Zuhause ist der Zauber los

Eddie Murphy agiert in seiner neuen Komödie als Aktienhändler mit einem Work-Life-Balance-Problem zunächst sehr professionell, aber dann krakeelt er doch herum. Schuld ist auch das im Übrigen von Schmalz verstopfte Drehbuch.

Zuhause ist der Zauber los

Ein Märchen aus einer anderen Zeit und Wirtschaftsordnung ist dieses Zuhause ist der Zauber los (Imagine That), von damals, als Männer noch in Büros Börsenkurse beobachten und ihren Kunden Investitionsratschläge geben konnten, ohne den Sinn und den Wert ihrer Tätigkeit für auch nur einen Moment hinterfragen zu müssen.

Evan Danielson (Eddie Murphy) ist so, talentiert und ganz mit seinem Job verwachsen; er steht kurz vor dem nächsten und entscheidenden Sprung in seiner Karriere und hat natürlich viel zu wenig Zeit für seine kleine Tochter Olivia (Yara Shahidi) – warum deren Mutter (Nicole Ari Parker) sich von dem Workaholic getrennt hat, wird schnell klar. In seiner Firma ist ihm mit dem frisch eingestellten Johnny Whitefeather (Thomas Haden Church) unerwartete Konkurrenz erwachsen. Dessen mit pseudo-indianischen Weisheiten angereicherten Investitionsempfehlungen kann Evan allerdings nichts entgegensetzen, bis auf einmal Olivia von ihren imaginären Freundinnen Ratschläge bekommt, welche Firmen zukünftig erfolgreich sein werden und welche nicht. Wenn es ein wenig solcher Magie bedarf, um dem Mann den Weg zu seiner Tochter zu zeigen, dann muss das wohl so sein.

Zuhause ist der Zauber los

Am Ende des Films weiß man vor lauter Auswahl gar nicht so recht, weshalb man Zuhause ist der Zauber los nun besonders schlecht findet. Wegen der allzu stereotypen Anfangskonstellation, die auf dem Umweg über eine meist eher peinliche Komödie auf ein völlig vorhersehbares Ende zielstrebig zusteuert? Oder wegen des von Grimassen geprägten Overactings von Murphy, dem man den professionellen Börsenhändler auch nur so lange abnimmt, bis er die von seiner Tochter übermittelten Hinweise wortwörtlich in Kindersprache an seine Kunden weitergibt? Wegen der also allfällig herausbrechenden Schwächen des Drehbuchs von Ed Solomon und Chris Matheson, die schon so Hochkarätiges wie Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit (Bill & Ted’s Excellent Adventure, 1988) zusammen verfasst haben? Oder doch eher noch wegen des unmöglichen deutschen Verleihtitels, orthographische Schwächen inklusive?

Es gäbe sicher sehr komische Arten und Weisen, einen Film über das Problem der Work-Life-Balance zu machen, auch und gerade in der Auseinandersetzung mit einer kapitalistischen Arbeitswelt und -ethik, die die totale Vereinnahmung des Individuums in den Arbeitsprozess fordert. Regisseur Karey Kirkpatrick findet aber keinen Weg, das Thema mit jener Komplexität aufzuladen, ohne die es nur zum schmalzigen Rührstück werden kann.

Zuhause ist der Zauber los

Zuhause ist der Zauber los wird so zu einem filmischen Äquivalent für ein übertrieben großes Stück Sahnetorte, süß und fett und cremig; bei jedem einzelnen Bissen schämt man sich ein bisschen mehr für den Bäcker, ob dieser Nährwerte und des allzu einseitigen süß-fetten Geschmacks. Fürs Finale wird dann, nachdem man noch reichlich Gelegenheit zum Fremdschämen bekommen hat, alles mit dickem Zuckerguss überlagert, damit die Verlogenheit des bruchfrei harmonischen Endes nicht so durchschmeckt.

Trailer zu „Zuhause ist der Zauber los“


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