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Avatar - Aufbruch nach Pandora

James Cameron dreht zum dritten Mal einen der teuersten Filme aller Zeiten. Ein Science-Fiction-Fantasy-Western-Spektakel in 3-D.

Avatar - Aufbruch nach Pandorazoomicon

James Cameron geht es immer um mehr als ums Geschichtenerzählen. Im Zentrum seiner Filme steht eigentlich das haptische (Mit-)Erleben, die emotionale Stimulation – Kino als Erfahrung. Um sich das Kino trotz der großen medialen Konkurrenz als Generator für diese Erlebnisse zu erhalten, greift der Wahl-Amerikaner regelmäßig tief in die technische Trickkiste und damit ins Portemonnaie. Die erstmals überzeugende Nutzung der damals recht neuen Morphing-Technologie sorgte dafür, dass die Produktionskosten von Terminator 2 – Tag der Abrechnung (Terminator 2 – Judgement Day, 1991) zum ersten Mal die magische 100-Millionen-Dollar-Marke überstiegen. Für Titanic (Titanic, 1991) musste er sein Budget dann nochmals auf 200 Millionen Dollar verdoppeln. Avatar – Aufbruch nach Pandora (Avatar) dehnt diese Grenze nun noch weiter nach oben. Etwa 250 Millionen soll Camerons neuestes, komplett in 3D gedrehtes Werk verschlungen haben. Gerüchten zufolge sind sogar bis zu 700 Millionen Dollar in die Produktion geflossen. Dass auch dieser Film alle Investitionen um ein Vielfaches wieder einspielen wird, ist nachvollziehbar und enttäuschend zugleich.

Avatar - Aufbruch nach Pandorazoomicon

Die ersten Minuten sind nur Staunen. Kaum sitzt die 3-D-Brille richtig auf der Nase, markiert Avatar den aktuellen Stand der digitalen Filmproduktion. Die Räumlichkeit, die auch in den tatsächlich abgefilmten Sequenzen mit der 3-D-Technik entsteht, ist beeindruckend. Wo Figuren und Gegenstände in früheren 3-D-Produktionen noch als zweidimensionale Objekte in einen dreidimensionalen Raum hineinmontiert wirkten, gelingt es Cameron nun, ihnen eine jeweils eigene Tiefe zu geben. In den ausschließlich computeranimierten Teilen des Films ist die Illusion dann nahezu perfekt.

Avatar - Aufbruch nach Pandorazoomicon

Technische Brillanz allein macht aber noch keinen guten Film. Über weite Strecken sieht Avatar aus wie ein Malbuch. Man hat den Eindruck, als leuchte die Leinwand über die 150 Minuten des Films verteilt in sämtlichen Farben, die die digitale Projektion hergibt. Das Auge wird fast geblendet von der grellbunten Exotik des Dschungels, in dem die blauen Bewohner Pandoras zwischen neon-orangefarbenen Blumen und violett behangenen Bäumen leben. Ein wenig mehr Düsternis hätte der Optik des Films gut getan.

Und dann war da noch etwas: Es gibt auch eine Geschichte, an der sich Avatar – Aufbruch nach Pandora entlang hangelt. Im Kern ist diese Geschichte die merkwürdige Deformation des Indianerfilms. Pandora ist die Heimat der Na’vi, eines naturverbundenen Volkes von baumhohen, blauen, menschenähnlichen Wesen. Ihr Planet wird vom skrupellosen Volk der Menschen, genauer gesagt einem Großunternehmen bedroht, das im Boden unter den Heiligtümern der Na’vi wertvolle Rohstoffe vermutet. Weil es für die Menschen günstiger wäre, einen Krieg zu vermeiden, streben sie zunächst eine gewaltfreie Lösung an.

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Der Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington) schlüpft dazu in den Körper eines genetisch gezüchteten Na’vi, seines Avatars. Mit Hilfe der modernen Bioinformatik wird aus Jakes Bewusstsein und dem Körper seines Avatars eine Einheit. In der Gestalt eines Eingeborenen soll er Informationen über die Na’vi sammeln, damit diese ihre Rohstoffe freigeben. Doch es kommt, wie es in dem vorhersehbaren Plot kommen muss: Jake entwickelt immer mehr Sympathie für das Volk, das er eigentlich ausspionieren soll, und verliebt sich obendrein auch noch in die schöne Tochter des Häuptlings. Die Eskalation des Interessenkonflikts wird unausweichlich.

Avatar - Aufbruch nach Pandorazoomicon

Im Grunde ist Avatar – Aufbruch nach Pandora ein DEFA-Indianerfilm. Es geht um Ausbeutung, Raubbau an der Natur und den Kampf gegen die Kolonisierung. Die direkten Parallelen zu diesem Genre sind offenkundig: Rituale, Waffen, Stammeskultur – die Schablone für das Volk der Na’vi ist ein romantisierendes Indianerbild. Im Gegensatz zu den DEFA-Filmen sind die Indianer bei Cameron allerdings nicht die Protagonisten; das bleibt dann doch den Weißen überlassen. Die Ureinwohner Pandoras zeichnet Cameron als naiv, weitgehend schwach und bemitleidenswert. Ein Volk, das nicht in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen.

Avatar - Aufbruch nach Pandorazoomicon

Gepaart mit den penetranten Anspielungen auf den amerikanischen Militäreinsatz im Nahen und Mittleren Osten bekommt die Geschichte einen merkwürdigen Beigeschmack. Tut man dem Regisseur und Drehbuchautoren Cameron den Gefallen und versucht sein Werk als politischen Kommentar zu lesen, ergibt sich lediglich die krude Vermischung völlig unterschiedlicher historischer Kontexte sowie die stets gern bemühte Formel vom Krieg als Geißel der Menschheit. Dass Cameron dabei – und das ist die zentrale Botschaft des Films – den Krieg ebenso explizit ablehnt, wie er sich gleichzeitig an seiner Ästhetik ergötzt, ist symptomatisch dafür, dass der Film inhaltlich nicht aufgeht.

