Tintenherz
Mit ihrer Tintenwelt-Trilogie (2003-2007) fesselte die deutsche Autorin Cornelia Funke große und kleine Leser gleichermaßen. Der perfekte Stoff also für einen Weihnachtsfilm, möchte man meinen.
Mo Flocharts (Brendan Fraser) besondere Gabe, Romanfiguren durch bloßes Vorlesen in die Realität zu befördern, führt eines Nachts zu einer Familientragödie. Ohne von seinen Fähigkeiten zu wissen, liest er seiner kleinen Tochter aus dem Roman Tintenherz vor, aus dessen mittelalterlicher Sagenwelt gleich mehrere zwielichtige Figuren in die Alltagswelt entsandt werden. Die Grenzüberschreitung von der Fiktion zur Wirklichkeit hat jedoch einen Preis, im Gegenzug wird Mos Frau Resa (Sienna Guillory) Gefangene der Welt von Tintenherz. Jahre später versucht Mo, inzwischen seiner besonderen Gabe gewahr, mit seiner nun zwölfjährigen Tochter Meggie (Eliza Bennett) eine Ausgabe des äußerst raren Mittelalterromans aufzutreiben, um Resa „freizulesen“. Doch die Schergen aus Tintenherz, die sich nur allzu gut im Hier und Jetzt eingelebt haben, wollen Mo an dessen Vorhaben hindern und stattdessen seine außerordentliche „Lesebegabung“ für ihre Zwecke missbrauchen.
Schreibt man Tintenherz (Inkheart, 2008), die Verfilmung von Cornelia Funkes gleichnamigem Jugendbuch von 2003, einem Genre zu, wird die Absurdität dieses Computereffektspektakels besonders deutlich. Als Fantasy-Film fehlt Tintenherz vor allem eines: Fantasie. Längst schon ist das Vorurteil entkräftet, dass Spielfilme, die zu einem Großteil aus Renderingprozessen hervorgegangen sind, kreative Wüsten seien und im gleichem Zuge es versäumen würden, die computergenerierten Szenen als genuines, filmisches Gestaltungsmittel zu ihrem Vorteil zu nutzen. Dagegen sprechen nicht zuletzt Filme wie Hulk (2003), Krieg der Welten (War of the Worlds, 2005) und die Herr-der-Ringe-Trilogie (2001-2003).
Doch in Tintenherz kommt der Verdacht auf, dass der Sinn der Spezialeffekte darin liegt, über diverse Handlungslöcher hinwegzutäuschen. So stellt das Kernproblem des Films das unterentwickelte Drehbuch dar. Den besonderen Reiz der Vorlage, Romanfiguren und Fabelwesen aus Literaturklassikern wie Der Zauberer von Oz oder Geschichten aus Tausendundeine Nacht Leben einzuhauchen und zusammen agieren zu lassen, degradiert Tintenherz jedoch zum Selbstzweck des Trickkinos. So werden etwa fantastische Geschöpfe wie die fliegenden Affen aus Der Zauberer von Oz einzig in ihrer Andersartigkeit vorgeführt. Da solch ein Vorgehen für das Effektkino jedoch eine reichlich magere Attraktion darstellt, scheint der Unterhaltungswert für den Zuschauer lediglich darin zu liegen, zu erraten, aus welchem literarischen Werk der jeweilige Charakter nun gerade stammt.
Dies ist besonders schade, denn gerade das Ensemble von Tintenherz gibt sich bisweilen redlich Mühe, gegen die Belanglosigkeiten des Drehbuchs, die sich in Iain Softleys uninspirierter Inszenierung fortsetzen, anzukämpfen. Leider können sie da nur verlieren. So degeneriert Helen Mirrens schauspielerischer Einsatz als verschrobene Buchfetischistin zum Chargenspiel, während Paul Bettany als Dustfinger mit Inbrunst gegen den fast gänzlich teilnahmslosen Brendan Fraser anspielen muss. Leidtragende scheinen im Fall von Tintenherz die engagierten Schauspieler und das Publikum gleichermaßen zu sein.
Filmkritik von David Gaertner
Veröffentlicht am 09.12.2008
Kommentare zu Tintenherz
Evchen 03.02.2009 12:48
Danke, für die richtige Kritik. Der Film war grottenschlecht, die Handlung oft total als im Buch... Eine echte Enttäuschung für jeden der das Buch gelesen hat!
Da fragt man sich, mit welchen Augen manche Kinobesucher den Film gesehen haben, wenn sie den Film als gut und gelungen bezeichnen!
T. 04.02.2009 12:49
Schade,sehr enttäuschent der Film!
