Black Sheep

Jonathan King lässt hungrige Schafe auf die Menschenminderheit von Neuseeland los und bastelt aus dieser einfachen Konstellation eine unterhaltsame Splatterkomödie, die ihre Klischees selbstbewusst ausstellt.

Black Sheep

Doch, es musste irgendwann so weit kommen: Schafe mit unstillbarem Hunger auf Menschenfleisch. Das Subgenre des Tierhorrors zieht ja seinen besonderen Schrecken daraus, dass die für selbstverständlich gehaltene Ordnung der Nahrungskette umsortiert, der Mensch vom Raubtier zum Opfer wird. Das gilt sowohl dann, wenn es um typische Raubtiere mit meist großen Zähnen geht wie etwa den weißen Hai im gleichnamigen Film (Jaws, 1975) (und seinen Nachfolgern und Nachahmern), als auch für zunächst nicht so schrecklich wirkende Geschöpfe, die meist in großer Stückzahl auftreten – das Spektrum reicht auch qualitativ von Hitchcocks Die Vögel (The Birds, 1963) über Spinnenhorror wie Arachnophobia (1990) bis zu absurden Varianten à la Frogs – Die Frösche (Frogs, 1972) und Schnecken (Slugs, 1988).

Black Sheep

Nun vollzieht der neuseeländische Regisseur Jonathan King in seinem Erstling Black Sheep den Schritt zu den titelgebenden Schafen, die aufgrund gentechnischer Versuche zu menschenfressenden Monstern mutieren. Der Film, der hierzulande zunächst als Eröffnungsfilm des Fantasy-Filmfests 2007 zu sehen war, schöpft sein komisches Potenzial voll aus. Zu einem fröhlichen „Mäh!“ fliegt da schon einmal ein putziges Wollknäuel mit Beinen durch die Gegend, allerdings nicht ohne den im Weg stehenden Gentechniker umzuwerfen und zu verspeisen.

Zuweilen wird einem schon von der puren Zahl der Tiere Angst und Bange, und natürlich ist dieses Bedrohungsgefühl durchaus ein Spiel mit dem Image von Kings Heimatland, in dem Gerüchten zufolge zwanzig, laut offiziellen Statistiken zehn Schafe auf jeden Bürger kommen. Mittendrin zwischen den Nutztieren stehen in Black Sheep anfangs vor allem Henry Oldfield (Nathan Meister), der eigentlich nur kurz auf die elterliche Ranch zurückkehren will, und die Tierschützerin Experience (Danielle Mason).

Black Sheep

Wie sich das für eine Horrorkomödie dieses Typs gehört, wird der Film zunehmend absurder und zugleich brutaler; Henry und Experience laufen vor allem hektisch von einem Versteck ins Nächste, während um sie herum Blut und Gedärme spritzen, so hoch und weit es irgend geht. Schließlich soll der Film wenigstens ein bisschen mit der Nationalikone Peter Jackson und dessen Splatterfesten wie Braindead (1992) mithalten. Dass die Spezialeffekte von Jacksons Firma WETA Workshop stammen, hat dem Film sicher nicht geschadet.

King spielt zugleich mit den Klischees des Subgenres: Natürlich hat Henry eine panische Phobie vor Schafen, natürlich wird seine Angst bestätigt, und natürlich wird er sie überwinden müssen. Da man das von Anfang an weiß, kann der Spaß ja losgehen, und man hat auch Augen dafür, dass der Film einen feinen Kommentar auf das Bild Neuseelands im Mainstreamkino enthält, wie es seit Jacksons Herr-der-Ringe-Trilogie (2001-2003) gepflegt wird. Auch Black Sheep zelebriert diese stereotypen Einstellungen mit weiten grünen Hügeln, nur dass im nächsten Moment eine Horde blökender und sehr hungriger Schafe über die idyllische Kuppe strömt.

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