Wie das Leben so spielt
Ein Film, dem der deutsche Titel fast besser als der englische steht: Für die dramatische Buddy-Komödie Wie das Leben so spielt gibt sich die Filmfamilie Judd Apatows mit Adam Sandler ein überraschend zurückhaltendes Stelldichein.
Er hätte besser nicht abnehmen sollen, je dicker, desto lustiger, meint Sidekick Leo (Jonah Hill) über Seth Rogen in der Rolle von Ira. Beide versuchen in L.A. als Comedians Fuß zu fassen. Später im Film bestätigt eine Frau das Komikerpotenzial von Rogens Gesicht. Nur das mit Iras Witzen, seinem Rhythmus und Auftritt klappt noch nicht so recht. Wie das Leben so spielt (Funny People) spiegelt diese Beobachtung zur Herstellung von Komik: Mit dem leicht dünneren Seth Rogen in der Hauptrolle wechselt Judd Apatow die Schwerpunkte. Die meist gelungene Mischung von Situationskomik und körperlichem Witz seiner bisherigen Filme als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent – man denke nur an Film Beim ersten Mal (Knocked Up, 2007) oder FilmLeg dich nicht mit Zohan an (You Don’t Mess with the Zohan 2008) – vernachlässigt er in seiner neuesten Arbeit zugunsten von Wortwitz und selbstreflexiver Ironie.
Von der Schwanzgröße bis zu den Möglichkeiten, unauffällig zu furzen, bedient Apatows Drehbuch den üblichen pubertären Jungshumor, der mal zündet, häufiger aber nicht. Letzteres liegt nicht nur an den Witzen selbst (die zum Teil gerade vom Scheitern des Gag-Erzählers Ira zeugen sollen) und der Häufigkeit ihrer Wiederholung, sondern vor allem daran, dass mit der Ansiedlung der Geschichte im Milieu des Showbusiness den Vulgaritäten oder infantilen Auswüchsen der Protagonisten ein Gegenüber fehlt. Nur in ganz wenigen Szenen am Ende des Films gibt es ein in Hinblick auf die Komik fruchtbares Aufeinanderprallen der Berufskomiker mit einer klassischen Suburbia-Familie mitsamt eifersüchtigem Ehemann, von Eric Bana in einer Kombination aus extremer Coolness und tiefsitzender Spießigkeit fulminant verkörpert.
Berufskomiker sind wie die dafür bekannteren Clowns traurige Gestalten. So stellt man sie sich vor, die Funny People des Originaltitels. So zeigt sie auch der Film: als Männer, die Leid, Frustration, vor allem ihre emotionale Inkompetenz kompensieren und nur die Ausflucht in den Witz kennen. Hinter der Fassade stecken demnach sensible, verletzte, nie erwachsen werdende Jungs. Das gilt für Ira, noch mehr aber für den von Adam Sandler gespielten Star George Simmons. Als Komiker in eher bescheidenen Filmen immens erfolgreich, engagiert er Ira als persönlichen Assistenten und Witz-Schreiber, jetzt, wo er sich angesichts einer tödlichen Krankheit wieder mehr auf Stand-Up-Auftritte konzentrieren möchte.
Wie in Jungfrau (40), männlich, sucht (The 40 Year Old Virgin, 2005) geht es in Wie das Leben so spielt um den Reifungsprozess, das sehr späte Coming-of-Age, das erst durch eine Männerfreundschaft ermöglicht wird. Die Buddy-Konstellation der gegensätzlichen Charaktere, die erst nach einigen Hindernissen zueinanderfinden, sich bereichern und bestärken, funktioniert hier allerdings weniger auf der komödiantischen Ebene – dafür sind sich die Figuren in den meisten Belangen zu ähnlich. Stattdessen ermöglicht sie das Fortschreiten des Dramas, so fördert Ira Georges Auseinandersetzung mit der Krankheit, seiner Vergangenheit, der Familie und der Liebe seines Lebens.
Den Figuren durchaus angemessen, geriert sich der als Komödie beginnende Film immer mehr als sentimentales Drama. Die Mischform, die er letztlich annimmt, wird im Englischen gern auch als Dramedy bezeichnet und ist im Kino eher selten anzutreffen. Auf der großen Leinwand und in der klassischen Spielfilmdramaturgie dürfte die Kombination aus sich gegenseitig anfeuernder Tragik und Komik als erfolgreichere Verbindung betrachtet werden. Tatsächlich sind die Schwierigkeiten von Wie das Leben so spielt, richtig abzuheben, nicht zuletzt im gemächlichen Rhythmus und der Überlänge zu suchen, die eher dem deutschen als dem Originaltitel entsprechen.
Als autobiographisch angehauchte Dramedy, mit der Beleuchtung der Kulissen des amerikanischen Showgeschäfts und einer Vielzahl exponierter Cameo-Auftritte, etwa des sich selbst parodierenden Marshall Mathers a.k.a. Eminem, weist der Film etliche Parallelen zur kurzweiligen HBO-Serie Entourage (seit 2004) auf, die Mark Wahlbergs Leben als Jungstar nachempfunden ist. Vielleicht wären für Wie das Leben so spielt einige Folgen im 30-Minuten-Format genau das Richtige gewesen. Den persönlichen und beruflichen Höhen und Tiefen zweier Komiker wie Seth Rogen und Adam Sandler sähe man durchaus gerne häufiger zu.
Filmkritik von Frédéric Jaeger
Veröffentlicht am 15.09.2009
Kommentare zu Wie das Leben so spielt
Gunnar 25.09.2009 00:39
Hallo Leute,
ich kann dazu nur sagen, der Film war der Hammer und ich hätte gern noch ne Stunde gesehen.
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: Wie das Leben so spielt
Originaltitel: Funny People
USA 2009
Laufzeit: 140 Minuten
Regie: Judd Apatow
Drehbuch: Judd Apatow
Produktion: Judd Apatow, Clayton Townsend
Bildgestaltung: Janusz Kaminski
Montage: Brent White, Craig Alpert
Musik: Jonathan Karp, Jason Schwartzman, Michael Andrews
Darsteller: Adam Sandler, Seth Rogen, Leslie Mann, Eric Bana, Jonah Hill, Jason Schwartzman, RZA, Aubrey Plaza, Maude Apatow, Iris Apatow, Aziz Ansari
Kinostart: 17.09.2009
DVD-Angaben
Titel: Wie das Leben so spielt
Vertrieb: Universal Pictures
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 140 Minuten
Extras: Gag Reel; Filmkommentare von Adam Sandler, Seth Rogan und dem Regisseur Judd Apatow; Unveröffentlichte Szenen; Erweiterte & Alternative Szenen; Textpatzer; „Line-o-rama“; Dokumentationen: Funny People Tagebücher, Judds Highschool Radio Show; Musik: James Taylor Live; Adam & Jon Brion; Aus den Archiven; Die Filme von George Simmons; Telefonscherz 1990 – “Der Genervte”; Yo. Herr Lehrer” – Episode & Hinter den Kulissen
Verleih ab: 21.01.2010
Verkauf ab: 21.01.2010
Copyright Wie das Leben so spielt
Fotos: © Universal
BERLINALE 2012

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