Star Trek

Wie sie wurden was sie sind. Die popkulturell wohl präsenteste Science-Fiction-Reihe widmet sich den biographischen Leerstellen von Captain Kirk und Mr. Spock.

Star Trekzoomicon

Der Trend im gegenwärtigen amerikanischen Genremehrteiler ist unübersehbar. Populäre Kinoreihen weichen vermehrt von ihren fortlaufenden Erzählkonzepten ab und produzieren Prequels statt Sequels, sie widmen sich also den Ursprüngen ihrer Geschichten anstatt sie chronologisch fortzusetzen. Viel mehr als die Fortsetzung der Selbstreproduktion des etablierten Produktes kommt bei dieser experimentellen Geschichtsforschung allerdings meist nicht heraus. Nur in Ausnahmefällen gelingt es, den häufig erstarrten Serien neues Leben einzuhauchen. Christopher Nolan schaffte es mit Batman Begins (2005), seinem Protagonisten die psychologische Tiefe zurückzugeben, die ihn von anderen Vertretern des Superheldengenres unterscheidet und Martin Campbells Casino Royale (2006) übersetzte die unerschütterlich definiert geglaubte Figur des James Bond in die Gegenwart, womit er die Reihe gewissermaßen retrospektiv weitererzählte. Gleich vorweg: Eine solche Zäsur stellt Star Trek, der jüngste Beitrag zur gleichnamigen Saga, nicht dar. Der Film funktioniert aber dennoch, weil er die klassischen Stärken einer Serie ausspielt, deren Konzept noch immer ins Kino passt.

Star Trekzoomicon

Neben Han Solo und Luke Skywalker gehören Captain James T. Kirk und Lieutenant Spock zu den Archetypen des Science-Fiction-Blockbusters. Seit der Erstausstrahlung der Fernsehserie 1966 bei NBC hat sich die Star-Trek-Reihe zum festen Bestandteil der Popkultur entwickelt und das Genre maßgeblich geprägt. Erst Ende der 70er Jahre war die erste Auskopplung der Serie, Star Trek: The Motion Picture (Star Trek: Der Film, 1979), im Kino zu sehen. Im mittlerweile elften Film der Reihe begibt sich Regisseur und Produzent J.J. Abrams zu den Anfängen der Saga auf die USS Kelvin. Dort wird während eines Angriffs des romulanischen Anführers Nero (Eric Bana) der kleine James Tiberius geboren, während sein Vater George Kirk (Chris Hemsworth) als Kapitän sein Leben opfert, um die Evakuierung des Föderationsschiffes zu ermöglichen. Gut 25 Jahre später treibt sich der halbstarke James T. Kirk (Chris Pine) lieber in Bars herum und zettelt Schlägereien an, anstatt bei der Sternenflotte in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Dennoch gelingt es Captain Pike (Bruce Greenwood), Kirk zu überreden, sich freiwillig als Rekrut zu melden. Während der Ausbildung lernt er den Rest der Enterprise-Crew kennen: Die scharfzüngige Uhura (Zoë Saldana), den rustikalen Schiffsarzt Leonard „Pille“ McCoy, Pavel Chekov (Anton Yelchin) mit dem charmanten russischen Akzent und Sulu (John Cho), den Navigationsoffizier. Scotty (Simon Pegg) stößt eher zufällig zur Mannschaft, wird aber kurzerhand zum Chefingenieur befördert. Eine besondere Rivalität entwickelt sich zwischen Kirk und dem Halbvulkanier Spock (Zachary Quinto). Doch angesichts der erneuten Gefahr durch den Romulaner-Warlord Nero sind die beiden gezwungen, ihren Konkurrenzkampf zu überwinden und sich Spocks ärgstem Feind und Mörder an Kirks Vater gemeinsam entgegenzustellen.

Star Trekzoomicon

Kirk und Spock stehen eindeutig im Zentrum der schematischen Geschichte, die stellenweise den Eindruck erweckt, einem Drehbuchbaukasten entnommen zu sein. Kirk, schon als Kind in Verfolgungsjagden mit der Polizei verwickelt, wird vom leichtsinnigen Draufgänger zum verantwortungsbewussten Captain während Spock, hin und hergerissen zwischen vulkanischer Logik und menschlichen Emotionen, seinen Platz im Universum sucht. Was die uninspirierten Drehbuchautoren an Subtilität vermissen lassen, können die Schauspieler dann aber letzlich größtenteils ausgleichen. Besonders der als Sylar in der Fernsehserie Heroes (seit 2006) bekannt gewordene Zachary Quinto kann dem Halbvulkanier neue Nuancen abgewinnen, indem er die emotionale Komponente von Leonard Nimoys Ur-Spock (auch er kommt übrigens zu einem Gastauftritt) noch stärker betont und den Charakter so ambivalenter erscheinen lässt. Anton Yelchin steuert dem Film in der Rolle des unbeholfenen Chekov zudem äußerst gelungene komödiantische Momente bei.

