Das Haus am See
Der argentinische Regisseur Alejandro Agresti erzählt in diesem Remake eines koreanischen Films die magisch-poetische Geschichte zweier Liebender, die zu unterschiedlichen Zeiten leben, aber dennoch über Briefe miteinander in Kontakt treten können.

Es geht um Kommunikation in diesem Film, darum, wie Liebende sich gegenseitig mitteilen. Verständnisprobleme sind für Paare Alltag, bei Distanzbeziehungen noch mehr, und hier geht es sozusagen um eine, wie Kate (Sandra Bullock) an einer Stelle sagt, ganz besondere Art von „long distance relationship“. Eine Distanz nämlich, die sich mit keinem Zug und keinem Flugzeug überwinden lässt.
Schon der Vorspann macht das wunderbar deutlich. Er besteht aus Überblendungen handgeschriebener Briefe, über deren Zeilen schließlich die Tinte, wie in Wasser gelöst, verläuft. Kate und Alex (Keanu Reeves) bedienen sich nicht so moderner Mittel wie E-Mail, sondern nehmen Stift und Papier. „Kann ihre Liebe Raum und Zeit überwinden“, lautet der erweiterte Titel des Films. Das trifft es aber nicht. Die beiden sind nicht durch den Raum getrennt, beide leben in Chicago, sondern ausschließlich durch die Zeit. Kate lebt im Jahr 2006, Alex im Jahr 2004.
Das erste Bild zeigt Sandra Bullocks traurige Augen in Leinwandgröße. Merkwürdigerweise kommt die Kamera ihr später nie wieder so nah, als wäre die größte Intimität mit der Figur Dr. Kate Forster gleich zu Beginn erreicht und würde einer stetigen Entfernung weichen. Die Ärztin zieht aus ihrem Haus am See aus, einem Traum von Transparenz, einem auf Stelzen ruhenden, rundum verglasten Gebilde. Ein Ort, an dem sie glücklich war, und den sie nun verlässt. Man mag bei dem Anblick an Paul Scheerbart und Bruno Taut denken und an die von ihnen erträumte Glasarchitektur, in der der Mensch mit sich im Reinen leben soll. „Ohne meinen Glaspalast, ist das Leben eine Last“, dichtete der manchmal zum Kalauer neigende Scheerbart einmal. Ihrem Nachmieter hinterlässt Kate, für die das Leben offenbar eine sehr große Last ist, im Briefkasten eine Mitteilung: mit der Bitte um Nachsendung eventueller Post und anderer Details zum Haus.

Der Architekt Alex findet diesen Brief, als er in seinem Pickup-Truck vorfährt und seine Kisten in das neue Heim trägt - und ist verwirrt, weil die Nachricht mit einem Datum zwei Jahre in der Zukunft unterzeichnet ist. Was er zunächst für ein Versehen hält, wird jedoch bald Gewissheit: Alex und Kate leben zu unterschiedlichen Zeiten und können über eine Art magischen Briefkasten, der vor dem Haus am See steht, kommunizieren.
Es wird keine Erklärung angeboten, warum das so ist, oder wie das überhaupt möglich sein soll. Es handelt sich nicht um einen Science-Fiction-Film. Und da Liebe in dieser Welt durchaus die Zeit überwinden können soll, gibt es auch keine Bedenken bei Manipulationen der Vergangenheit. Einmal pflanzt Alex einen Baum, als eine Art Nachricht in die Zukunft, und wie durch ein Wunder, aber der Film glaubt ja an solche, taucht dieser Baum um zwei Jahre gealtert in Kates Welt auf, und zwar aus dem Nichts.
Ungereimtheiten sind bei dieser Geschichte nicht zu vermeiden. Aber anders als in vielen Filmen, die mit irgendeiner Art von verschobener Realität spielen, ist das Rätsel um Das Haus am See (The Lake House) schon früh zu durchschauen. Im Gegensatz etwa zu Stay (2005), den man auch am Schluss nach der Auflösung noch nicht begriffen hat. Die Welt, oder die Welten, in denen Kate und Alex leben, sind voller überdeutlicher Verweise auf ihre eigene Geschichte. Da singt Carole King „It’s too late“, oder Kates Lieblingsbuch ist Jane Austens „Persuasion“ (dt. „Anne Elliot“), in dem es ja auch um eine lange Trennung geht und um eine Liebe, die gewissermaßen aus der Vergangenheit wiederkehrt, wenn auch bloß mit einer Kutsche und nicht über verwirrende Briefe in einem magischen Briefkasten.

