VoD: Ein zügelloser Mann, wie im Terrarium ausgestellt. Oskar Roehler macht die Klischees über sein Enfant Terrible zum ausschließlichen Inhalt einer grellen Farce und versteht Rainer Werner Fassbinder vor allem über seine hervorquellende Wampe. Filmkritik
VoD: Weinstein in Taiwan. In seiner bislang ambitioniertesten Regiearbeit zeichnet Midi Z ein desillusionierendes Bild vom Filmbusiness. Nina Wus Weg vom Webcam-Girl zum Filmstar ist nur auf den ersten Blick ein sozialer Aufstieg. Filmkritik
Es gibt keinen gesunden Abstand. In Kopfplatzen versucht ein Pädophiler den qualvollen Konfrontationen des Alltags auszuweichen. Filmkritik
Siffiges Paradies und glänzender Sündenpfuhl: Statt Zwischentönen gibt es in Frankfurt Kaiserstraße (1981) grobe Kontraste. Dabei bewahrt sich Roger Fritz' letzter Kinofilm die Blauäugigkeit, die seine Figuren ins Verderben rennen lässt. Filmkritik
Neu auf VoD: Lehrer Ripploh sucht nach einem gangbaren Leben zwischen Schule und Klappe. Taxi zum Klo, Schlüsselfilm fürs Queer Cinema, Konfrontation fürs Heteropublikum und vielleicht das erste Meisterwerk des deutschen Kinos der 1980er Jahre. Filmkritik
VoD: Im Lärm der Großstadt nähern sich die Bewegungen zweier Männer, nicht zielgerichtet, aber unablässig. In Tsai Ming-Liangs Days könnte man die Schnitte problemlos mitzählen, wäre man nicht von seiner kaum wahrnehmbaren Strömung gefangen. Filmkritik
Wer fickt hier wen? Die traurigen Mädchen aus den Bergen ist eine Mockumentary, die der Frage nachgeht, ab wann Porno selbstermächtigend ist. Filmkritik
Nach ihrer Coming-of-Age-Trilogie hat die französische Regisseurin und Drehbuchautorin Céline Sciamma mit Porträt einer jungen Frau in Flammen nun einen großen Historienfilm gedreht. Auf dem Filmfest Hamburg haben wir mit ihr gesprochen. Über das Schreiben, die Malerei und die Heldinnen unserer Zeit. Interview
Streaming-Tipp: Eine schwule Chatbekanntschaft lockt einen jungen Mann in eine assoziative Albtraumwelt. Der Weg in Nevrland führt vom Fleisch zur Seele – doch der Horror bleibt. Filmkritik
Auge um Auge, Aug’ in Aug’: My Days of Mercy ist eine Liebesgeschichte, die ihren Rhythmus in einer Abfolge von Hinrichtungen findet, aber von politischen Fragen abgeschirmt bleibt. Filmkritik
VoD: Insel des Begehrens. Bertrand Mandico schickt in Die wilden Boys fünf Pubertierende als Resozialisierungsmaßnahme auf eine Schiffreise inklusive sexueller Selbstentdeckung und will Geschlechterrollen verflüssigen. Filmkritik
In ihrem großen Liebesfilm Porträt einer jungen Frau in Flammen empört sich Céline Sciamma nicht über den männlichen Blick, sondern sabotiert ihn. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: In Leid und Herrlichkeit verteilt Pedro Almodóvar ein einzelnes Schicksal auf eine ganze Reihe von Stellvertreterfiguren – und ergründet dabei den inneren Schmerz, der die lose Abfolge von Erlebnissen zu einem zusammenhängenden Leben vernäht. Filmkritik
MUBI: Das Sexuelle, das Politische, das Ästhetische – im queeren Eddie formt sich alles zu einem Aufbegehren. Es endet in Gore und Entsetzen. Funeral Parade of Roses (1969), ein spätes Werk der japanischen neuen Welle, erscheint zum ersten Mal auf DVD. Filmkritik
Wenn das Begehren mit der Wirklichkeit kollidiert: Über drei Filme aus Rotterdam, in denen die jungen Helden erfahren, dass man weniger der herrschenden Moral als dem eigenen Körper vertrauen muss. Special
Wie unterscheidet sich das Fleischstück vom Engelsgesicht? Steve McLean entwirft in Postcards from London das Stadtviertel Soho als einen zeitlosen Ort – und lässt eine Gruppe von Sexarbeitern die Kunstgeschichte neu schreiben. Filmkritik
Vom 28. bis 30.11. ist critic.de beim Revolverkino im Berliner Gropius Bau zu Gast. Auf dem Programm stehen US-amerikanische Horrorfilme aus den 80ern, in denen selbst nur vermutete Homosexualität großes Unbehagen auslöst. News
Schon sein, was man noch wird. Der belgische Regisseur Lukas Dhont inszeniert in Girl das Transgender-Sein als Kampf gegen den eigenen Körper. Filmkritik
Die erste Wunschkritik unserer Abonnenten: Mit jedem Sprung die Reißleine später ziehen – oder der human spirit als Dauerausschüttung körpereigener Drogen. Statt auf die Seite des Guten oder Bösen schlägt sich Kathryn Bigelow in Gefährliche Brandung auf die Seite des Adrenalins. Filmkritik
Anas Kind ist kein Mensch wie alle anderen. Und Marco Dutrats und Juliana Rojas’ Film hat zunächst mehr mit Blut, Lust und Sinnlichkeit zu tun als mit guten Manieren. Doch handelt ihre fantastische Fabel weniger von Realitätsflucht als von routinierter Überwindung. Filmkritik
Ein schwuler Junge flüchtet aus der verarmten französischen Provinz, er ist der Autor Édouard Louis, aber dann auch wieder nicht. Anne Fontaines Marvin feiert die Lust an der Verwandlung. Filmkritik