Paris Manhattan

In Sophie Lellouches Regiedebüt wird eine gute Idee in einem unausgegorenen Drehbuch ertränkt.

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Immer schon hat das französische Publikum Woody Allen die Treue gehalten und die französische Fachliteratur den New Yorker Regisseur durch zahlreiche Publikationen cineastisch geweiht. Diese Liebe hat Woody Allen kürzlich erwidert, als er mit Midnight in Paris (2011) ein wiederholtes Mal einen ganzen Film in der Hauptstadt der Cinephilie spielen ließ. Dass es aus Frankreich irgendwann auch eine filmische Hommage an ihn geben wird, war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Sophie Lellouches Romantic Comedy trägt die Referenz an den Regisseur von Manhattan (1979) bereits im Titel, aber auch im Namen der Protagonistin: Alice (Alice Taglioni) ist dreißig, Single und Apothekerin, und sie verehrt Woody Allen in einem Maße, dass sie mit seinem Porträt philosophische Gespräche führt und ihren maladen Kunden mit hoher Erfolgsquote das Anschauen seiner Filme verschreibt. Während ihre etwas verrückte jüdische Familie sie nicht gerade auf die feinfühligste Art zu verkuppeln versucht, taucht plötzlich der verschrobene Victor (Patrick Bruel) in ihrem Leben auf. Dieser ist von der Liebe desillusioniert und hat, welch Sakrileg, noch keinen einzigen Woody-Allen-Film gesehen.

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Sophie Lellouche ist wie ihre Protagonistin, sie liebt den New Yorker Regisseur. Ihr Problem ist nur, dass sie sich in ihrer Hommage unweigerlich mit dem Altmeister messen lassen muss. Und dabei nur verlieren kann, trotz einer leichtfüßigen und prinzipiell sympathischen Erzählung. Fast automatisch spürt man nach thematischen Parallelen zu Woody Allens Werk: die ewige Suche nach der richtigen Liebe, der Kontext jüdischer Kultur und Tradition, die Leidenschaft für Jazzmusik etc. Auch direkte (das Plakat von Match Point, 2005) oder indirekte Zitate (das tanzende Liebespaar aus Alle sagen: I love you, 1996) seines filmischen Werks gibt es zuhauf. Aber nur in einigen wenigen Szenen gelingt es Lellouche, auch Woody Allens humorvoll-poetischen Stil zu treffen. Dazu zählen die Spionage-Aktion in der Wohnung von Alices Schwester oder die zauberhafte und ausgelassene Fahrt durch Paris auf einem Kinderroller.

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Die Dialoge von Paris Manhattan erschöpfen sich häufig in einem platten Schlagabtausch – „Ist das Ihr Maximum?“ – und bleiben um Längen hinter den brillanten neurotisch-ironischen Tiraden Woody Allens zurück. Auch Lellouches Figuren haben ihre Neurosen, aber anders als bei Woody Allen nerven sie damit nicht nur ihr Umfeld, sondern auch ihr Publikum. Von dem tiefen Lebensschmerz und der Sinnkrise, die sich oft hinter den Neurosen von Allens Figuren verbergen, ist in Lellouches Film kaum etwas zu spüren. Viele Nebenstränge – die vermeintliche Untreue von Alices Schwager (Louis-Do de Lencquesaing), der Alkoholismus der Mutter (Marie-Christine Adam) – sind dafür auch viel zu wenig ausgereift. Hier verschenkt Lellouche dramaturgisches Potenzial und verliert dabei gleichzeitig, trotz ausgesprochen komprimierter Gesamtlänge, den richtigen Rhythmus für die Haupthandlung.

Patrick Bruel ist als Casting-Entscheidung eher enttäuschend; seine Rolle spielt er geradezu nachlässig herunter. Alice Taglioni hingegen, die selten im Komödiengenre zu sehen war, überzeugt in ihrer Rolle als selbstlose, offenherzige junge Frau. Zu bedauern ist vor allem, dass die beiden Akteure als Liebespaar nicht so richtig zusammenpassen wollen und der finale „coup de foudre“ aus heiterem Himmel den Zuschauer fast überrumpelt.

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Auch wenn die große Liebe zu diesem Regiedebüt ausbleibt, ein paar hübsche Funken bleiben nach Filmende dennoch im Gedächtnis haften. Da ist zum einen der fast unwirkliche Cameo-Auftritt von Woody Allen himself. Und zum anderen die feste Überzeugung der Apothekerin, dass gute Filme die beste Medizin sind. Das ist zumindest schon mal ein solides Statement für den Anfang einer Regiekarriere. Sophie Lellouche, viel Erfolg für den nächsten Film!

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