Die Ausbildung

Eintopf für Externe vier Euro. Das System stinkt.

Die Ausbildung 01

Jan, der durchweg unsympathische Protagonist, kämpft in Ausbildungsjahr drei um die Übernahme.
Privat reklamiert er gerne Waren eines Einkaufszentrums, rasiert sich die Schamhaare und braust mit seinem Golf über die Landstraße. Bei der Arbeit trägt er blaues Hemd und grauen Cardigan. Das passt zur grauen Bürowelt, und das Filmbild wird auch passend gemacht. Ein trister Grauschleier gibt die Stimmung vor.
Man könnte Die Ausbildung als Konzeptfilm bezeichnen, mit langen, komponierten, statischen Einstellungen. Nur dass der Erkenntnisgewinn innerhalb dieser Einstellungen bei null liegt. Hinter dem vermeintlichen Minimalismus versteckt sich gähnende Leere. Es gibt keine Metaebene, sondern nur direkte Entsprechungen. Es genügt nicht, ausführlich zu zeigen, wie die Mitarbeiter ihre Arbeitskoffer im Regal deponieren, wenig später folgt der Text zum Bild: „Clean-Desk-Policy“. Wenn die Mensakassiererin davon spricht, ihre Stelle werde bald kostengünstig ausgetauscht, sehen wir garantiert kurz darauf den Ersatz – in Form einer ausländischen Arbeitskraft. An solchen Stellen droht der Film dann sogar Instrument derselben Rhetorik zu werden, gegen die er sich vermeintlich wendet. Auch der Umgang mit Behinderung zeugt von diesem Dilemma. Da Die Ausbildung über weite Strecken so aussieht und so funktioniert wie ein ambitioniertes Schülerprojekt, könnte man über solche kruden Momente hinwegsehen, wäre das Projekt nicht irgendwie durch eine WDR-Redaktion gewinkt worden. Da in diesem Fall also eine Fernsehausstrahlung droht, muss man dem amateurhaften Film doch eher mit professionellen Maßstäben begegnen. Und da kann man dann auch über die inszenatorischen Unzulänglichkeiten nicht mehr hinwegsehen. Auf den Punkt bringen sie zwei Discoszenen, die aussehen, als hätte sich in der Geschichte des Kinos noch nie eine Kamera auf die Tanzfläche eines Clubkellers gewagt. Aber selbst, wenn man doch noch einmal eine solche schon bemerkenswerte Naivität voraussetzte – müssten dann nicht ein wenig mehr Erfindergeist und Experimentierfreude im Spiel sein?

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Kommentare


pluap

Ich finde diese Kritik vollkommen unangemessen und überzogen. Was heisst denn "kein Erkenntnisgewinn", muss denn ein Film immer eine vollkommen neue Erkenntnis oder Idee hervorbringen? (dann könnte man die ANzahl guter filme wohl an einer Hand abzählen) kann er nicht auch mit unglaublicher feiner Beobachtungsgabe, durch Herausarbeitung kleinster Nuancen, ein bestimmtes Gefühl vermitteln, ein Porträt liefern von einer Situation, von einem System in dem Menschen gefangen sind. Dieses beklemmende Gefühl des Leistungsdrucks, der kalten unnachgiebigen, scheinfreundlichen Arbeitswelt hat der Film mich enorm eindrücklich fühlen lassen. Gelegentliche komische Momente, wie die kritisierte sarkastische Antwort der Kantnenfrau, werden dabei in genau richtigem Maße eingeflochten und dienen gut einer kleinen Auflockerung der sonst so ernsten Stimmung






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