Leg dich nicht mit Zohan an

Mit dem jüdischen Anti-Terror-Soldaten Zohan verkörpert Adam Sandler eine eigenwillige Version des amerikanischen Traums: Am Anfang war die Tötungsmaschine, am Ende der Friseur.

Leg dich nicht mit Zohan an

Schon bei ihrer letzten Zusammenarbeit zu Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme (I Now Pronounce You Chuck & Larry, 2007) hatten sich Regisseur Dennis Dugan und Komiker Adam Sandler eines politisch sensiblen Themas angenommen, um es zu einer deftigen Komödie zu verarbeiten. Während bei Chuck und Larry die Homo-Ehe im Zentrum stand, wird bei Leg dich nicht mit Zohan an nun der Nahostkonflikt zum Ausgangs- und Fluchtpunkt der Handlung. Mit dem Ausbruch des israelischen Anti-Terror-Soldaten Zohan (gespielt von Adam Sandler, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat) aus seinem bisherigen Leben wird aber vor allem eine uramerikanische Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines Mannes, der gegen alle äußeren Widrigkeiten aufbegehrt, seine Heimat verlässt, um in den USA seiner wahren Berufung zu folgen. Doch strebt Sandlers Zohan eine eher ungewöhnliche Verwirklichung des amerikanischen Traums an.

Leg dich nicht mit Zohan an

Denn Zohan Dvir will nicht nach ganz oben, er ist es schon. Der Elitekämpfer des israelischen Mossad, von Landsmännern wie -frauen gleichermaßen als Legende verehrt und gefeiert, ist mit geradezu übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet. Ob die freihändige Liegestütze, das Tauziehen gegen einen Bullen oder der unbewaffnete Kampf gegen schießwütige palästinensische Terroristen: Es gibt nichts, was dem Zohan unmöglich ist. Am Abend vor einem Einsatz präpariert er in John-Rambo-Manier seine Waffen mit routinierten Handgriffen für den anstehenden Kampf. Doch dass ihn dieses Leben als Krieger fürs Vaterland nicht restlos ausfüllt, ahnt man, wenn er kurz darauf verstohlen einen Fotokatalog namens „New York“ unter dem Tisch hervorzieht und die Konturen der darin abgebildeten 80er-Frisuren sentimental mit der Schere nachvollzieht. Gleich am nächsten Tag wird Zohan mit seinem bisherigen Leben brechen, um seiner inneren Berufung zu folgen: Er inszeniert seinen Tod, um sich in New York als Hairstylist Scrappy Coco zu versuchen.

Leg dich nicht mit Zohan an

Ein prototypisches und zugleich martialisches Modell des amerikanischen Traums hatte Sylvester Stallone in seinen Rambo- und Rocky-Filmen (1982-2008; 1976-2006) geprägt – und damit den Mythos vom wackeren Einzelkämpfer und gesellschaftlichen Renegaten, der mit eiserner Disziplin, Zähigkeit und Willenskraft alles schaffen kann. Neben so manchem teils sehr gelungenen Seitenhieb auf Großproduktionen wie Spielbergs München (Munich, 2005) oder Sam Raimis Spider-Man-Reihe (2002-2007) tauchen so auch einige der emblematischen Momente aus den Stallone-Reihen in Leg dich nicht mit Zohan an wieder auf. Trainingssequenzen, Boxübungen an Rinderhälften, Proteindrink aus rohen Eiern – für all das findet der Film eigenwillige Entsprechungen.

Leg dich nicht mit Zohan an

Der Film überschreitet en passant alle Grenzen der Political Correctness und des guten Geschmacks, während sein Hauptdarsteller Sandler keine Selbsterniedrigung scheut, um an Lacher zu kommen. Das reicht von der exzessiven Überspitzung von Rollenklischees, etwa in der prominenten Bedeutung, die dem Kichererbsenbrei Hummos in der Ernährung des Juden Zohan zukommt, über das Reiben von Geschlechtsteilen an allem, was dem Protagonisten sympathisch ist, bis hin zu jeder erdenklichen Form der Zweckentfremdung von Haus- und Nutztieren. Das alles lässt gerade in Verbindung mit dem gebrochenen Englisch von Sandlers Figur, manchmal stark an Sacha Baron Cohens Borat (Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan, 2006) denken.

Leg dich nicht mit Zohan an

Deshalb hat Leg dich nicht mit Zohan an seine besten Momente auch eher dort, wo deutlich wird, dass der Film sich selbst genauso wenig ernst nimmt wie die aufgegriffenen Sujets. Dass etwa der Plot nur als Behelfsgerüst dient, um die einzelnen Lacher und sketchartigen Szenen zusammen zu halten, wird vom hanebüchenen und schrillen Ende geradezu demonstrativ in den Fokus gerückt. Dort wird sich der Zohan nach einem Kampf mit seinem Kontrahenten, dem Terroristen Phantom (John Turturro), und in einer Quasi-Neuauflage der West Side Story (1961) fragen müssen, wer sein wahrer Feind ist. Auch in der Form, wie der Nahostkonflikt immer wieder als Nährboden für Gags herangezogen wird, macht der Film deutlich, dass er nicht darauf abzielt, ein politisches Statement zu liefern.

Wenn die hitzigste politische Diskussion zwischen den Ethnien die Kurven amerikanischer Politikergattinnen zum Gegenstand hat, geschieht das mit jener Beiläufigkeit und zur Schau getragenen Selbstironie, die moralisierenden Unkenrufen den Wind aus den Segeln nimmt. 

Trailer zu „Leg dich nicht mit Zohan an“


Trailer ansehen (1)

Kommentare


mud

Nicht der beste Film mit Adam Sandler als Hauptdarsteller, trotzdem sehenswert.
Ich empfehle, sofern möglich, den Film auf Englisch anzusehen, die deutsche Synchronisation ist (wie meiner Meinung nach in 90% der Filmen) nicht besonders gelungen, wodurch die witzigen Passagen des Films nicht wirklich gut ankommen.


Stephon

Wenn solche Filme halber Preis wären, wärs ok: Die Hälfte der Witze hat mit Zohans sexuellem Trieb zu tun, ein Viertel ist gar nicht mat soo schlecht, der andere Viertel is sinnlos blöd. Hiebe auf den Nahostkonflikt gibt es, aber sie sind so flach, dass es eigentlich auch egal ist. Sandler macht keinen schlechten Job als Zohan, aber da is Cohen als Borat weit besser, sowie Borat als Film sowieso, der ist wenigstens witzig und somit die gute Alternative zu diesem schwachem Film.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.