Eat Pray Love

Elizabeth Gilberts Roman verkaufte sich über sieben Millionen Mal und löste einen kleinen Tourismus-Boom aus. Ryan Murphys Verfilmung ist zwar hochkarätig besetzt, erschöpft sich aber in Plattitüden vom Sinn des Lebens und der Liebe.

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Eine der schlimmsten Auswüchse einer Mainstream-Kinoindustrie, die zunehmend mit der Kategorie der „Zielgruppe“ arbeitet, ist die Einteilung von Werken in sogenannte Männer- und Frauenfilme. Dankbar werden diese entsprechend vermarktet, und die großen Multiplexe veranstalten „Lady’s Nights“ mit kostenlosem Champagner zur Vorstellung. Natürlich kann nicht jedes Filmprojekt die Gesamtheit aller möglichen Zuschauer im Blick behalten, aber Mechanismen dieser Art bedienen sich nicht nur der herrschenden Geschlechterklischees, sie reproduzieren sie auch. Als „richtiger Mann“ hat man sich an Actionfilmen mit fiesen Waffen und schnellen Autos zu erfreuen, als Frau an romantischen Komödien und der neuesten Staffel von Sex and the City.

Eat Pray Love, die Verfilmung des erfolgreichen Bestsellers von Elizabeth Gilbert, ist definitiv ein „Frauenfilm“ und erinnert an die beliebte Fernsehserie, wenngleich ihm ein anderer Ansatz zugrunde liegt. Denn Hauptfigur Liz (Julia Roberts) hat fürs Erste genug von der Männerwelt. Sie sehnt sich nach einem Ausbruch aus dem konventionellen Ehealltag, nach dem Sturz ins „wirkliche Leben.“ Kurzerhand lässt sie sich von ihrem überraschten Ehemann scheiden und beginnt einen einjährigen Selbstfindungstrip, der in Rom mit viel Pizza und Pasta beginnt, dann in einen indischen Ashram führt und schließlich auf Bali endet.

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Natürlich lässt sich von einem Fortschritt sprechen, wenn Hollywood nicht mehr das altmodische Bild der Frau propagiert, die passiv auf die große Liebe wartet, um sich dann den Lebenstraum von Einbauküche und Kindern zu erfüllen. Dann doch lieber eine Weltreise und Selbstfindung, möchte man meinen – aber leider endet der Wunsch nach Abenteuer in einem Egotrip durch die schöne, neue Welt des Erlebnistourismus. Denn Gilbert (und Ryan Murphy, der die Romanhandlung ohne jede persönliche Note abgefilmt hat) geht es nicht darum, die Welt in all ihren Facetten kennenzulernen oder gar neue Erkenntnisse über sie zu gewinnen, sondern um die Lösung der ganz persönlichen Midlife-Crisis. Und so findet Liz auf ihrer Reise den „Gott in sich selbst“. Sie will nicht bloß die Welt sehen, sie will sich auf dem großen Abenteuerspielplatz Erde spirituell bereichern.

Der einführende Voice-over-Monolog, in dem Liz die Geschichte einer befreundeten Psychologin erzählt, soll die fast zynische Harmlosigkeit des Films wohl von vornherein entschuldigen. Die Psychologin war gebeten worden, sich um eine Gruppe von Flüchtlingen aus Krisengebieten zu kümmern. Zuerst eingeschüchtert von ihrer Aufgabe, berichtete sie bald erstaunt, dass deren Probleme sich gar nicht so sehr von den Problemen ihrer sonstigen Patienten unterschieden: Fast immer ging es um Liebe, Betrug und Enttäuschung – um Männer. Auch Liz erkennt im Verlauf ihrer Reise natürlich, dass eine Selbstfindung nicht im Alleingang funktioniert, dass Affären und Beziehungen mitsamt ihrem Schmerz zum Leben gehören. Und so sind wir am Ende doch wieder bei Sex and the City. Der neue Lebensinhalt ist zwar nicht die Ehe, aber doch der Traummann, und als dieser darf Javier Bardem die abschließenden Weisheiten des Romans zum Besten geben.

