Twelve

Und mit den Drogen kommen die Tränen, die Waffen sowieso. Joel Schumachers moralische Tragödie von der Upper East Side bietet viel schöne Oberfläche.

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Michael (Chace Crawford), „White Mike“ genannt, weil er dünn und weiß wie Rauch sei, ist seit dem Tod seiner Mutter haltlos geworden; er hat die Schule abgebrochen und begonnen, seine reichen Ex-Klassenkameraden mit, größtenteils leichten, Drogen zu versorgen. Seiner Jugendfreundin Molly (Emma Roberts) gegenüber behauptet er allerdings, seinem Vater bei dessen Arbeit in einem Restaurant zu helfen.

Die Menschen, deren Leben man in Joel Schumachers neuen Film Twelve beobachten kann, sind die verwöhnten Sprösslinge der Upper East Side Manhattans. Hier haben die Eltern selbstverständlich Therapeuten und die Collegekids Platin-Kreditkarten. Die Welt, wie Jordan Melameds Drehbuch sie zeichnet, verbindet atemberaubende Oberflächlichkeit in den Gesprächen und Interessen der Figuren mit großer Egozentrik und vom Film meist nur behaupteten inneren Verwerfungen.

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Kaum eine Figur hier hat einfach nur normale Komplexe – Christopher (Rory Culkin) ist da eine Ausnahme, er möchte einfach endlich einmal mit einer Frau ins Bett, aber dafür ist sein großer Bruder (Billy Magnussen) auch gleich ein psychopathisch anmutender Ex-Drogenabhängiger frisch aus dem Entzug. Bei solchen Figuren ist es dann vermutlich auch kein Wunder, dass der Film sich nach einem Mord zunehmend in Richtung einer veritablen Katastrophe zuspitzt.

Selbst wenn die Figuren angeschossen im Krankenhaus liegen, oder sterbend auf dem Teppichboden, stets sehen sie dabei umwerfend gut aus, perfekt frisiert sowieso: Twelve wirkt wie eine Designerdrogenfassung der High School Musical-Filme, nur ohne Musik und Gesang. Stattdessen gibt es eine Erzählerstimme, die die Ereignisse erklärt, die Gedanken einzelner Figuren erläutert und am Ende noch die moralische Lehre aus der Geschichte zieht.

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Es gibt wenige Momente in Twelve, in denen sich Joel Schumacher so etwas wie ironische Distanz zu dem Inhalt seines Films erlauben würde. Noch am besten vielleicht, als White Mike in einem Tagtraum ein Gespräch mit seinem alten Kindermädchen führt und diese Drogendealer mit ihrer eigenen Profession vergleicht: Wie Geister bewegten sich beide ins Leben anderer Menschen und wieder heraus.

Wie Geister bewegen sich allerdings die Figuren dieses Films fast alle: Wie leblose, auf dem Reißbrett entworfene Karikaturen, reduziert auf die schlichteste Vorstellung des Lebens reicher Leute.

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