I Phone You

Auf der Suche nach der App zum Glück: Eine deutsch-chinesische Koproduktion verhandelt die „Liebe in den Zeiten des World Wide Web“.

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Der in Berlin lebende Geschäftsmann Yu (Wu Da Wei) hat seine neue Flamme Ling (Jiang Yiyan) nach einer Liebesnacht in Chongqing mit einem iPhone zurückgelassen, über das er aus dem fernen Deutschland heiße Flirt-Videos sendet – und Ling vorschlägt, ihn in Berlin zu besuchen. Doch als Ling diesen Vorschlag tatsächlich in die Tat umsetzt, ist es vorbei mit der Romantik. Kaum fällt die vermittelnde Technologie weg, ist Yu plötzlich schwer beschäftigt, zeigt nur noch wenig Interesse für Ling und beauftragt seinen Bodyguard Marco (Florian Lukas) mit der Aufgabe, sich um die Besucherin zu kümmern und ihr freundlich, aber bestimmt klarzumachen, dass ein Rückflug nach China das Beste für alle Beteiligten ist. Doch natürlich gibt Ling so schnell nicht auf. Sie entflieht ihrem Bewacher und macht sich selbst auf die Suche nach der Berliner Straße 73, die in einer Metropole allerdings nicht nur einmal vorkommt.

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Niemand Geringeres als der erst kürzlich erst mit einem Ehrenbären ausgezeichnete Wolfgang Kohlhaase (Sommer vorm Balkon, 2005) hat das Drehbuch für diese Globalisierungskomödie geschrieben – und sein Gespür für Situationskomik und Sprachwitz findet sich im fertigen Film durchaus wieder. Während gängige Berlin-Klischees mit Freude ausgekostet werden, umkurvt Kohlhaase weitestgehend erzähltechnische Stereotype des Genres und überlässt das Feld der sympathischen Protagonistin, die auf der Suche nach Yu durch das fremde Berlin streift und die Annäherungsversuche des Urberliners Marco abwehren muss. Dem gut geschriebenen Script kann die Inszenierung durch die Chinesin Dan Tang allerdings nicht viel hinzufügen. Sie verlässt sich ganz auf bekannte Berlin-Bilder und passt sich mit einer bunten Ästhetik und Untertiteln in knalligen Chat-Farben dem Aufhänger des Films an.

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Doch das Motiv des Web 2.0, das hier vor allem angepriesen wird, scheint die Filmemacher gar nicht so sehr zu interessieren. Ling demonstriert die vielfältigen Funktionen des iPhones, wenn sie von China aus Yus Berliner Adresse sucht oder die Kommunikation mit Marco mithilfe eines Übersetzerprogramms verbessert. Doch die eigentlich in der Logik der Handlung angelegte Botschaft – dass auch die beste Technik der Liebe nicht viel weiterhilft – geht letztlich unter, weil I Phone You dann doch auf die amüsanten, aber bekannten Culture-Clash-Variationen zurückgreift und das anfängliche Interesse an der Vermittlung der Liebe durch die Technik schnell aufgibt. Das iPhone ist hier nicht kulturelles Phänomen, sondern nur Gimmick, das diesem äußerst harmlosen Film seinen Namen gibt.

Trailer zu „I Phone You“


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