Hostel 2
Nach nur einem Jahr verpasst Eli Roth seinem innovativen Splatterfilm Hostel einen Nachfolgefilm. Diesmal unternehmen drei junge Amerikanerinnen einen blutigen Eurotrip.

Die globalisierte Folterconnection ist wieder voll in Fahrt. Paxton (Jay Hernandez), in Eli Roths Überraschungserfolg Hostel seinen Peinigern mit Müh’ und Not entkommen, wird im Nachfolger bereits nach wenigen Minuten eiskalt abserviert. Schon hier ist klar, wohin die Reise führt. Hostel 2 (Hostel: Part 2) spielt von der ersten Minute an mit offenen Karten.
Fortsetzungen von Horrorfilmen zeichnen sich selten durch wirklich originelle Abwandlungen der Originalstory aus. In diesem Fall begnügt sich Regisseur und Drehbuchautor Eli Roth mit einem simplen Geschlechtertausch. Anstatt dreier Jungmänner auf der Suche nach Sexabenteuern wie im Vorgänger schickt Hostel 2 ebenso viele Amerikanerinnen auf Europareise: Beth (Laura German), Lorna (Heather Matarazzo) und Whitney (Bijou Phillips) sind allerdings nicht in Amsterdam auf der Suche nach billigen Drogen und schnellem Sex, sondern zeichnen in Italien in einem Malkurs einen männlichen Akt. Die hier etablierten Motive – die Umkehrung klassischer geschlechtsgebundener Blickstrukturen und die Fixierung derselben auf den Penis – durchziehen den gesamten Film. Viel mehr weiß Eli Roth mit der neuen Ausgangssituation allerdings nicht anzufangen.
Wie nicht anders zu erwarten verschlägt es auch Beth und ihre Freundinnen bald in die Slowakei und dort natürlich in die aus dem Vorgängerfilm sattsam bekannte Herberge. Hostel 2 verwendet jede Menge Motive aus dem Vorgänger, die bösartige Dorfjugend ebenso wie die in diesem Fall etwas deplaziert wirkende verführerische Slowakin, die sich mit den Amerikanerinnen anfreundet, um sie in die Falle zu locken. Und natürlich die Folterer selbst. Roth stellt gleich zu Beginn mit Todd (Richard Burgi) und Stuart (Roger Bart) deren zwei vor. Der Rest des Films kann wahlweise als verlängerter Western-Showdown oder extrem harter S/M-Sex gelesen werden.

Aber natürlich nicht als klassischer Horrorfilm. Denn ein solcher basiert auf Mysterien und ungleich verteiltem Wissen, auf Suspense und dem Schrecken des Unheimlichen. Das Problem des Films liegt allerdings weniger darin begründet, dass Roth den althergebrachten Genrekodex nicht befolgt. Schließlich bewies unter anderem der unmittelbare Vorgänger, dass das moderne Splatterkino auch in seinen am wenigsten subtilen Formen für echte Highlights sorgen kann, wenn er sein Potential gezielt einsetzt.
Zwar zeichnete sich auch Hostel durch einen extrem schematischen Plot und holzschnittartige Charakterzeichnungen aus, allerdings passten sich diese Eigenheiten perfekt in eine radikale Neudefinition der amerikanischen Teeniekomödie ein, die mit einer paranoid-blutigen Vorstellung von Osteuropa konfrontiert wurde. Der Nachfolger gibt sich noch weniger Mühe, psycho- oder handlungslogisch kohärent vorzugehen, endet mit dieser Strategie hier jedoch binnen kurzem in der absoluten Beliebigkeit, da bis zum Schluss nie ganz klar ist, was Eli Roths Protagonistinnen in der Slowakei eigentlich zu finden hoffen. So radikal hedonistisch wie die Jungs aus dem Vorgänger lässt Roth seine Mädchen nicht agieren, allerdings fehlt ihnen auf ihrem Eurotrip eindeutig ein alternatives Projekt.
