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Frontalknutschen

Die von dem TV-Sender Nickelodeon produzierte Teenager-Komödie Frontalknutschen kann mit einem Schauspielerensemble punkten, dessen Chemie stimmt, und legt zudem die grundlegende Ambivalenz des Genres offen.

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Die überdimensionierte Olive aus Pappmaché findet Georgia (Georgia Groome) irre komisch, schließlich hat sie das Halloween-Kostüm mit viel Liebe zum Detail selbst gebastelt. Die Freude über den gewitzten Party-Gag hält bei der Teenagerin jedoch nicht lange an, „boys don’t like laughs“, wird sie von ihren Freundinnen aufgeklärt. Wie ein Fremdkörper bewegt sich die Vierzehnjährige in ihrer Verkleidung als a-sexuelle Frucht unter ihren gleichaltrigen Geschlechtsgenossinnen, die als Krankenschwester mit kurzem Rock, als Teufelchen oder gar im hautengem Catwoman-Kostüm – inklusive Lederhandschuhen und Peitsche – souverän mit männlichen Wunschfantasien kokettieren. Wenn bei Georgias Freundinnen eine Initiation zumindest in der Garderobeauswahl vollzogen wurde, teilt sie von nun an ein gemeinsames Ziel mit ihnen: Erwachsenwerden, was so viel heißt wie, süßen Jungs nachzustellen, Erfahrungen im Dauerknutschen zu sammeln und eine coole Geburtstagsparty in einem hippen Club zu feiern, ganz im Sinne der MTV-Reality Show „My Super Sweet 16“ (seit 2005).

Mit dem Roman Gidget schuf der österreichischstämmige Drehbuchautor Frederick Kohner 1957 die Blaupause für ein inzwischen allgegenwärtiges Format von Filmen und Fernsehserien, in dem eine Heranwachsende in einem Off-Kommentar oder in einer direkten Zuschaueradressierung von den Problemen berichtet, die das Leben mit „peinlichen“ Familienangehörigen und die Verwirrung um die erwachende Sexualität bereiten. Zu den frühesten Stoffen dieser Kategorie zählen der Gidget-Film mit Sandra Dee (1959) und die gleichnamige TV-Serie mit Sally Field (1965-1966), später hinzu kamen Produktionen wie Clarissa (1991-1994), die Claire-Daines-Serie My So-Called Life (1994-1995) und der Alicia-Silverstone-Film Clueless (1995), der ebenfalls einen TV-Ableger nach sich zog (1996-1999).

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Unterscheiden lassen sich diese Stoffe vor allem am Setting, in dem die zeitlosen Probleme von Pubertierenden, etwa, Liebeskummer oder die Angst vor einer Scheidung der Eltern, verhandelt werden. War es in Kohners Vorlage die Surf-Gemeinde Malibus, in Clueless die Schickeria von Beverly Hills, bildet in Frontalknutschen (Angus, Thongs and Full-Frontal Snogging) die beschauliche Küstenstadt Brighton das geografische und soziale Umfeld der Protagonistin Georgia, die auf eine staatliche Schule mit Uniformpflicht geht und deren Eltern ein nicht allzu aufregendes Mittelstandsleben führen.

Nicht ganz zufällig lässt die Kulisse des bekannten Seebads Erinnerungen an einen ganz anderen Jugendfilm wach werden, Quadrophenia (1979), einen Abgesang auf englische Jugendcliquen im Rock-Milieu der 60er Jahre. Robby (Aaron Johnson), der von Georgia angehimmelte Spross einer Bioladen-Besitzerin, ist nicht nur zwei Klassen über ihr, sondern auch Bassist in einer angesagten Jugendband. So entwirft Frontalknutschen einen Assoziationsraum, der mit dem Anspruch, dem Ur-Konzept Kohners eine Frischzellenkur zu erteilen, an Phänomene der Unterhaltungskultur der letzten Jahre anknüpft. Dazu gehören die neue Welle des Brit-Pops, populäre Reality-Formate und eine verstärkt offenherzig-humoristische Thematisierung von der Sexualität Pubertierender; ein Trend, der sich seit American Pie (1999) in Teenager-Komödien abzeichnet.