Das Kino ist seit je her ein Ort für technische Innovationen. Leider ist Camerons Film nun aber kaum mehr als das. Er zeigt zwar den State of the art des dreidimensionalen Kinos, aber sein Avatar – Aufbruch nach Pandora befindet sich noch in einer frühen Phase der Innovation. Cameron baut seinen Film um eine Technologie herum und nicht umgekehrt. Wenngleich das 3-D-Kino zurzeit fast die einzige Hoffnung der Filmindustrie ist, wieder mehr Besucher in die Lichtspielhäuser zu locken – grundlegende Mechanismen von Film wird es auf Dauer nicht aushebeln können. Auch in Zukunft wird das Kino mehr bieten müssen, als sich lediglich selbst auszustellen.

Kritik von Felix Frieler

Fotos : © Twentieth Century Fox

Veröffentlicht am 11.12.2009



Film-Angaben:

Titel: Avatar - Aufbruch nach Pandora (Avatar)
USA 2009
Laufzeit: 161 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron
Produktion: James Cameron, Jon Landau
Darsteller: Sam Worthington, Sigourney Weaver, Michelle Rodriguez, Zoë Saldana, Giovanni Ribisi, Joel Moore, Stephen Lang, Laz Alonso, Matt Gerald
Kamera: Mauro Fiore
Musik: James Horner
Schnitt: John Refoua, Stephen E. Rivkin

Kinostart: 17.12.2009





 




Kommentare

 

erfolg

Montag, 15-03-10 21:33

ein toller film, gar keine frage... den hype darum versteh ich allerdings nicht.

michaela aus berlin

Freitag, 12-03-10 12:13

der film ist der hammer, wobei mir mit der 3d brille ab und an richtig schwindelig geworden ist.

Lutz Müller aus Radebeul

Mittwoch, 10-03-10 17:25

Endlich ist es soweit. Wie der Beitrag von Dr. Jacke eindringlich beweist verabschiedet sich der Verstand zugunsten des intellektuellen Über-Ich! Der Versuch sich in intertextuellen Hirnrissigkeiten zu ergehen, wenn es um Filmanalyse geht, ist ja weit verbreitet und verführt gerade den Denker minderen Kalibers gern dazu, Konstrukte und Theoreme aufzutürmen, die vom Verfasser in ihrem Urgrund selbst mehr ...

Dr. Andreas Jacke aus Berlin

Mittwoch, 10-03-10 09:46

Ich möchte mich dem oben geannten Urteil von Felix Frieler anschliessen. Ein Sinnenspektakel, dass sich aber dann aufgrund der Narration in Luft auflöst. Das Gehirn im Wasserbad, wie in der Matrix. Vermutlich operiert der Film mit einer Kastration -(Behinderung) - die dann in einen phallischen Traum in eine übermenschliche Ebene übersetzt wird. Dabei wird dann die Natur zum Traum-Freund der mehr ...

Dieter

Freitag, 05-03-10 16:19

Ich habe nach diesem Film mit mehreren Bekannten und Kollegen gesprochen. Keinem tut Leid die gestorbene Soldaten, obwohl die Menschen waren. Alle haben Mitleid mit den Ureinwohner. Das finde ich am schlimmsten. James Cameron hat gelungen, die Menschen von anderer Seite zu zeigen. In einem Vietnam- oder Indianer-Krieg- Film leider oft anders.

michael

Freitag, 05-03-10 10:21

Ich kann mich noch lebhaft an Krieg der Sterne (1977) erinnern, im Berliner Zoo Palast gesehen. Und ich hatte auch lange gezögert, ob ich mir Avatar antun soll. Aber ignoriert die verbissenen, haarspalterischen Kommentare der freudlosen selbsternannten Elite! "Avatar" ist ein umwerfendes, atemberaubendes, berauschendes Erlebnis!!! Jeder kann in den Film hinein interpretieren, was augenscheinlich mehr ...

Alex

Donnerstag, 04-03-10 13:26

Harald schreibt politisch korrekt. Aber die Aussage des Generals "gegen Terror antworten wir mit Terror" oder "wir machen alles um sie zu schonen" und gesamte Kriegführung erinnert an Irak oder Afgan-Krieg. Vielleicht ix Allah hört irgendwann zu.

zwergenemial4

Montag, 01-03-10 17:34

Genau so seh ich das auch Harald...

Harald

Mittwoch, 24-02-10 15:03

AVATAR-Aufbruch nach Pandora ist der geilste Film allerzeiten!! James Cameron hat sich selbst übertroffn mit AVATAR. Ich denke manche Leute verstehen nicht um was es in diesem Film geht. Man kann nicht einfach einen FremdenPlaneten erobern und die einwohner töten. Wir Mensche machen das schonseit Jahrtausenden, aber irgendwann wird eine fremde Macht kommen und uns zerstören. Wir Menschendenken mehr ...

Zwergenemial4

Montag, 22-02-10 12:47

Ich stimme ebenfalls zu! Der Film ist einfach das was man zur Zeit unter großem Kino versteht. Der Film besteht nicht nur wie in der nicht tollen Kritik aus 3D und großen Effekten auch wenn diese hier einen große Anteil am Erfolg des Filmes haben. Der Film hat alles was man sich wünschen kann. Action, Spannung, einen Hauch von Humor und ein bisschen Romantik oben drauf führt zu einem Perfekten mehr ...

 

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