So stolpern die dezent bisexuelle Beth, die lebenslustige Whitney und die verklemmte Lorna über weite Strecken des Films reichlich planlos durch die Sets des Vorgängerfilms, bevor sie und die Zuschauer von einem ausufernden Finale erlöst werden, das alle Register des Splatterkinos zieht und doch tendenziell ins Leere läuft. Der mit dem Holzhammer injizierte politische Subtext, die oft äußerst theatrale Inszenierung, die heißgelaufenen Klischees der Osteuropadarstellung: Alles, was in Hostel wunderbar funktioniert hat, bleibt hier erstaunlich kraft- und wirkungslos. Nun ist der Nachfolger kein völlig misslungener Film. Eli Roth ist immerhin zugute zu halten, dass er auch in seinem neuen Werk mehr wagt, als ein Großteil seiner Kollegen. Splitscreensequenzen, bizarre Kameraeinstellungen und jede Menge fantasievoller Details sorgen dafür, dass Hostel 2 wohl zu den innovativeren Genrebeiträgen der letzten Jahre zählt.

Dennoch überwiegt die Enttäuschung. Letzten Endes ist Hostel 2 nicht mehr als eine Pflichtübung, der es nie gelingt, ihre eigene Inspirationslosigkeit zu verbergen. Eher verzweifelt wirken so auch die Versuche, sich in eine filmhistorische Tradition einzuschreiben. Ruggero Deodato, gegen dessen genuin verstörenden Cannibal Holocaust (1980) der Film allerdings in jeder Hinsicht blutleer wirkt, hat einen Auftritt als Feinschmecker mit besonders erlesenem Geschmack, und auch seinem Mentor Quentin Tarantino, dem Pionier derartiger intertextueller Verweise, zollt der Regisseur Respekt. In gewisser Weise verkörpert Roths Werk genau jenes Exploitationkino, dem Tarantino und Robert Rodriguez zur Zeit mit ihren Grindhouse-Filmen ein Denkmal setzen möchten: Auch Hostel 2 ist ein krude zusammengeschusterter Streifen, dessen Trailer und Poster weitaus mehr an „Torture Porn“ versprechen, als der Film letztlich hält.
Und wie sieht es mit eben diesem „Torture Porn“ aus, auf den sich die Diskussionen zweifellos wieder konzentrieren werden? Wie im Vorgänger beruht auch dieser Film auf der Prämisse, dass Menschen simulieren, andere Menschen zu quälen. Und wiederum andere Menschen – unter anderem auch das Kinopublikum – sehen ihnen dabei zu. Die in solchen Versuchsanordnungen auftretenden sadistischen oder auch masochistischen Identifikationsstrategien sind in jedem Fall komplexer, als es eine an Abbildrealismus und reiner Wirkungsästhetik orientierte Kulturkritik zu fassen vermag. Und wer sich Hostel 2 nicht antun möchte, bleibt eben von Anfang an zu Hause. Die beiden einzigen wirklich transgressiven Szenen wird das deutsche Kinopublikum im Übrigen nicht zu Gesicht bekommen, da der ungeschnittenen Version die Freigabe der FSK verwehrt blieb. Abgesehen davon, dass der Autor dieser Zeilen Zensur dieser Art grundsätzlich ablehnt, bleibt jedoch festzuhalten: Auch in der integralen Fassung ist Hostel 2 leider alles andere als ein guter Film.
Kritik von Lukas Foerster
Fotos: © Sony Pictures
Veröffentlicht am 13.06.2007
Film-Angaben:
Titel: Hostel 2 (Hostel: Part 2)
USA 2007
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth
Produktion: Eli Roth, Chris Briggs, Mike Fleiss
Darsteller: Lauren German, Heather Matarazzo, Bijou Phillips, Richard Burgi, Roger Bart, Vera Jordanova
Kinostart: 14.06.2007
DVD-Angaben:
Titel: Hostel 2
Vertrieb: Sony Pictures
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe
Spieldauer: 88 Minuten
Extras: Filmkommentare: Eli Roth, Quentin Tarantino, Gabe Roth; Filmdokumentationen: Hostel 2 – The Next Level, KNB EFX - Special Effects, Produktions-Design, Hostel 2 – ; Internationales TV-Special; Blut & Eingeweide (Gag-Reel); Entfallene Szenen; Radio Interview mit Eli Roth; Verschiedene Trailer
Verleih ab: k.A.
Verkauf ab: 06.12.2007
Kommentare
last_daylight
Montag, 31-12-07 15:33
Blubberbernd
Sonntag, 28-10-07 13:28
Ein Wort: "SCHEISSE!"