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Was an Eat Pray Love filmisch irritiert, ist die Ignoranz gegenüber bestimmten Konventionen, deren Hollywood sich sonst so mechanisch bedient. Die Protagonistin „entwickelt“ sich nicht in dem Sinne, dass sie ihr Handeln veränderte, sondern nimmt jede der oft unerträglich banalen Lebensweisheiten, die ihr auf der Reise begegnen, unkritisch in ihren persönlichen Entwicklungskanon auf. Die Plot Points sind keine überraschenden Wendungen in der Handlung, sondern lediglich Ortswechsel, und der Traummann wird erst im letzten Viertel des Films eingeführt. Doch leider ist diese Abkehr von dramaturgischen Regeln nicht Ausdruck inszenatorischer Innovation, sondern biedere Anpassung an einen Roman, der auf ähnliche Weise vor sich hin plätschern dürfte, wie dieser Film es im Laufe seiner Überlänge tut.

Für angenehme Momente sorgen einzig die gut aufgelegten Darsteller: Julia Roberts, wie immer everybody’s darling, kann die Protagonistin zwar nicht gänzlich sympathisch erscheinen lassen, verleiht ihr aber zumindest eine liebenswerte Naivität. Und innerhalb der Männerwelt leidet Billy Crudup auf herzzerreißende Weise unter der Scheidung seiner Frau, während der attraktive James Franco sich als Scheidungstrost für Liz anbietet. Für den Höhepunkt sorgt Richard Jenkins, der mit viel Freude den aus den Trümmern seines Lebens nach Indien geflüchteten Spirituellen mimt.

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Letztlich ist Eat Pray Love kein Feel-Good-Movie, sondern eher ein Feel-Deep-Movie, voller Fragen über den Sinn des Lebens und den wenig überraschenden Antworten. Am meisten dürften davon erneut die Tourismusindustrien der entsprechenden Länder profitieren, die mittlerweile sogar „Eat Pray Love-Touren“ anbieten. Schon nach dem Erfolg des Romans machten es unzählige Frauen Liz gleich und reisten nach Indien und Bali. Die Flucht aus einer Welt des Hypes ist selbst zu einem Hype geworden, die Indienreise zur modischen Methode des Glücksgewinns. Darüber zu reflektieren ist das Letzte, was Ryan Murphy mit diesem Film will. Deshalb sei – wenn man nach 140 Minuten nicht schon genug von Indien hat – als Zugabe Hotel Very Welcome von Sonja Heiss (2007) empfohlen, der die Selbstfindungstrips von Rucksackreisenden mit viel Humor als verlogene Realitätsflucht entlarvt. Den Champagner dazu müsste man sich allerdings schon selbst besorgen.

Trailer zu „Eat Pray Love“


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Kommentare


martin

Die Autorin des Romans heißt Elisabeth Gilbert


Roland Freudenberger

Lieber Till Kadritzke, na schön, wenn Männer Filme als "Frauenfilme" klassifizieren und diese dann in die Nähe von Realitätsflucht und liebenswerter Naivität bringen! Sollte "Mann" da etwa ein Problem haben, sich auf eine ihm fremde Welt einzulassen? Nach allen kritischen Unkenrufen über den Film war ich dann doch überrascht, daß dieser nicht nur schöne Bilder, sondern auch Antworten gab. Doch die wichtigen Antworten gehen vielleicht weniger an unseren (männlichen?) Kopf als an unser (weibliches?) Gefühl. - Da fühl doch mal rein??? - Und das schreibt Dir auch noch ein - - - Mann!


