En Garde

Ayse Polat erzählt in ihrem ersten Kinofilm die Geschichte einer Freundschaft zwischen der jungen, in sich gekehrten Alice und der Kurdin Berivan, die sich in einem Heim kennen lernen. Mit Hilfe der beeindruckenden Darsteller gelingt ihr dabei ein glaubhaftes Sozialporträt.

En Garde

„Das Tolle am Fechten ist: Der Ablauf ist klar. Man stellt sich gegenüber, ‚En Garde!’ und los. Manchmal gibt man sich dem Spiel hin und verliert sich darin. Dann vergisst man sich. Man vergisst die Zeit und die Angst. Das sind die schönsten Momente.” Alice (Maria Kiatkowsky), die diese Worte spricht, wünscht sich nichts mehr als Vergessen. Langsam trottet sie zu Beginn des Films mit zusammengesackten Schultern ihrer Mutter hinterher. Sie agiert nicht mehr, sondern reagiert nur noch auf ihre Umwelt, ohne Ansprüche an ihr Leben. Die Mutter (Antje Westermann) hat Alice mit 16 auf die Welt gebracht und schiebt sie seit dem von sich weg. Zunächst zur Großmutter, wo Alice aufwächst, und jetzt, nach deren Tod, in ein katholisches Mädchenheim. Alice, die den ganzen Film über immer wieder – meist in sarkastischen Bemerkungen – aus dem Off kommentiert, erklärt dies auf ihre Weise: „Meine Mutter konnte noch nie etwas mit mir anfangen.“ Im Heim trifft sie die lebenslustige Berivan (Pinar Erincin), eine junge Exilkurdin, die hofft, in Deutschland bleiben zu können. Sie wirbelt das Leben der in sich gekehrten Alice durcheinander, bis diese vorsichtig beginnt, sich zu öffnen. Das ist ein langsamer Prozess, in dessen Verlauf sich Alice immer wieder zurückzieht und Berivan vor den Kopf stößt. Als Berivan sich dann in Ilir (Luk Piyes) verliebt, verändert sich die Situation dramatisch.

En Garde

Die Regisseurin Ayse Polat erzählt in ihrem ersten Kinofilm die zunächst simpel wirkende Geschichte einer Freundschaft zweier Mädchen: Zwei unterschiedliche Menschen in einer schwierigen Situation, die sich stützen, um nicht in der rohen Welt des Heims unterzugehen. Die Fragilität ihrer Allianz wird durch ständig aufkommende Missverständnisse und Streits sichtbar. Besondere Brisanz erhält die Freundschaft dadurch, dass Berivans Aufenthalt in Deutschland unsicher ist.

Polat dokumentiert dabei besonders das Innenleben ihrer Hauptfigur. Es ist nicht nur der Off-Kommentar, der dem Zuschauer Alice nahe bringt, es ist auch der Blick der Kamera. Maria Kwiatkowsky, die Schauspielerfahrung an der Berliner Volksbühne gesammelt hat, dominiert den Film mit ihrer Darstellung des sechzehnjährigen Heimkinds. Ihr nimmt man die Verwandlung von der verstockten, in sich gekehrten, passiven Alice zu einer selbstbewussten und selbstverantwortlich Handelnden in jeder Szene ab. Zur Seite steht ihr ein hervorragendes Ensemble. Pinar Erincin als Berivan, die bereits in einigen TV-Serien und -Filmen mitgespielt hat, ist Maria Kwiatkowsky ebenbürtig; sie spielt die emotionalen Schwankungen Berivans glaubhaft und natürlich. Geno Lechner spielt die Heimleiterin, Schwester Clara, nicht nur als eine frustrierte Frau, sondern legt auch die unterdrückte Sinnlichkeit der Figur offen, die glaubt, in Alice eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Ihre Unfähigkeit, den Mädchen Liebe zu vermitteln, ihnen nahe zu sein, bestimmt die Atmosphäre im Heim. Die Teenager, von ihren Eltern verlassen oder missbraucht, missverstehen in ihrer Einsamkeit Sexualität als Nähe. Auch weil Clara beides negiert lernen sie den Unterschied nicht kennen. Diese explosive Mischung steht im Gegensatz zu der kindlich-unschuldigen Freundschaft, die sich zwischen Alice und Berivan aufbaut.

En Garde

Ohne Rücksicht auf Massentauglichkeit und Verdaulichkeit erzählt Ayse Polat, die sich als Autorenfilmerin versteht, ihr erstes Kinowerk. In dessen Welt wird die Maxime „Jeder ist sich selbst am nächsten.“ nicht nur akzeptiert, sondern auch gnadenlos ausgelebt. Schwester Clara bringt es auf den Punkt, wenn sie Alice rät, sich nicht zu sehr mit Berivan anzufreunden. Sie würde nur leiden, wenn diese Deutschland wieder verlassen müsste. Trotzdem wagt diese Alice den Ausbruch aus dem Anti-Wunderland, indem sie Gefühl und Verantwortung zeigt und dadurch eben nicht untergeht. Mit Hilfe der eindrucksvollen Schauspieler ist Ayse Polat ein bewegendes Sozialporträt gelungen, das die Strukturen unserer egoistischen Gesellschaft offen legt und gleichzeitig Hoffnung macht, einen Ausweg daraus zu finden, wenn man dies - wie Alice - möchte.

