Seelen

Nach dem Ende der Twilight-Serie kommt mit Seelen die nächste Verfilmung eines Romans von Stephenie Meyer in die Kinos. Was sie dem Vampirroman angetan hat, blüht nun der Science-Fiction.

Seelen 11

Ein Kinderglauben-Film. Die ersten Blicke wirft er andächtig in den Himmel, auf die leuchtenden Sterne. Später gibt es eine Szene, die diesen Blick spiegelt, Platons Höhlengleichnis, in der Glühwürmchen die Rolle der Sterne übernehmen, weil die Originale hinter einer Felsendecke verborgen sind, der Sehnsucht entzogen, im Versteck des Widerstands gegen die außerirdische Invasion.

Die ersten Bilder von Seelen (The Host) aber sind noch ungezwungen. Und die ersten Worte klingen schön. Auf der Erde, erfahren wir, gibt es keine Kriege mehr und keine Umweltverschmutzung. Alles ist friedlich. Der Mensch hat seine destruktive Natur verloren – dank einer außerirdischen Rasse von Symbionten, die die gesamte Menschheit kolonisiert hat, jeder Mensch ein Wirtskörper für ein Alien-Individuum.

Seelen 04

Das Alien, das wir am besten kennenlernen, heißt „Wanderer“. Es wird der jungen Melanie (Saoirse Ronan, die bemerkenswerte Titelheldin aus Wer ist Hanna, 2011) eingepflanzt, einem der wenigen Menschen, die noch sie selbst sind. Eine eiskalte Alien-Polizistin namens „Sucherin“ (Diane Kruger) will durch Melanie das Versteck der Widerständler herausfinden. Aber Melanie ist stark, ihre Persönlichkeit wehrt sich, und die manchmal zickigen, manchmal leidenschaftlichen Zwiegespräche zwischen ihr und dem ungebetenen Gast in ihrem Kopf gehören zu den wenigen guten Dingen, die man von diesem Film erzählen kann.

Das Alien „Wanderer“ wird in diesen Dialogen stets verkürzt mit „Wanda“ angesprochen. Die phonetische Ähnlichkeit dieses Namens mit dem englischen Wort für „Wunder“ ist kein Zufall. Die Geschichte läuft tatsächlich auf ein Wunder hinaus, auf einen Kinderglauben eben, auf eine Symbiose zwischen der Friedfertigkeit der Invasoren (welch seltsame Wortpaarung!) und der Leidenschaftlichkeit der Menschen. Auferstehung inklusive.

Seelen 08

Von dem Pessimismus, der die Science-Fiction traditionell prägt, ist bei Stephenie Meyers Aneignung des Genres nichts mehr übrig. Ähnlich, wie sie in der Twilight-Serie den Vampirmythos und den Schauerroman effizient geschrumpft hat, tut sie es nun mit den Zukunftsdystopien. Die thematische Ähnlichkeit mit dem Klassiker Die Dämonischen (Invasion of the Body Snatchers, 1956) ist zwar frappierend. Aber anders als damals kann ihre Bearbeitung des Stoffes nicht mehr als Metapher gelesen werden, jedenfalls nicht als politische. Wo damals, mitten im Kalten Krieg, die kommunistische Bedrohung mitschwang, geht es in Seelen vordergründig um Romantik, und unterschwellig vielleicht noch um weibliche Pubertät, das Fremdwerden des eigenen Körpers. In einem besseren Film wäre das interessant.

Die Mormonin Stephenie Meyer kann sich eine Widerstandszelle gegen eine totalitäre Bedrohung offensichtlich nur vorstellen als verkitschte christliche Urgemeinde, versteckt in Höhlen, geführt von einem bärtigen strengen Patriarchen (William Hurt). Als Gemeinschaft einfacher, tiefgläubiger Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit den Boden bestellen. Mit ein paar Spiegeln leiten sie Sonnenlicht hinein, und im Verlauf des Films wechselt das Bild der Höhle durch sämtliche Phasen des Bauernkalenders: Aussaat, Mahd, Ernte etc. So wie in der Twilight-Serie die merkwürdige Propaganda für Keuschheit unangenehm auffiel, so hat man auch in Seelen ständig den Eindruck, den sehr spezifischen Vorlieben einer Autorin folgen zu müssen, die über ein komplett geschlossenes Weltbild verfügt.

Seelen 03

Das wiegt so schwer, dass selbst ein auf pessimistische Zukunftsvisionen spezialisierter Regisseur wie Andrew Niccol nicht dagegen ankommt. Niccols Gattaca (1997) und In Time – Deine Zeit läuft ab (2011) malten detailliert die Schrecken der Gentechnik aus. Niccol hat den Roman von Meyer als Drehbuch adaptiert, gewinnt dem Stoff aber wenig ab, was über den unbedingten Willen zum Mystischen hinausginge.

Man könnte mit Meyers schwerfälliger Autorenpersönlichkeit leben, wenn der Film als Vertreter seines Genres wenigstens auf rein dramaturgische Weise spannend wäre. Dann störte auch kein Kinderglauben, und das wogende Weizenfeld – geschenkt. Aber abgesehen von der Figur Melanies ist keiner der Charaktere interessant, die Figur ihres Bruders dürfte sogar zu den am schlampigsten ausgearbeiteten Drehbuchrollen der vergangenen Jahre zählen. Diane Kruger verfügt zwar erwiesenermaßen über die für ihre Rolle notwendige beängstigend kühle Ausstrahlung. Aber der Film lässt sie für ihre außerirdische Ermittlungsarbeit minutenlang in der Wüste stehen, um zum Horizont zu schauen.

Seelen 16

Fortsetzungen der Romanvorlage sind angekündigt, die Rede ist von einer geplanten Trilogie. Seit dem Erscheinen des ersten Buches vor fünf Jahren ist allerdings noch kein weiterer Band erschienen. Weitere Filme werden also auch auf sich warten lassen. Sehr ungeduldig stimmt Seelen allerdings nicht.

Trailer zu „Seelen“


Trailer ansehen (3)

Kommentare


Ashley

Ich lieeeeeeeeeeeeeeeeebe einfach Jamie... Und natuerlich Seelen.


Marcel

Also ich weiss nicht, was ich genau vom FIlm halten soll. Der Trailer, welcher ständig in TV oder Kino zu sehen war, versprach "irgendwie" etwas ganz anderes. Ich hab einen rasanten Film erwartet, aber hier haben wir es mit The Host sprichwörtlich mit einer Schlaftablette zu tun. Schade, hatte mehr erhofft






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.