Star Trekzoomicon

Es sind aber nicht nur die Schauspieler, die zumindest versuchen, das eklatant schwache Drehbuch zu kompensieren. Star Trek funktioniert auch, weil er zeitgemäßes Actionkino ist. Nicht nur die Weltraum-Schlachten sind stilsicher inszeniert, auch die Nahkampfsequenzen können trotz grenzwertiger Schnittgeschwindigkeit überzeugen. Das bewährte Konzept der Reihe, den hochtechnisierten Utopien der Raumschiffe ganz und gar plastische Herausforderungen in mehr oder weniger weltlichen Umgebungen entgegenzustellen hat sich auch im neuesten Teil der Star-Trek-Saga keineswegs abgenutzt, sondern setzt den Film von anderen, oft zu glatt wirkenden, utopischen Science-Fiction-Erzeugnissen ab. Auch wenn J.J. Abrams die Reihe damit nicht neu erfindet, stellt Star Trek einen grundsoliden Beitrag zur selbigen dar, der sowohl hartgesottene Trekkies als auch Serien-Novizen gleichermaßen zufriedenstellen sollte.

Kritik von Felix Frieler

Fotos: © Universal

Veröffentlicht am 05.05.2009



Film-Angaben:

Titel: Star Trek (Star Trek)
Alternativer Titel: Star Trek XI; Star Trek 11; Star Trek Zero (Arbeitstitel)
USA 2008
Laufzeit: 126 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman
Produktion: J.J. Abrams, Damon Lindeloff
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Zoë Saldana, Simon Pegg, Anton Yelchin, Bruce Greenwood, John Cho, Ben Cross, Winona Ryder, Eric Bana, Leonard Nimoy
Kamera: Dan Mindel
Musik: Michael Giacchino
Schnitt: Maryann Brandon, Mary Jo Markey

Kinostart: 07.05.2009

Verwandte Filme:



DVD-Angaben:

Titel: Star Trek
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 121 Minuten

Extras: Entfernte Szenen; Wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist; Casting; Aliens; Musik

Verleih ab: k.A.
Verkauf ab: 02.11.2009





 




Kommentare

 

horst aus kassel

Dienstag, 05-01-10 00:53

Der Film ist Beliebig. - nur mit dem Namen Star Trek ... Was soll das ?!

Angelina aus Lünern

Donnerstag, 31-12-09 14:09

Ich finde den Film voll spannend

Norman aus Mannheim

Montag, 28-12-09 09:28

*** Veraltete Serie und Filmreihe wird gekonnt unterhaltungsvoll für die neue Generation von Zuschauern adaptiert und aufbereitet. Das nennt man Realismus und zum Teil leider, auch für mich, Wandel. ***

Dr. Wichtigmann aus Castrop-Rauxel

Freitag, 04-12-09 18:11

@R.I.P StarTreck Pardon, wen "integriert" Uhura denn, um auf die Enterprise zu kommen? Ich finde ja, sie intrigiert ein wenig...

R.I.P Star Trek

Donnerstag, 03-12-09 16:48

Dieser Film ist eine Frechheit. JJ gehört geteert und gefedert !!!! Beverly Hills 90210 trifft star Trek. Uhura integriert um auf die Enterprise zu kommen. Nur wer das stärkste Ego und die größten Ellenbogen hat, gewinnt. - MIt anderen Worten: Eine Enterprise von Arschlöchern.... (McKinsey lässt grüssen...) Und damit dieses Casting-Show a la "Donald Trumps "The apprentice" nicht so auffällt, mehr ...

Der Herr Lehrer aus Hamburg

Montag, 20-07-09 15:43

@tellermann aus hamburg das wort "pupatär" schreibt sich richtigerweise "pubertär". ich möchte sie bitten, dies in zukunft zu beachten, um ihren mitmenschen unnötige schmerzen zu ersparen. mit freundlichem gruß, Der Herr Lehrer

tellerman aus Hamburg

Montag, 20-07-09 04:07

Die pupatäre Vorgeschichte zweier Kultfiguren im Glanz des heutigen CGI-Kinos. Die Storyline war absoluter Mist. Langweilig war der Film sicherlich nicht aber die Schnittfolgen waren doch ziemlich schnell so das man den Bildern kaum folgen konnte aber vieleicht haben die Macher auch gleich an den DVD-Verkauf gedacht. Achja, dazu kommt noch die Sache mit dem übertriebenen LENSFLARE, meine Augen tun mehr ...

andi

Montag, 01-06-09 12:43

Ich war nie so der Star Trek Fan, aber dieser Film ist super! Spannend und lustig. Ein Film der unterhält, mir hat vor allem das gute Zusammenspiel der Schauspieler gefallen. Am Ende dachte ich nur noch: den muss ich nochmal sehen und das habe ich bereits auch...

Jim-Kirk aus Augsburg

Sonntag, 31-05-09 19:36

Anmerkung Für JJ Seit wann biteschön hat der Planet Vulkan eine Blaue Atmosphäre ?? Kirk war niemals mit Uhura auf Du und Du.... Checkov dürfte nicht dabei sein!!!! Charakter wurde erst in der zweiten Staffel Star Trek eingeführt.. Aber so einen fehler machte man bereits bei Star Trek 2 Als Chekov komischer weiße die Botanybay wieder zu erkennen wollte... Space Seed (TOS:Der schlafende mehr ...

Jim Kirk aus Augsburg

Sonntag, 31-05-09 19:26

Verhaftet JJ Abrahams,den der hat wirklich keine ahnung von Star Trek oder was Star Trek ausmachte. Gut das sich william Shatner von diesem Machwerk distanziert hatte. Wo sind eigentlich rick Berman und Michael Piller abgeblieben ? Zum Film: Schauspielerbesetzung fragwürdig außer spock,jim Kirk hat braune Augen,der schauspieler blaue!!!,Pille hat nichts mit DeForest gemein usw... Special mehr ...

 

Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen Sie unseren Regeln zu.



empfehlen Filmkritik empfehlen