vertretenen Film, der nach dem Verhältnis von Mensch und Tier fragt. Neben anspruchsvollen Dokumentationen präsentiert Underdox auch experimentelle Spielfilme wie Davide Manulis herrlich absurdes Werk The Legend of Kaspar Hauser. Drittens steht das Festival der Videokunst offen, wie sie in Philippe Grandrieux‘ avantgardistischer Arbeit White Epilepsy zu sehen ist.

Auch sonst tummeln sich im Programm einige Namen, die derzeit das Weltkino mitbestimmen, in Deutschland jedoch zumeist völlig unbekannt sind. Der junge philippinische Regisseur Raya Martin ist mit dem trippigen Buenas noches, España dabei, sein Landsmann Khavn de la Cruz mit der Mockumentary Mondomanila und der britische Utopien-Erforscher Ben Rivers, dem wir im letzten Jahr ein Special gewidmet haben, mit Two Years at Sea.

Deutschland ist unter anderem mit Romuald Karmakars politischem Essay Angriff auf die Demokratie und Heinz Emigholz‘ Architekturstudie Parabeton vertreten. Ebenfalls spannend: Obskures wie der Experimentalfilm Autrement, la Molussie sowie die Specials zu Manon de Boer und aktuellen Kurzfilmen aus dem Krisenstaat Griechenland.

Der Besuch von Underdox lohnt sich nicht zuletzt deshalb, weil die dort gezeigten Filme anderweitig kaum einmal zu sehen sind, da sie fast ausnahmslos ohne Kinostart bleiben.

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