Schöne Frauen

Der Regieerstling Sathyan Rameshs handelt von fünf Schauspielerinnen, die sich bei einem Casting kennen lernen und in der darauffolgenden, alkoholseligen Nacht einander ihre Probleme, Träume und Lebensphilosophien erzählen. Trotz eines mittelmäßigen Drehbuchs, gelingt dem ehemaligen Filmkritiker dabei ein bisweilen unterhaltsamer Film.

Schöne Frauen

Fünf Schauspielerinnen warten in einem weißen, grell ausgeleuchteten Aufenthaltsraum darauf, zum Vorsprechen aufgerufen zu werden. Aber niemand erscheint, um sie abzuholen und so sind sie gezwungen, die Zeit miteinander zu überbrücken. Im Laufe dieser Zeit weicht das anfängliche Konkurrenzgebaren, die abschätzigen Blicke und bissigen Bemerkungen einem Gefühl der Solidarität: Die Idee und das Drehbuch dieses Films sind einfach zu schlecht, darüber sind sich die Wartenden einig. „Männerkacke“ bemerkt Genoveva (Clelia Sarto) lapidar und die anderen stimmen zu.

Die weitere Geschichte von Schöne Frauen, dem Regieerstling des ehemaligen Filmkritikers und Drehbuchautors Sathyan Ramesh ist schnell erzählt: Vier der Schauspielerinnen verlassen den Castingraum gleich, die Fünfte bekommt die Rolle trotzdem nicht. Gemeinsam fahren sie dann ans Meer, wo sie eine alkoholselige Nacht verbringen, in der jede der Frauen den Anderen, eigentlich Unbekannten, nach und nach ihr Inneres entblößt: die Schwierigkeiten und Unsicherheiten im Beruf, die Probleme im Privatleben; kein Thema wird in dieser Gruppentherapie ausgelassen.

Schöne Frauen

Sathyan Ramesh hat sein Drehbuch auf die fünf überzeugenden Schauspielerinnen zugeschnitten: er kannte alle bereits vorher, keine von ihnen musste für ihre Rolle ein Casting absolvieren. Die TV-Schauspielerinnen Floriane Daniel, die 1996 ihr Kinodebüt in Tom Tykwers Winterschläfer gab, Julia Jäger, die unter anderem zwischen 2003 und 2004 in mehreren Donna-Leon-Verfilmungen Commissario Brunettis Ehefrau Paola spielte, Ulrike C. Tscharre, die im TV-Dauerbrenner Lindenstrasse die Rolle der Marion Beimer übernahm, sowie die SOKO: Köln-Kommissarin Clelia Sarto und Theaterakteurin Caroline Peters, die im Moment am Burgtheater Wien in Dimiter Gotscheffs Salome-Inszenierung zu sehen ist, bemühen sich mit ihrer Ausstrahlung den Film zu tragen und das manchmal etwas aufgesetzt wirkende Drehbuch glaubhaft erscheinen zu lassen. Dieses Quintett sehr unterschiedlicher, aber gleich starker Frauen kann zumindest in intimen Szenen ihr Potential entfalten und dem Zuschauer Einblick in die Gefühlswelt dieser Charaktere bieten.

Kameramann Thomas Merker, der für das Aussehen vieler Rosa Roth-Produktionen verantwortlich ist, hat versucht, dem Film durch den Einsatz von DV-Kameras eine authentische Erscheinung zu geben. Leider kontrastiert dieses gewollt realistische Aussehen, das wohl auch unterstützt werden soll durch den häufigen Einsatz von Handkameras, mit einem holprigen, etwas unnatürlich wirkenden Drehbuch. Besonders am Anfang des Films scheinen die Dialoge nur Mittel zum Zweck: Die fünf Frauen sollen zusammenfinden und sich gemeinsam auf die Reise machen. Es scheint keine Rolle zu spielen, ob die Protagonistinnen dabei zusammenhanglose Plattitüden von sich geben oder nicht nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Die Stärken dieses eher schwachen Drehbuchs zeigen sich erst als die Fünf die Nordsee erreichen, sich in einem leeren Hotel bei zwei probenden Sängerinnen einquartieren. Das Zusammenspiel wird glaubhafter und man nimmt den eigentlich konkurrierenden Schauspielerinnen ihre sich langsam entwickelnde Freundschaft ab.

Schöne Frauen

Musikalisch untermalt wird Schöne Frauen von den frech-ironischen Soul-Liedern der Sylter Kabarett-Gruppe queen bee, bestehend aus Ina Müller und Edda Schnittgard. Sie übernehmen im Film die Parts der probenden Sängerinnen Thea und Hannah, zwei Frauen, die ihre Beziehungs- und Lebenserfahrungen zum Thema ihrer Texte machen. Ihre Lieder setzen den Ton für die Gespräche der Mittdreißigerinnen: ungeschminkte, manchmal unangenehme Auseinandersetzungen mit dem eigenen Leben und auch mit dem der Anderen.

Schöne Frauen, der auf dem Internationalen Filmfest Emden mit einem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, besticht weder durch ein durchweg originelles Drehbuch, noch findet Ramesh für seine Geschichte eine neue, eigene Bildsprache. Die Spannung hält der Film aber durch die Ausdruckskraft seiner fünf Hauptdarstellerinnen und die eindringliche Musik von queen bee.

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.