Blutzbrüdaz – Kritik
Neue deutsche Gangsterfilme (4): Blutzbrüdaz ist ein cooles, kleines Musik-Buddymovie, bei dem alles den Bach runter geht. Alexis Sorbas hat über sein Pech getanzt, auch diese Jungs hier tun ihr Bestes.

Zwei talentierte Jungen, Otis (Sido) und Eddy (B-Tight), spielen gerne selbstironisch die naiven, tölpelhaften Buddys. In ehrwürdiger kreativer Folk-Tradition (karibischer Calypso, bayerisches Gstanzl) machen sie ein witziges Spiel aus dem widrigen Alltag und improvisieren spontan musikalische, tabubrechende Spottgedichte, mit kunstvoll extraplatten Übertreibungen und leicht stolpernder, ruhrgebietsartiger Artikulation. Einer übertrumpft den anderen im spaßigen Frech- und Dreistsein, Sich-was-Trauen, Fiese-Wörter-Sagen, Verwegene-Behauptungen-aus-der-Luft-Greifen. Jede irgendwo aufgeschnappte Floskel oder dumme Idee ist Inspiration. Man kann aus allem etwas machen.
Deine Mama ist so fett, wenn die rückwärts läuft, dann piept‘s

Blutzbrüdaz von Özgür Yıldırım (2011) kennt sich aus mit gelebten Klischees. Es ist die alte Geschichte des Aufstiegs von der Straße in die Höhen der Musikindustrie – und ihre (selbst)ironische Parodie: Zuerst die glorreich freudige Zeit des schmutzig-holprigen Anfangs. Dann setzt die Karrieredynamik ein, beschleunigt sich und droht, einem zu nehmen, was einen ausmacht. Das Underground-Image wird zur Marke und Verpflichtung. Das neue Mainstream-Management hat eine Fülle unpassender Ideen („Mach mal was auf Englisch“, sagt der A&R). Die eigenen Plakatierer schlagen sich auf der Straße mit den Plakatierern der Konkurrenz. Ja, diese umfassend und ungewollt mit Otis und Eddy davonlaufende Entwicklung ist ein Musikbiopic-Genrestandard. Doch man ist baff, wenn man merkt: Das gibt es so und fast noch schlimmer auch im eigenen Leben, mit all der unverschämten, der Wirklichkeit innewohnenden Selbstverständlichkeit. Es liegt ein Schmerz in dieser kleinen, funkelnden, dreckigen Komödie. Sie nimmt alles sehr persönlich. Und ist dabei knapp, dicht, gut in Form. Kann man nicht meckern.
Er: „Zu deinem Geburtstag kriegst du von mir ein Ticket zu den kanadischen Inseln“. Sie: „KaNARischen“. Er: „Oder so. Kannst du mir ein bisschen Geld leihen?“
Hier geht's zum Intro von Silvias Reihe zum Neuen deutschen Gangsterfilm.
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