In den Schuhen meiner Schwester
Zwei Schwestern versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen und erhalten dabei Unterstützung von ihrer Großmutter. Cameron Diaz spielt die Hauptrolle in einem Film, der zwar als Komödie beginnt, jedoch melodramatisch endet.

Seit L.A. Confidental (1997), seinem mit zwei Oscars ausgezeichneten späten Durchbruchswerk, einem eleganten Thriller im Film-Noir Stil, gilt Curtis Hanson als einer der talentiertesten Regisseure Hollywoods, dem es zu gelingen scheint, in seinen besten Arbeiten Anspruch und Unterhaltung zu vereinen. Mit 8 Mile (2002), dem weltweit erfolgreichen Rap-Drama um Eminem, bewies er zuletzt sein Mainstreampotential. Sein neues Werk, an dessen Produktion unter anderem die Brüder Ridley und Tony Scott beteiligt waren, ist ein Starvehikel für Cameron Diaz.
In den Schuhen meiner Schwester beginnt mit einem doppelten Geschlechtsakt. Für Maggie (Cameron Diaz), die sich während eines Klassentreffens auf der Toilette mit einer alten Bekanntschaft vergnügt, ist spontaner Sex nichts Außergewöhnliches. Rose (Toni Collette) dagegen benötigt einen Fotobeweis, um ihre Freundinnen davon überzeugen zu können, dass es ihr wirklich gelungen ist, ihren Chef Jim (Richard Burgi) ins Bett zu bekommen.

Von Anfang an konstruiert Curtis Hanson eine recht platte Opposition zweier äußerst ungleicher junger Frauen. Maggie ist das schwarze Schaf der Familie, springt von einem Gelegenheitsjob zum nächsten und wechselt die Männer noch deutlich schneller. Ihre Schwester wiederum hat aufgrund ihrer Arbeit faktisch kein Privatleben und droht als alte Jungfer zu enden. Auch die Liebschaft mit dem Boss endet in einer Katastrophe. Als sie diesen mit ihrer Schwester im Bett überrascht, kommt es zum Bruch der Geschwister, die im folgenden gezwungen sind, ihr Leben grundlegend neu zu ordnen.
Der erste Abschnitt der Geschichte ist zwar alles andere als originell, wird aber von einer soliden Inszenierung und guten schauspielerischen Leistungen getragen. Im Anschluss jedoch wechselt In den Schuhen meiner Schwester die Tonlage und funktioniert immer weniger. Der Schwerpunkt der Handlung verlagert sich von Philadelphia nach Miami, wo Maggie ihre Großmutter Ella (Shirley MacLaine) kennenlernt. Diese hatte die Familie einst im Stich gelassen, da sie sich für den Tod ihrer eigenen Tochter verantwortlich fühlte und übernimmt nun die Aufgabe, die Geschwister wieder auf die richtige Bahn zu führen.

Aus der urbanen Yuppie-Komödie im Sex and the City-Stil wird so ein Familienmelodram der alten Schule. In klassischer Manier werden die Leiden von Frauen verhandelt, denen es nie gelungen ist, ihre Rolle als Mütter auch nur ansatzweise zu transzendieren. Und die nächste Generation gibt alle alternativen Lebensentwürfe auf und übernimmt die alten Rollenbilder. Rose ist am Ende im sicheren Hafen der Ehe angekommen, ihre Schwester wird ihr wohl bald folgen.
Cameron Diaz gehört seit den späten 90er Jahren, vor allem aufgrund ihrer Komödienrollen zu den erfolgreichsten amerikanischen Schauspielerinnen, doch nach dem hoffnungslos überdrehten 3 Engel für Charlie – Volle Power (Charlies Angels: Full Throttle, 2003) machte sie sich zwei Jahre lang rar. Sie scheint in dieser Zeit vor allem an einem Imagewechsel gearbeitet zu haben. Als oft etwas naive aber nie unterwürfige Blondine aus Verrückt nach Mary (There’s something about Mary, 1998) war sie den Männern immer ein paar Schritte voraus, schien perfekt zum postfeministischen Frauenbild der MTV-Generation zu passen. In Curtis Hansons Film ist diese Figur einem klassischeren Rollentypus gewichen, der von weitem an den der Charakterdarstellerinnen des klassischen Hollywoodkinos wie Bette Davis oder Barbara Stanwyck erinnern mag, in der heutigen Zeit aber hoffnungslos antiquiert wirkt.
In den Schuhen meiner Schwester ist letztlich nicht mehr als ein wertkonservativer Frauenfilm, der ein gut aufgelegtes Ensemble ausschliesslich dazu einsetzt, seinen Protagonistinnen, denen anfangs ein Leben auf eigenen Füßen, unabhängig von den Zwängen der bürgerlichen Familie, zumindest im Bereich des Möglichen erschien, wieder die Aufgaben als Mütter und Ehefrauen zuzuweisen. Damit spricht der Film möglicherweise einem großen Teil des Publikums aus dem Herzen, die gesellschaftliche Entwicklung geht aber in eine andere Richtung.
Filmkritik von Lukas Foerster
Veröffentlicht am 09.11.2005
Kommentare zu In den Schuhen meiner Schwester
a. jacke 16.11.2005 17:30
Ich fand diesen Film irgendwie unnötig. Die uralte Differenz zwischen der sinnlichen und der emotionalen Frau- durchzieht auch den neuen Woody Allen (Matchpoint), der darum auch nicht so doll ist...
Zuviel Schema - zuwenig Handschrift..
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu In den Schuhen meiner Schwester. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: In den Schuhen meiner Schwester
Originaltitel: In Her Shoes
USA 2005
Laufzeit: 130 Minuten
Regie: Curtis Hanson
Drehbuch: Susannah Grant
Produktion: Lisa Ellzey, Carol Fenelon, Curtis Hanson, Ridley Scott
Darsteller: Cameron Diaz, Toni Collette, Candice Azzara, Richard Burgi
Kinostart: 10.11.2005
DVD-Angaben
Titel: In den Schuhen meiner Schwester
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Spieldauer: 125 Minuten
Extras: Featurettes „A people in the shoes“; „Rücktritt der Gesellschaft der amtierenden Senioren“; „The Best of Everything“; Vom Todestrakt zum roten Teppich – das Casting von Honeybun; Einblicke – „Just my luck“
Verleih ab: 04.05.2006
Verkauf ab: 11.05.2006
Copyright In den Schuhen meiner Schwester
Fotos: © Twentieth Century Fox
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Berlinale: Kritiken
Revision
R: Philip Scheffner
Caesar Must Die
R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Death for Sale
R: Faouzi Bensaïdi
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Beauty
R: Oliver Hermanus
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
Cincinnati Kid
So 12.02, 20:15 Uhr, arte
Neandertal
So 12.02, 20:15 Uhr, kultur (ZDF digital)
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
Im Schatten
Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
Hotel Ruanda
Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR










1 Kommentar