Die Schwester der Königin
Wenn Frauen keine Thronfolger gebären ... Eine Geschichte über Schwesternliebe.
Von Heirat aus Liebe ist in diesem Hollywoodfilm über das dunkle Tudor-Zeitalter immer mal wieder die Rede. Das Liebeskonzept ist aus der Moderne geborgt und in eine Epoche versetzt, die uns hier auch per Sprache, Körperhaltung und Denken sehr vertraut erscheint.
Macht, Politik, Intrigen am Hof, von dem es heißt: „The place changes people.“ Dessen Herrscher ist Henry VIII (Eric Bana), ein stattlicher und hedonistischer Monarch. Der machtbewusste Duke of Norfolk (David Morrissey) weiß dieses Temperament für sich zu nutzen. Seine Nichte Anne Boleyn (Natalie Portman) soll sich dem König als Mätresse andienen, um der gesamten Familie eine bessere Stellung zu verschaffen. Das selbstbewusste junge Mädchen macht von Beginn an keinen Hehl daraus, dass ihr die Rolle der Hure so gar nicht passt. Mit ihrem Hochmut vermasselt sie denn auch das erste Treffen. Henry erleidet einen Reitunfall, und ausgerechnet Annes Schwester Mary (Scarlett Johansson) pflegt ihn so demütig und aufopferungsvoll, dass er sie in unverhohlener Absicht an den Hof kommen lässt. Die Familie darf mit, und wieder ist es Anne, die negativ auffällt – durch die heimliche Eheschließung mit einem anderweitig verlobten Mann. Nachdem sie aus ihrer Verbannung zurückkehrt, beherrscht sie das Ränkespiel wie keine Zweite. Und tritt in direkte Konkurrenz mit ihrer Schwester.
Justin Chadwicks Verfilmung nimmt wie der Roman von Philippa Gregory vor allem das Verhältnis der beiden Boleyn-Töchter unter die Lupe. Die Geschichte ist viel weniger als unheilvolle ménage à trois – dafür ist Mary von Anfang bis Ende zu offenkundig unschuldig – denn als Frauendrama angelegt. Anders als in klassischen Historienstoffen spielt Henry hier nur eine untergeordnete Rolle, seine Politik ohnehin, für ansonsten obligatorische Kriegsbilder ist kein Platz.
Dieser Studiofilm, der auf ein großes junges Publikum schielt, prunkt also nicht mit Massenszenen oder Kostümen. Seine Ausstattung ist das Schauspielensemble. Ein Mann ohne die Präsenz von Eric Bana (München, Munich, 2005, Glück im Spiel, Lucky You, 2007) hätte in der männlichen Rolle durchaus untergehen können. An seiner Seite agieren schließlich die beiden weiblichen Sensationen ihrer Generation. Im Schatten einer furios agierenden Natalie Portman (Garden State, 2004; Hautnah, Closer, 2004; V wie Vendetta, V for Vendetta, 2005, My Blueberry Nights, 2007) verblasst der Star Scarlett Johansson (Die Insel, The Island, 2005; Match Point, 2005; Prestige, 2006; Black Dahlia, 2006) allerdings beinahe bis zur Unkenntlichkeit.
Der Film spielt bewusst mit seinem eigenen Titel, ist doch eigentlich Mary das historisch unbekanntere, andere Boleyn-Mädchen. Aber schon zu Beginn ist es Anne, die von sich als „the other Boleyn girl“ spricht. Und ihr Schicksal ist es, das vor allem gegen Ende fesselt. Es ist ihr Wissen darum, dass Liebe „nothing without power and position“ ist, das den tragischen Weg ebnet. Von einer klugen und leidenschaftlichen jungen Frau zu einer kühl kalkulierenden und gehetzten Ränkespielerin, immer unter dem Druck, einen männlichen Thronerben zu gebären.
Dabei verlassen sie irgendwann Würde und Geschick, ganz im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Katharina. Unter vielen hervorragend besetzten Nebendarstellern ragt Ana Torrent, das kleine Mädchen aus Carlos Sauras verstörendem Züchte Raben (Cria cuervos, 1976) und die junge Frau aus Alejandro Amenábars kaum minder provokantem Erstlingswerk Tesis (1996), als spanische Königin von Format heraus. In ihrem Antlitz wird das spätere Unglück Anne Boylens schon früh absehbar. Eine Tragik, die Justin Chadwicks in sonnigen Wiesenbildern schwelgender Film auch mit überbordender Landromantik nicht ersticken kann.
Kritik von Sascha Keilholz
Fotos: © UPI
Veröffentlicht am 03.03.2008
Film-Angaben:
Titel: Die Schwester der Königin (The Other Boleyn Girl)
USA 2007
Laufzeit: 114 Minuten
Regie: Justin Chadwick
Drehbuch: Peter Morgan
Produktion: Alison Owen
Darsteller: Natalie Portman, Scarlett Johansson, Eric Bana, David Morrissey, Kristin Scott Thomas, Ana Torrent
Kinostart: 06.03.2008
DVD-Angaben:
Titel: Die Schwester der Königin
Vertrieb: Universal Pictures
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Spanisch (DD 5.1), Italienisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Spanisch, Englisch für Hörgeschädigte, Niederländisch, Italienisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 110 Minuten
Extras: keine
Verleih ab: 10.07.2008
Verkauf ab: 10.07.2008
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Die Schwester der Königin (The Other Boleyn Girl) Ich habe den Film so eben gesehen und der Kinobesuch hat sich wirklich mehr als gelohnt. Was für ein beeindruckendes Historiendrama, die Darsteller sind wirklich klasse, besonders Natalie Portman konnte wieder mal beweisen das sie nicht nur eine verdammt hübsche sondern auch eine sehr talentierte Schauspielerin ist, sie hat mich von dem gesamten mehr ...