Habe alle 3 Bücher gelesen und sie auch regelrecht verschlungen.Wo waren die tollen Details? Der Film hat so viele Lücken und ist dermaßen verkürzt, das es schon Körperverletzung am Kinogänger ist!Schade ums Geld!
merja 25.01.2010 11:25
TINTENHERZ!!!! mein absolutes Lieblingsbuch.In diese geschichte konnte ich wirklich eintauche.respekt an cornelia funke.das buch hat mich gefesselt.ich bin sozusagen eine bücherfresserin,wie elinor.ich habe etliche bücher gelesen,doch keines so oft wie tintenherz,tintenblut und tintentod.wir haben bei mir zu hause sozusagen eine bibliothek. naja eher ein grosser raum,ein sehr grosser mit tausenden büchern. ich habe von meinem taschengeld eine vitrine gekauft,aus glas.darin liegen tintenherz,tintenblut und tintentod.ich schreibe selbst geschichten und denke mir gerade eine fofrtsetzung von tintentod aus.sehr schwirig.ich frge mich wie cornelia das geschafft hat.liebe grüsse merja
Friese83 13.02.2010 14:00
Die obige Kritik finde ich etwas überhart. Und sie kommt, anders als eine seriöde Rezession, etwas hochtrabend und selbstverliebt daher. Ganz als ob der Autor sein Schreiben in den Vordergrund zu stellen versucht, denn den Film wirklich zu kritisieren. Auch das Prädikat grottenschlecht und ähnliches aus den Kommentaren hat in einer guten Kritik nichts verloren.
Jedoch ist eine negative Kritik nicht ganz unberrechtigt. Einige, wichtige Elemente aus dem Buch fehlen, während andere Elemente, was ich als unnötig empfand, hinzugedichtet wurden.
So fand ich den Film zum einen viel zu abschließend. Staubfinger gehört erst in Tintentod in die Tintenwelt zurück. So wurde der Film leider so angelegt, dass eine Fortsetzung unmöglich erscheint. Und Trilogien gehören meiner Meinung nach auch in drei Filmen verfilmt! Weiterhin habe ich den großen Wirbelsturm als überflüssig gefunden.
An anderen Stellen fehlte mir persönlich die Liebe zum Detail. Statt Tinkerbell wurde z.B. der Hund aus "Der Zauberer von Oz" von Meggie herausgelesen.
Im großen und ganzen wurden die wesentlichen Elemente der Geschichte jedoch auch umgesetzt.
Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, dass der Film als grottenschlecht bezeichnet wird.
Auch die Darsteller haben ihre Sache weitesgehend gut gemacht. Staubfinger und Fenoglio fand ich persönlich sogar sehr gut dargestellt. Auch ich hatte natürlich beim Lesen andere Vorstellungen von den Figuren. Aber auch die Interpretationen im Film passten zur Geschichte. Eine völlige Fehlbesetzung ist mir nicht aufgefallen.
Meiner Meinung nach hätte der Film auch besser umgesetzt werden können. Vor allem das Ende entspricht nciht dem Buch, was schade ist. Dennoch ist er meines Erachtens gerade noch einigermaßen gelungen, da die sowohl Darsteller ihre Figuren gut umgesetzt haben, als auch die Haupthandlung, der Plot, des Filmes zumindestens im Wesentlichen dem Buch folgt. Schade ist, dass der Film eine Fortsetzung kaum zulässt. Meines Erachtens der größte Mangel.
Abschließend möchte ich sagen, dass Kritik nicht bedeutet, alles negativ zu beuerteilen, sondern auch positives herauszuarbeiten. Mit vorschnellen Urteilen, wie belanglso oder grottenschlecht u.Ä. sollte man vorsichtig sein. Vielmehr sollte Kritik ggü. den jeweiligen Werken fair und konsruktiv sein.
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Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Tintenherz
Originaltitel: Inkheart
Deutschland, Großbritannien, USA 2008
Laufzeit: 106 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Regie: Iain Softley
Drehbuch: David Lindsay-Abaire
Basierend auf den Romanen der Tintenwelt-Trilogie (2003-2007) von: Cornelia Funke
Produktion: Iain Softley, Diana Pokorny, Cornelia Funke
Bildgestaltung: Roger Pratt
Montage: Martin Walsh
Musik: Javier Navarrete
Darsteller: Brendan Fraser, Sienna Guillory, Eliza Hope Bennett, Richard Strange, Paul Bettany, Helen Mirren, Matt King, Steve Speirs, Jamie Foreman, Jennifer Connelly
Kinostart: 11.12.2008
DVD-Angaben
Titel: Tintenherz
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 102 Minuten
Extras: US-Kinotrailer
Verleih ab: 17.04.2009
Verkauf ab: 17.04.2009
Copyright Tintenherz
Fotos: © Warner Bros. Ent.
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