Stellungswechsel

Fünf Männer, die schon privat nicht sonderlich gut mit Frauen zurecht kommen, machen eine Begleitagentur auf und wollen sich fortan vom schönen Geschlecht für Sex bezahlen lassen. Die Geschäftsidee ist so wenig überzeugend wie der Film, den Maggie Peren darüber gemacht hat.

Stellungswechsel

zoomicon

Eine schier unerschöpfliche Quelle für lustige Geschichten ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Die einen sind vom Mars, die anderen von der Venus. Die einen können nicht zuhören, die anderen nicht einparken - und das gilt auch, wenn es um Sex geht, metaphorisch gesprochen. Da sind Gräben zu überwinden, es lauern Peinlichkeiten, da muss man über sich hinauswachsen, kurz, das ist der Stoff, aus dem viele Komödien sind. Zu viele, leider.

In der deutschen Komödienschwemme der neunziger Jahre wurde so etwas am Fließband gedreht, mit leidlichem Erfolg an der Kinokasse, aber wegen der ständigen Klischee-Wiederholung mit abnehmendem Lustigkeitsfaktor. Ein Jahrzehnt später, in Maggie Perens Langfilmdebüt, kommt der Mann als solcher wieder in Bewegung. Der Titel Stellungswechsel macht das mehr als deutlich. Die Grundidee des Films ist aber eben nicht der deutschen Komödientradition entnommen, sondern der britischen: Ganz oder gar nicht (The Full Monty, 1997) dürfte Pate gestanden haben für die Geschichte über fünf Männer, die sich den Frauen andienen wollen. Statt der arbeitslosen Stahlarbeiter, die in Sheffield eine männliche Stripshow auf die Beine stellen, geht es nun um fünf Mittelklassejungs in Berlin, die ihre finanziellen Schwierigkeiten mit einer Begleitagentur zu überwinden gedenken. Orgasmusgarantie inklusive.

Stellungswechsel

zoomicon

 Der soziale Realismus von Ganz oder gar nicht ist in Stellungswechsel verloren gegangen. Maggie Peren, die zuvor als Schauspielerin und Drehbuchautorin (Vergiss Amerika, 2000; Napola, 2004; Hände weg vom Missisippi, 2007) hervorgetreten ist und auch hier als Autorin mitverantwortlich zeichnet, verlässt sich auf plakative Charaktere. Da ist der Macho Gy (Sebastian Bezzel), ein Polizist, der in einer verlotterten Junggesellenbude haust und eine Frau nach der anderen ins Bett zieht. Und da ist Frank (Florian Lukas), ein sensibler Germanist, dessen Freundin mehr verdient als er. Glaubwürdiger sind Gustav-Peter Wöhler als erfolgloser Delikatessen-Händler Olli und Herbert Knaup, der - wie schon in Du bist nicht allein (2007) - einen in die Arbeitslosigkeit abgerutschten, ehemals sehr erfolgreichen Akademiker spielt (eine ähnliche Figur, die den anderen Benehmen beibringt, gab es allerdings auch in Ganz oder gar nicht). Kostja Ullmann (Verfolgt, 2006) als gut aussehender, aber unerfahrener Jungspund ist der fünfte im Bunde.

Stellungswechsel

zoomicon

 Alle diese Männer haben die Ohnmacht den Frauen gegenüber gemeinsam. Der eine hatte ewig keinen Sex, der andere noch nie, wieder ein anderer wird von der Chefin gefeuert, und einer kann mit seiner üblichen Anmache nicht bei der neuen, so attraktiven wie emanzipierten Kollegin landen. In Ollis schlecht gehendem Geschäft treffen sich die Freunde und klagen ihr Leid: Zufälligerweise haben alle zur selben Zeit Geldprobleme. Als Frank im Arbeitsamt von einer fremden Frau einen Zettel mit der Aufschrift „150 Euro?“ zugesteckt bekommt, wird die Idee zur Begleitagentur geboren. Die fünf im Drehbuch als Prototypen konzipierten Männer für gewisse Stunden ergänzen sich und bieten für jeden weiblichen Geschmack etwas. Aus dem Kontrast der einzelnen, vom Ensemble überzeugend dargestellten Typen zueinander ergibt sich manche gelungene Szene. Hin und wieder strahlt aus der glatten Oberfläche des Films auch etwas von der Verzweiflung der Protagonisten herüber, die eine solche Geschichte erst interessant macht. Der Rest aber ist eine Mischung aus familienfreundlichem Sex, Situations- und Verwechslungskomödie sowie Vulgärfeminismus. Selbstredend werden alle fünf Männer geläutert den Weg zur richtigen Frau finden. Und sogar die Sache mit dem Zuhören funktioniert am Ende, wenn auch nicht ganz freiwillig.

Filmkritik von Thorsten Funke

Veröffentlicht am 30.09.2007

Kommentare zu Stellungswechsel

Es gibt bisher noch keine Kommentare.

Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Stellungswechsel. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.

Kommentar schreiben

*
*
*


*

Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.

DVD von Stellungswechsel

 

Blog: Berlinale im Dialog

Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog

 
 

Film-Angaben

Titel: Stellungswechsel

Deutschland 2007

Laufzeit: 90 Minuten

Altersfreigabe: ab 12 Jahren

 

Regie: Maggie Peren

Drehbuch: Christian Bayer, Maggie Peren

Produktion: Jakob Claussen, Thomas Wöbke

Bildgestaltung: Christian Rein

Montage: Peter Kirschbaum

Musik: Marc-Sidney Müller

Darsteller: Florian Lukas, Gustav-Peter Wöhler, Herbert Knaup, Sebastian Bezzel, Kostja Ullmann

 

Kinostart: 03.10.2007

 

DVD-Angaben

Titel: Stellungswechsel

Vertrieb: 20th Century Fox

Bild: 1,85:1, 16:9

Sprache(n): Deutsch (DD 5.1)

Untertitel: keine

Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Spieldauer: 93 Minuten

 

Extras: Audiokommentare der Regisseurin Maggie Peren und den Darstellern Lisa Maria Potthoff und Sebastian Bezzel; Interviews; Am Set von „Stellungswechsel“; Szenenvergleich: Von den Proben zur finalen Fassung; Nicht verwendete Szene; Kinotrailer

 

Verleih ab: 13.06.2008

Verkauf ab: 11.07.2008

 

Weitere Filme

... mit Florian Lukas

Don 2
Indien 2011
Von Farhan Akhtar

Anduni - Fremde Heimat
Deutschland 2011
Von Samira Radsi

I Phone You
Deutschland, China 2011
Von Dan Tang

... mit Gustav-Peter Wöhler

Urlaub vom Leben
Deutschland 2005
Von Neele Leana Vollmar

 

Copyright Stellungswechsel

Fotos: © 20th Century Fox

 

Neue Kritiken

alle neuen Kritiken

 

Neueste Kommentare