Till Kadritzke

Lieber Roland Freudenberger, aus dem Anfangsabsatz sollte eigentlich hervorgehen, dass mir nichts ferner läge, als einen Film als Frauenfilm zu klassifizieren, weil ich mir diese Kategorie überhaupt nicht zu eigen machen will. Die Anführungszeichen („Frauenfilm“) dienen hier als Hinweis auf einen Begriff, den ich von außen aufgenommen habe und nur benutze, um ihn zu kritisieren.

Weil mir die Sache nicht ganz unwichtig ist, nochmal: Ich rücke den Film tatsächlich in die Nähe von „Realitätsflucht und liebenswerter Naivität.“ Wenn ich dann darüber hinaus den Film als einen „klassifiziere“, der vor allem nach einem weiblichen Publikum schielt und dies mithilfe bestimmter Marketingstrategien wie den „Ladies Nights“ im Kino tut, dann ist das keine Kritik an vermeintlich „realitätsfernen“ und „naiven“ Frauen, sondern daran, dass die Kinoindustrie derartige Filme offenbar für besonders „weiblich“ hält. Kurz: Ich kritisiere nicht „Eat Pray Love“ als Frauenfilm, sondern das Konzept des „Frauenfilms“ am Beispiel von „Eat Pray Love“. Dass die Verantwortlichen vor allem auf das Potential eines weiblichen Publikums gesetzt haben, ist sicherlich eine Unterstellung, aber wohl keine gänzlich unbegründete.

Wenn mensch an den Bildern und Antworten dieses Films Gefallen findet, dann ist das wunderbar, ich und eine ganze Reihe aus der vermuteten Primärzielgruppe haben hier weder fürs Herz noch für den Kopf viel entdeckt – auf eine derart vereinfachte „fremde Welt“ will ich mich tatsächlich nicht einlassen.


Mimi

Was der Schlechtigkeit des Films endgültig die Krone aufsetzt, ist die Synchronisation: furchtbar, wie hier in jedem Land von den Protagonisten mit Akzent gesprochen wir, der doch total künstlich wirkt. Am schlimmsten der Brasilianer am Schluss: er schafft es ja noch nicht einmal, mit seinem Sohn vernünftiges Portugiesisch zu reden, sondern stottert auch nur mit diesem dämlichen Akzent herum. (Ganz abgesehen davon, dass es sich anders anhört, wenn Brasilianer Deutsch sprechen...!).... Also, wie man sich in einen dermaßen doof rüberkommenden Schmalzfuzzi verlieben kann, lässt sich nicht wirklich nachvollziehen... und was soll an dem so anders sein, als an den ersten beiden Typen (außer, dass er auf Bali lebt??)..... also mir tut's leid ums Geld, das ich für den Film ausgegeben habe! Und diese Julia Roberts.... ach, wie die immer "natürlich" über alles lachen kann .....das ist echt ganz großes Kino (grins!!)


fuzzy

ein überaus langweiliger platter film, dazu eine langweilige künstlich wirkende julia roberts - schade um meine zeit


laja

dämliche story und eine grottelschlechte Julia Roberts


Balibali

Einer der schlechtesten und langweiligsten Filme, den ich je gesehen habe


Gerry

Ganz okay während man nebenher seine Wäsche bügelt.


Maradoc

Eigentlich wollte ich den Film im Kino sehen, gut dass ich mir den Weg dorthin gespart hab, war mein Gedanke, als ich ihn heute am PC gesehen habe, Ihr Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf!


Fernandez

Nur weil keine stumpfsinnige oder sinnlose Actionhandlung darin auftaucht, heißt das noch lange nicht, dass der Film nicht unterhaltsam ist. Er ist eine Inspiration für all diejenigen, die auf der Suche nach ihrem Selbst sind. Die Menschen, die diesen Film für schwachsinnig empfinden haben Angst. Angst davor sich ein wenig Zeit für sich zunehmen und in sich zukehren, weil sie wissen wie sinnlos und leer ihr Leben doch in Wirklichkeit ist. Ich find der Film ist ein Augenschmaus. wundervolle Bilder. individuelle interessante Persönlichkeiten. eine Inspiration






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