 

Kommentare


Frank

Die kleine Kwiatkowsky sollte sich für einen anderen Beruf entscheiden. Offenbar steigert sie sich zu sehr in ihre Rollen rein. Ihre pyromanischen Neigungen sollte sie in Zukunft lieber nicht mehr in unschuldigen Kindergaerten austoben.
Gute Besserung, Maria!


Baader

Maria Kwiatkowsky gehört wirklich in psychologisch geschulte Hände. Auch andere spielen schwierige Rollen, ohne dann gleich auszurasten. Wenn sie schon nicht realisiert hat, dass sie mit ihrer Tat einer Menge Leute geschadet hat, so hat sie hoffentlich mittlerweile gemerkt, was sie sich selbst damit alles verbaut hat.


Starbuck

Der Film war wirklich gut, woran Maria Kwiatkowsky großen Anteil hat. Um so bedauerlicher, dass sie den Anforderungen des Schauspielerberufs nicht gewachsen zu sein scheint.


Kareem

Ob sie ihrem Beruf gewachsen ist, kann von uns wohl niemand beurteilen. Viel wichtiger ist doch, dass von einem Spezialisten untersucht wird, ob so etwas noch mal passieren kann. Sonst ist sie ja so etwas wie eine "tickende Zeitbombe".


Arnie

Ich kenne den Film En Garde nicht, sondern nur ihre Rolle in Liebe Amelie. Das war mit einem Wort gesagt einfach glänzend.
Sie spielt zwar auch hier ein Madchen mit schweren psychischen Problemen, aber das war alles ein Jahr bevor sie die Kita angezündet hat. Es wäre also sehr gewagt ihre Brandstiftung mit ihren Filmrollen zu erklären.
Die junge Dame war wohl eher mit der Theaterarbeit überfordert.


Sarah

Wenn man sich so anschaut, was sie nach EN Garde alles gemacht hat, ist es kein Wunder, dass ihr irgendwann alles zu viel war, und durch ihre psychische Krankheit war sie natürlich besonders stark gefährdet.
Ihr Umfeld muss in Zukunft einfach besser auf sie aufpassen.


moi

Wenn irgendjemand Maria Kwiatkowsky persönlich kennt, kann er ja gerne seine Meinung über ihr psychisches Innenleben hier posten. Ansonsten ist das, was hier und in anderen einschlägigen Foren praktiziert wird, nichts als ein mittelalterlicher Pranger. Echt Bild-Niveau.


Nicoel

"Bild-Niveau" war das Verhalten dieser jungen Dame. Einen Kindergarten anzünden, die kleinen um ihr Spielzeug bringen und aus ihrer gewohnten Umgebung reißen und dann keinerlei Reue zeigen...
Sie sieht das ja offenbar heute noch als Selbsterfahrungstrip an und nicht als schweres Verbrechen.
Sie mag recht talentiert sein, aber mehr auch nicht. Wäre Zeit, dass sie selbst das auch endlich einsieht.


Lucas

Ich kenne Maria persönlich! Und ich meine es ist wohl richtig wen man das hier mit Bildniveau vergleicht. Es ist jeden Tag zu sehen wie sich Leute von Medien blenden und manipulieren lassen (nicht nur auf das Thema bezogen)! Den wer sich selbständig richtig Kundig macht, der würde solche Vermutungen erst garnicht anstellen und vor allem nicht über einen Menschen herziehen den er/sie nicht kennt! Maria wird sich Gedanken über ihre Tat gemacht haben und bereuen tut Sie es sicherlich auch. Die Kinder werden auch drüber hinweg kommen (wir Leben ja nicht umsonst in einer Manipulativen Kapitalistischen Gesellschaft)! Maria ist ein Mensch wie Du und Ich. Niemand kann sich das Recht nehmen sich über einen Menschen ein Urteil/Vorurteil zu bilden, welchen er nicht kennt! Bleibt Objektiv und hinterfragt, für euch, was man euch als "Information" offeriert.
Maria hat ihre Strafe bekommen, bekommt Hilfe und wird ihr Leben lang zahlen.... und wer weiß vielleicht, wen Sie es soweit schafft, denkt Sie zurück und baut ein Kindergarten in einem ärmeren Land auf, als Deutsschland es ist (-;
Gruß Lucas


Jeff

Da hätten offenbar wirklich damals schon bei einigen die Alarmglocken läuten müssen nach dem Kindergartenzwischenfall. Traurig zu sehen, dass ein Mensch der damals schon ein wenig aus der Spur auffällig war, nun nicht mehr unter uns weilt. Habe vorhin En Garde gesehen und die Rolle der psychisch labilen Jugendlichen war ihr wirklich wie auf den Leib geschnürt. Das ist ja mal wieder eine Tragödie, die fast so kommen musste...Schade, dass selbst nach so einem Hilfeschrei ein Mensch zugrunde geht und nicht "gerettet" werden kann. Möge sie nun einen besseren Ort vorgefunden haben.






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