Josen
Mittwoch, 24-10-07 15:27
nur das ich nicht falsch verstanden werde. Ich bin 26 jahre alt und liebe Horror-und Splatterfilme seit meinem 13. Lebensjahr. Doch Hostel 1-2 und Saw 2-3 waren und sind wirklich überflüssig. Saw hatte ja noch ne echt neue und interessante Story. Der Rest aber ist wirklich ..... Ich weis auch nicht. Die Produzenten und regiseure sollten statt der Dritten neuverfilmung oder der 175. Fortsetzung (die mehr ...
Josen
Mittwoch, 24-10-07 15:16
Was mich an diesen Filmen so sehr stört ist die Annahme( und davon scheinen die sauberen Amerikaner ja auszugehen) alle Europäer vor allem die bewohner Osteuropas seien nur degenerierte Blutrünstige wilde. Auch ansonsten ein sehr sinnloser Film ( Teil 1 war auch nicht besser), der Blut und Gekröse ausschließlich zum selbstzweck präsentiert. Echt schlimm!!!!
Max Payne
Sonntag, 14-10-07 14:28
Ein Sinnloser Film ! Ich fand den ersten Teil schon Arschlangweilig und der zweite wars aber dann nochmal mehr ! Ich stehe nicht auf Horrorstreifen nur wenn sie ausgesprochen gut sind ! Ich war schon von der SAW Reihe enttäuscht ! Menschen werden Entführt und gefolter und Ermordet was neues fällt den SAW oder Hostel machern auch nicht ein! Ich fand den Film beschissen!
Joey
Samstag, 22-09-07 01:42
... und für nächstes Jahr ist schon Hostel 3 angekündigt. Schnarch!! Da gehe ich dann garantiert nicht mehr rein...
Hasron
Freitag, 21-09-07 04:09
Boooring! auch wenn ich bei filmen nicht auf harte szenen stehe, sie jedoch nicht scheue wenn sie der verdeeutlichung oder als ausdrucksform einer intention dienen sollen, bin ich doch sehr sehr enttäuscht. war der erste teil selbst von den effekten noch harmlos da die "verwundungen" und "blutungen" doch größtenteils unecht wirkten so ist teil2 nun zwar realitätsnaher aber doch auch arg weniger mehr ...
Knecht Ruprecht
Montag, 27-08-07 21:30
ACHTUNG SPOILER!! Also entgegen aller Meinungen fand ich den Film gelungener als den ersten Teil. Dies mag mitunter auch daran liegen, dass ich dank des schlechten ersten Teiles keine großen Erwartungen hegte, aber es hat auch andere Gesichtspunkte: Was mir an dem Film gefallen hat, war die Überstilisierung (ja, ganz genau das, was allen andern nicht gefallen hat) von Ost-Europa, weil sie mehr ...
Pups
Samstag, 21-07-07 16:00
Der 2. Teil von Hostel ist totaler Schrott! Man geht ins Kino und erwartet ein der Altersbeschränkung gemäßes Blutbad. Man bekommt jedoch nur ein paar nackte Frauen und sieht einen langweiligen Film bei dem das Wort Spannung ein Fremdwort ist!Im gegensatz zum 1. Teil und auch so eine totale entäuschung die sich meiner Meinung nach keiner antun sollte!!!
Fry
Sonntag, 15-07-07 14:08
Die Theorie mit der Gummipuppe als Ablenkungsmanöver für Paxton ist eigentlich gar nicht mal so unlogisch. Bei der Obduktion fällt dem Gerichtsmediziner bestimmt ebenso wenig auf, dass er eine mit Blut beschmierte Schaufensterpuppe aufschneidet, wie der alte Sasha nicht bemerken kann, dass der Paxton-Kopf, den er am besten Platz seiner Kopfgallerie wie einen eingefrorenen Han Solo präsentiert, mehr ...
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Also geschockt hat mich der zweite Teil von Hostel nun nicht, aber er war auf jeden Fall viel besser als der Erste. Der war so stinklangweilig. Hostel 1 gehört wohl eher ins Genre Erotik, zumindest der Anfang.... und der Rest ist eh fürn Arsch. Hostel 2 hingegen finde ich eigentlich ganz gelungen.... also die ungeschnittene Fassung auf jeden Fall.... ______________________ Besser als jeder mehr ...