Adel verpflichtet

Adel verpflichtet (Kind Hearts and Coronets, 1949) gehört zu den Klassikern der Ealing-Komödie, jenen so oft als quintessentiell englisch bezeichneten Filmen der Nachkriegszeit, die unter Produzent Michael Balcon in den namensgebenden West-Londoner Studios entstanden.

Robert Hamer: Adel verpflichtet

Eine Reflektion des nationalen Charakters war auch betontes Anliegen, und Adel verpflichtet verfolgt dies wie viele andere Ealing-Filme mit satirischen Untertönen. Gegenstand ist der englische Adel, von dem Louis Manzzinis Familie ehemals ausgeschlossen wurde. Um aber doch noch Herzog von Chalfont zu werden, muss Louis sämtliche Amtsanwärter umbringen, die alle mit großer Verwandlungskunst von Alec Guiness gespielt und persifliert werden. Regisseur Robert Hamer entfaltet die Handlung retrospektiv und schafft über die würdevolle Zurückhaltung in den Kommentaren des Möchtegern-Herzogs einen humorvollen Kontrapunkt zu dessen mörderischem Treiben. (kst)

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Kommentare zu „Adel verpflichtet“


Martin Zopick

Das ist ein Klassiker des schwarzen Humors von der Insel. Diese so nie wieder gebotene Handlung ist ebenso einzigartig wie der großartige Alec Guinness, der hier seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Wir sehen ihn in acht Opferrollen: als alter und als jüngerer Mann, sogar als Frau. Vertrottelt, skurril, kämpferisch, militaristisch und snobistisch. Diese Mordserie ist ein Rachefeldzug von Louis Mazzini (Denis Price) aus verschmähter Anerkennung an den d’Ascoynes. In der Todeszelle verfasst er seine Memoiren: ein Geständnis. Jetzt kann es ihm ja egal sein. Seine Taten werden von einem Kommentar des Ich-Erzählers britisch unterkühlt begleitet und gewürdigt, der in seiner distinguierten Form einen Kontrast zum Mordgeschehen darstellt und die Ironie betont.
Nebenbei gerät Louis auch noch zwischen zwei Frauen: von Edith (Valerie Hobson) standesgemäß geheiratet und von Sibella (Joan Greenwood) nach wie vor heiß geliebt. Nach seiner Begnadigung öffnen beide die Türen ihrer Kutschen. Der ‘dramatische Vorhang‘ nimmt ihm eine Entscheidung ab mit einem letzten Blick auf den Schreibtisch in seiner Zelle…denn ‘ein gutes Herz ist mehr wert als eine Krone und simpler Glaube mehr als normannisch Blut‘ (Tennyson). Einzigartig, kühl und von boshafter Eleganz.






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