Lachsfischen im Jemen

Lasse Hallström und eine britische Politsatire – kann das gut gehen?

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Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) kann nicht glauben, dass dieses Projekt ernst gemeint sein soll. Der Hobbyangler und Fischerei-Experte soll einem reichen Scheich aus dem Jemen (Amr Waked) helfen, sich den Traum einer Lachsfisch-Anlage in der Heimat zu erfüllen – und das obwohl, wie Jones sofort weiß, das Klima im Nahen Osten nun wirklich nichts für Lachse ist. Und wo die Fische herkommen sollen, kann ihm auch niemand erklären. So zeigt er sich gegen die charmanten Überredungskünste der dynamischen Harriet (Emily Blunt), die von ihrer PR-Firma mit der Realisierung des Projekts betraut ist, zunächst noch immun. Doch irgendwann hat Jones keine Wahl mehr. Weil die britische Regierung nach heftigen anti-westlichen Protesten im Nahen Osten unbedingt eine positive Story aus der Region braucht, wird das Projekt staatlich gefördert, und die hartnäckige Presseagentin des Premierministers, Patricia Maxwell (Kristin Scott Thomas), kümmert sich höchstpersönlich um die Angelegenheit. Unter Drohung eines Jobverlusts wird Jones zum Mitmachen gezwungen und sieht sich alsbald mit einem arabischen Scheich übers Angeln plaudern und mit Harriet über die Realisierung von höchstens „theoretisch möglichen“ Projekten philosophieren.

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Die komisch absurde Grundidee von Lachsfischen im Jemen stammt aus der gleichnamigen Romanvorlage von Paul Torday. Sie wird höchstens noch getoppt von dem fast ebenso absurd anmutenden Einfall, diesen Stoff ausgerechnet vom Schweden Lasse Hallström verfilmen zu lassen, der in Hollywood nach vielen Erfolgen (Gottes Werk und Teufels Beitrag, The Cider House Rules, 1999, Chocolat,2000) zwar recht beliebt ist, für scharfzüngige Komik bislang aber weniger bekannt war. In den Händen Hallströms und gefiltert durch das Drehbuch des notorischen Optimisten Simon Beaufoy (Slumdog Millionaire, 2009, 127 Stunden, 127 Hours, 2010) wird aus der beißenden Politsatire ein recht merkwürdiges Feelgood-Movie. Beim ersten Treffen zwischen dem kauzigen Dr. Jones und der forschen Harriet Chetwode-Talbot (der Kontrast zwischen den Namen ist Programm) lässt man sich noch in eine wohlige Screwball-Stimmung versetzen, doch mit dieser ist es schnell vorbei: Spätestens mit Alfreds Eheproblemen und Harriets in Afghanistan verschwundenem Freund Robert (Tom Mison) verkommt Lachsfischen im Jemen endgültig zu einem überfrachteten Melodram.

Vor allem scheint bei Hallström der Sinn für die Ironie des Plots nicht ganz angekommen zu sein. Der Schwede tut zunächst mal, als wäre diese ganze Geschichte völlig glaubhaft, und merkt nicht, wie seine Suche nach dem Ernst des Lebens von dem höchst unplausiblen Plot von Lachsfischen im Jemen im Keim erstickt wird. Diese fehlende Glaubhaftigkeit wäre weniger ein Problem, würden sich Beaufoy und Hallström nur trauen, den Weg der Vorlage zu Ende zu gehen und sich dem Reiz der Übertreibung hinzugeben. Doch Hallström sucht nach einem menschlichen Drama, wo es eigentlich nur um den Irrsinn von Milliarden-Investitionen und Politik-Betrieb gehen müsste, um das satirische Potenzial der Story auszureizen. So erschöpft sich dieses Potenzial mit der Grundidee, und das absurde Lachsfischen-Projekt des Scheichs verkommt schnell zur Metapher für eine recht simple Botschaft.

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Das Leitmotiv, das den Anglertraum des Scheichs und die sich anbahnende Romanze verbinden soll, ist das Verlassen von festgefahrenen Bahnen, das Wagen von vermeintlich unmöglichen Projekten – und natürlich auch das Festhalten am Glauben an die unmögliche Liebe. „Theoretisch möglich“ nennt Alfred das Lachsprojekt zu Beginn anfangs, und der ganze Film soll uns zeigen, dass solche Möglichkeiten in die Praxis umgesetzt werden können, wenn auch in einem bescheideneren Maße. Hallström bricht Tordays Roman also auf eine harmonische Message herunter und versieht die Geschichte ansonsten mit seiner Handschrift, die mit ihrer klassischen Filmmusik, den vielen Naturaufnahmen und Kamerafahrten und der manchmal schwermütigen Bildsprache immer wieder das Pathos streift und die Tonalität des Films ein ums andere Mal unnötig verschiebt.

Kristin Scott Thomas ist die einzige, die ihren Part angemessen überspielt, die Übertreibung wagt und damit zumindest andeutet, was aus diesem Stoff hätte werden können. Ewan McGregor und Emily Blunt haben die ungleich undankbarere Aufgabe, den ernsten Part des Unternehmens zu mimen, machen ihre Sache aber sehr gut und sorgen dafür, dass Lachsfischen im Jemen zumindest nicht zur völligen Katastrophe verkommt. Über den in fließendem Englisch über das Angeln sinnierenden Scheich und seine islamistischen Gegner, die ihn als Vaterlandsverräter aus dem Weg räumen wollen, verliert man dagegen besser kein Wort.

Lachsfischen im Jemen - Poster

Wenn uns Hallström also sagen will, dass auf den ersten Blick absurd und unrealistisch anmutende Projekte erst einmal versucht werden müssen, dann lässt sich sein eigener Film eher für ein Plädoyer gegen diese Philosophie verwenden. Denn in diesem Fall wirkt das Ergebnis des Projekts „Lasse Hallström verfilmt eine britische Politsatire“ nicht wie der Lohn für ein Wagnis, sondern wie die Folge eines Missverständnisses. Lachsfischen im Jemen ist zugleich zu absurd und nicht absurd genug, um entweder für ein wohliges Hallström-Erlebnis zu sorgen oder zum Genuss einer vergnüglichen Satire einzuladen. Weil sich das sperrig Absurde schnell im harmlos Romantischen verliert, schwindet auch schnell das Interesse an einem Film, dessen hybrider Charakter deutlich mehr irritiert als positiv überrascht.

Trailer zu „Lachsfischen im Jemen“


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