Nicht verstehen, sondern erleben: Die Filme von Roland Klick

In den kommenden Tagen ehren wir einen Einzelkämpfer des deutschen Kinos.

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Roland Klick hätte ein ganz Großer werden können. Er hätte etwa innerhalb der eng gesteckten Grenzen des Neuen Deutschen Films Karriere machen können, doch er zog das Populäre dem Intellektuellen vor. Später hätte Klick dann Christiane F.s Bestseller Wir Kinder vom Bahnhof Zoo verfilmen sollen, eckte aber durch seine Ambitionen, das Drogenmilieu möglichst authentisch darzustellen, bei einem risikoarmen Produzenten namens Bernd Eichinger an. Und auch Angebote aus Hollywood und Italien schlug der Regisseur aus, teils aus künstlerischen, teils aus persönlichen Gründen. Das Scheitern war für Klick stets ein treuer Begleiter.

Klick Einfuehrung 2

Sieht man sich jedoch die Projekte an, die er letztlich realisiert hat, ist das nicht weniger beeindruckend, als alles, was da hätte kommen können: drei kurze, ein mittellanger und sieben lange Filme, die im Kino der Bundesrepublik ihresgleichen suchen und bis heute nicht angemessen gewürdigt wurden. Filme, die vor Energie und Sinnlichkeit nur so strotzen und dabei sowohl fordern als auch unterhalten. Klick, dem Sandra Prechtel mit ihrer Dokumentation Roland Klick: The Heart Is a Hungry Hunter gerade ein Denkmal setzte, hat dabei nie einen Hehl daraus gemacht, Filme für ein breites Publikum machen zu wollen. 1976 adaptierte er mit Lieb Vaterland magst ruhig sein gar einen Roman des in bildungsbürgerlichen Kreisen als Trivialautor verschrienen Johannes Mario Simmel.

Klick Einfuehrung 3

Egal, ob im Western, Kriminal- oder Dokumentarfilm – Klick ging immer seinen eigenen Weg. Er bediente sich zwar geläufiger narrativer Muster, war dabei aber weniger an erzählerischer Routine, als an den Figuren und ihrer spezifischen Lebenswelt interessiert. Supermarkt (1974), einer der besten deutschen Filme überhaupt, ist die Abstiegsgeschichte eines Kleinkriminellen und besticht durch genaue Milieubeobachtungen der Hamburger Unterwelt und die ständige Bereitschaft, sich wenn nötig auch im Dreck der Straße zu suhlen. Spätestens hier versteht man die Äußerung des Regisseurs, seine Filme müssten nicht verstanden, sondern erlebt werden.

Mit Beiträgen von Michael Fleig, Lukas Foerster, Michael Kienzl, Nino Klingler, Maurice Lahde und Birte Lüdeking werden wir uns in den nächsten Tagen dem faszinierenden Werk von Roland Klick nähern. Falls sich der ein oder andere davon zu einer privaten Retrospektive veranlasst fühlt: Die meisten seiner Filme befinden sich im Verleih der Filmgalerie 451 und sind auch auf DVD erhältlich.

Roland Klick: The Heart Is a Hungry Hunter läuft nächste Woche auf dem Heimspiel Filmfest in Regensburg. Critic.de ist wie schon in den letzten Jahren Medienpartner des Festivals. Bei der Aufführung wird der Regisseur anwesend sein.

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Angelika Kettelhack

Artikel DIE LEGENDE von Angelika Kettelhack erschienen in DIE RHEINPFALZ Nr. 83 am 10 .4. 2013 (Film-Seite)






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