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Frontalknutschen stellt das unterschwellige Thema des Kohner-Formats, die Erotik von Teenagern, jedoch deutlicher aus, als es für vergleichbare Stoffe üblich ist. Etwa wenn es darum geht, den eigenen Körper durch einen „Busen-Check“ zu erkunden, Erfahrungen mit Zungenküssen zu sammeln und sich an das Tragen von Tangas zu gewöhnen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Frontalknutschen von Serien wie Disneys Hannah Montana (seit 2006) und Nickelodeons Zoey 101 (seit 2005), beschränken sich diese doch in der Zurschaustellung weiblicher Sexualität auf die Zeichnung süßer und frecher Mädchen-Figuren, was scheinbar eine moralisch unverfänglichere Form der Thematisierung des Sexappeals von Teenager-Charakteren darstellt.

An diesem Darstellungsmodus diverser Teenager-Filme und Serien setzt Frontalknutschen an und legt die Grundproblematik des Genres offen. In der beschriebenen Halloween-Party-Szene, die den Film einleitet, wird mit der provokanten Kostümierung einiger Mitschülerinnen Georgias’ nicht nur die Identität der Figuren über geschlechtliche Merkmale geprägt. Ganz offen verhandelt die Szene in ihrer drastischen Gegenüberstellung der kindlichen Georgia und den scheinbar aus Dessous-Katalogen entsprungenen Kind-Frauen den begehrlichen männlichen Blick, ein Aspekt, der vermutlich einen nicht zu unterschätzenden Anteil an dem Erfolg der genannten Serien Hannah Montana und Zoey 101 ausmacht.

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Doch ist auch Frontalknutschen nicht über jeden Zweifel erhaben. Zwar erfüllt der Film alle Kriterien einer unterhaltsamen Teenager-Komödie, doch ist die Besonderheit des Films, der ausdrückliche Verweis auf die dem Genre innewohnende Ambivalenz, auch mit einer heiklen Gratwanderung verbunden. So kommt zum einen die Szene mit schmachtenden Freundinnen Georgias, die noch sehr kindlich aussehen und bei dem Anblick eines Testosteron-versprühenden halbnackten Mannes mit George-Clooney-Figur dahinschmelzen, bestenfalls als befremdlich daher. Zum anderen ließe sich die beschriebene Thematisierung des begehrenden Blickes auch genau entgegengesetzt verstehen. Demnach wäre das Ausstellen der Sexualität der jungendlichen Mädchen-Figuren bereits Teil einer voyeuristischen Zuschauererwartung, die in der Inszenierung eingelöst wird.

Kritik von David Gaertner

Fotos: © Universal

Veröffentlicht am 20.08.2008



Film-Angaben:

Titel: Frontalknutschen (Angus, Thongs and Perfect Snogging)
USA 2008
Laufzeit: 112 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: Gurinder Chadha
Drehbuch: Gurinder Chadha, Paul Mayeda Berges, Will McRobb, Chris Viscardi
Basierend auf Angus, Thongs and Full-Frontal Snogging (1999) und It’s OK, I’m wearing really big knickers aka On the Bright Side, I’m Now the Girlfriend of a Sex God (2001) von: Louise Rennison
Produktion: Gurinder Chadha, Lynda Obst
Darsteller: Georgia Groome, Alan Davies, Karen Taylor, Aaron Johnson, Eleanor Tomlinson, Manjeeven Grewal, Georgia Henshaw, Steve Jones, Kimberley Nixon
Kamera: Dick Pope
Musik: Joby Talbot
Schnitt: Martin Walsh, Justin Krish

Kinostart: 28.08.2008

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DVD-Angaben:

Titel: Frontalknutschen
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 96 Minuten

Extras: Audiokommentar mit Gurinder und den Ace Gang Girls, Doppelt cool, Angus, Erste Küsse, Arbeit mit Gurinder, Der Angus-Look, Der Nicholson-Haushalt, Videotagebuch von Angus, Galerie

Verleih ab: 26.02.2009
Verkauf ab: 12.03.2009





 




Kommentare

 

Jenny

Samstag, 10-01-09 23:46

ach und was ich ncoh vergessen habe, man sollte ein Mädchen eine Kritik über einen Mädchenfilm schreiben lassen, sonst kommt ein solches öberflächliches Gequatsche heraus.

Jenny

Samstag, 10-01-09 23:44

Ich finde die Kritik ist mit zuvielen fremdwörtern überladen und der schreiber denkt viel zu sehr darüber nach, was die szenen für eine bedeutung haben könnten. Es ist einfach ein lustiger Film, bei dem die Mädchen vom Hauptdarsteller, Aaron Johnson, schwärmen können und lernen, das es nicht wichtig ist was du hast, sondern was du aus dir machst. Es geht um die üblichen Mädchenprobleme, so mehr ...

 

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