Die ersten brieflichen Dialoge werden noch ganz nüchtern visualisiert, mit dem Warten vor dem Briefkasten, dem Aufblättern, und dem Lesen, jeder für sich allein. Später dann greift Regisseur Alejandro Agresti immer häufiger zu Überblendungen, um die Zeit visuell zu überwinden und beide gleichzeitig im Bild zeigen zu können.
So hat es auch schon Hyun-seung Lee gemacht, der Il Mare (Siworae, 2000) gedreht hat, das koreanische Original zu diesem amerikanischen Remake. Das Haus am See bleibt sehr dicht dran an Il Mare, der nie in deutschen Kinos gelaufen ist. Auch der bisher größte Erfolg des Argentiniers Agresti war - außer im Fernsehen - nie in Deutschland zu sehen: Mutter gesucht (Valentín, 2002) mit Carmen Maura. Einem größeren Publikum bekannt wurde er zuerst mit Das letzte Kino der Welt (El viento se llevó lo qué, 1998). Mit über zwanzig Filmen ist Agresti aber ein längst etablierter Regisseur, der mit Das Haus am See seine erste große amerikanische Produktion vorlegt. Es ist schade, dass er sogleich in das enge Korsett eines Remakes gezwängt wird.
Immerhin ist der Film für eine dem US-Markt angepasste Version weniger stromlinienförmig als zu erwarten gewesen wäre. Das Ende, das vielen nicht gefallen wird, ist übrigens keine Konzession an den Massengeschmack, sondern ebenfalls aus Il Mare übernommen.
Kritik von Thorsten Funke
Fotos: © Warner Bros.
Veröffentlicht am 04.07.2006
Film-Angaben:
Titel: Das Haus am See (The Lake House)
USA 2006
Laufzeit: 99 Minuten
Regie: Alejandro Agresti
Drehbuch: David Auburn
Produktion: Doug Davison, Roy Lee
Darsteller: Keanu Reeves, Sandra Bullock, Shohreh Aghdashloo, Dylan Walsh, Christopher Plummer, Ebon Moss-Bachrach, Willeke Van Ammelrooy, Lynn Collins
Kinostart: 06.07.2006
DVD-Angaben:
Titel: Das Haus am See
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Arabisch, Isländisch, Hebräisch, Niederländisch
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Spieldauer: 110 Minuten
Extras: Kino-Trailer; Nicht verwendete Szenen
Verleih ab: 10.11.2006
Verkauf ab: 10.11.2006
Kommentare
ccarloss
Montag, 05-11-07 14:28
Kratos
Montag, 15-10-07 06:20
Ich feue mich hier eine von leider viel zu wenigen männlichen positiven Kritiken zu diesem Film abgeben zu dürfen. Ich fand der Film war wunderschön. Die hauptdarsteller wussten zu überzeugen und in manchen Szenen stand ich wirklich den Tränen nahe. Und das heißt schon was, schließlich bin ich ein sehr selbstbeherrschter Mensch. Nun möchte ich aber noch einiges zu gewissen Kommentaren loswerden mehr ...
Andrea
Samstag, 01-09-07 14:19
Also ich fand den Film absolut super. Mich langweilen schon ewig lange diese Medizin- o. Gerichts- o. Autopsie u.a. Serien - dauernd nur Thriller, Probleme und Action. Das kotzt einen mit der Zeit echt an. Da kam "Das Haus am See" gerade richtig. Dabei bin ich nur durch die Filmographie meines Lieblingsschauspielers Keanu Reeves darauf gestoßen. Ich habe den Film nun schon 5 Mal gesehen und werde mehr ...
Teresa
Freitag, 29-12-06 02:02
Der Film ist einer der besten Filme aller Zeiten.Mal was neues.Einafch klasse....habe ihn 5 mal gesehen.Lohnt sich einfach.
Beatrice
Sonntag, 26-11-06 19:12
Ich weiß gar ne wieso Leute den Film nicht so schön finden !!! Also ich habe mir den Film ausgeliehen und habe ihn 2 mal gleich angeschaut der is voll schon, okay so was wird nie passieren! Schade.....!!! Der Film is voll schön zum Träumen und auch zum Nachdenken!!! Daumen hoch wer den Film geschrieben hat ...muss ein toller Mensch sein!!!! MFG BEA *liebe grüße aus Sachsen*
Sandra
Samstag, 11-11-06 22:39
Ich kann leider den meisten (v.a. männlichen) Kommentatoren nicht zustimmen, da ich den Film klasse fand. Auch wenn es unvorstellbar sein mag, dass sich ein Liebespaar über einen Breifkasten von den Vergangeheit mit der Zukunft unterhält. Aber mal davon abgesehen ist der film so romantisch und zeigt doch nur dass liebe über zeit und raum existiert. Ich kann also den film nur empfehlen
Peter
Montag, 11-09-06 10:46
Zum ersten Mal das ich vorzeitig aus dem Kino gegangen bin. Schade um das Eintrittsgeld!
Tobias
Samstag, 02-09-06 22:54
Sa. 2 Sep. 22:42 Ich fand den Film einfach unlogisch! Das mit der "Zeitreise" find ich schwachsinn, sry! Ja Liebesdrama ok geht ja noch, aber ich wäre lieber in den Film Little Man gegangen der ist bestimmt lustig! Fazit im Auto haben wir gedacht: Sind wir einfach zu blöd um ihn zu verstehen? oder ist der Film falsch dargestellt worden? PS: Ich wurde überredet MfG Tobias
phil
Montag, 28-08-06 16:03
na ja, also mann muss schon beide augen zumachen, vergessen das man restintelligenz besitzt und sich einfach mal zurück ins babydasein beamen, um die handlung nicht als unerträglich flach und nervend zu empfinden. aber dann, wenn man das alles akzeptiert, ne, dann, ja dann ist es ein unglaublich schlichter, amerikanischer liebesfilm. (das ich nicht rausgegangen bin lag an der sehr dicken nachbarin mehr ...
Daniel
Donnerstag, 10-08-06 03:52
Der Film gipfelt in dem Satz zwischen zwei Liebenden "Du hast auf mich gewartet". Was kann Liebe Tieferes zum Ausdruck bringen als in den Unwägbarkeiten des (gemeinsamen) Lebens zueinanderzustehen und aufeinander zu warten auch wenn es Entbehrung bedeutet... Ein wunderschöner Liebesfilm.
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Zu Tobias(fettewitze_de@web.de): Fazit im Auto haben wir gedacht: Sind wir einfach zu blöd um ihn zu verstehen? oder ist der Film falsch dargestellt worden? ------------------------------ Da kann ich nur anmerken: WER DENKEN KANN IST KLAR IM VORTEIL! Nichts für ungut.