Gentlemen Broncos
Jared Hess ist wieder da, wo er herkommt und hingehört: in Utah und im Low-Budget-Segment.

Mit Gentlemen Broncos hat die Berlinale in diesem Jahr einen ihrer stärksten Filme in der Sektion Generation 14plus versteckt. Längst haben sich die „Kinder- und Jugendvorführungen“ zu einem Geheimtipp entwickelt. Tatsächlich platzt der Multiplex-Saal aus allen Nähten – nur Minderjährige sieht man kaum. Im anschließenden Gespräch gibt der ansonsten recht einsilbige Regisseur ein Erfolgsgeheimnis preis: Das Budget in einstelliger Millionenhöhe gab ihm absolute künstlerische Freiheit, inklusive Final Cut und völlig freier Wahl beim Casting. Gerade Letzteres ist ein sichtbares Plus von Gentlemen Broncos.
Rückblende: Während des Sundance Festivals 2004 entwickelte sich der 200.000 Dollar günstige Napoleon Dynamite über Nacht zu einer Sensation. Mit ihm der Langfilmregiedebütant Jared Hess und sein Hauptdarsteller Jon Heder. Zwei Jahre später erscheint Nacho Libre. Kein schlechter Film, aber doch eine One-Man-Show von Jack Black, der Charme und die Verbundenheit mit den Figuren des Vorgängers fehlen.

2010 heißt es „back to normal“, was bereits der liebevoll gestaltete Vorspann beweist: Einschlägige Cover etlicher Sci-Fi-Groschenhefte treffen das Herz einer Vorliebe, die bei Hess nur mit Nerdtum assoziiert sein kann. Es sind nicht einzig die Titelbilder, sondern auch die Orte, an denen sie drapiert sind, welche einen skurril-nostalgischen Ton vorschlagen. Muster und Tapeten der eigenwilligen Sorte öffnen uns die Pforte zu einer Welt, die bei aller Verzerrung ganz typische Probleme des Heranwachsens in den Mittelpunkt rücken. Sexualität allerdings, dies eine Stärke von Hess-World, ist nicht wie andernorts einziger Fluchtpunkt. Vielmehr reagieren die Protagonisten, hier Benjamin Purvis (Michael Angarano), mit großer Irritation, wenn ihnen die reifetechnisch überlegenen Damen vom anstehenden Tamponkauf berichten. Hess legt es in solchen Situationen nicht wie etwa die Farrelly-Brüder auf einen möglichst körperflüssigen Bruch mit amerikanischer Prüderie an. Vielmehr entwickelt sich die Shopping-Episode in eine nicht-sexuelle und vor allem überraschende Richtung. Auch andernorts unterläuft der Regisseur gern die aufgebaute Erwartungshaltung.
So ganz entsagt er den Körperflüssigkeiten dann aber doch nicht: Schlangen und Superhelden wissen ein Lied davon zu singen. In Erinnerung bleiben wird auch eine Handmassage der besonderen Art.

Darüber hinaus bietet Gentlemen Broncos eine herrliche Fantasiewelt, in der Sam Rockwell den Space-Helden der anderen Art verkörpert. Nicht umsonst sind er und die betörende Suzanne May vom Eighties-Arizona ausgeschlossen. Das nämlich bewohnen dem Mediokren verschriebene Hess-Charaktere. Die trotzen der Banalität des Alltags zwar mit allerlei Eskapaden, sind der Durchschnittlichkeit jedoch immer ausgeliefert. So wie wir alle. Das ist beruhigend, verstörend und belustigend zugleich.
Kritik von Sascha Keilholz
Veröffentlicht am 16.02.2010
Kommentare zu Gentlemen Broncos
4you 06.05.2010 17:09
Ich bin wirklich kein Freund von Superlativen, aber das ist der schlechteste Film den ich je gesehen habe. 90 Minuten verschwendete Zeit. Gentlemen Broncos fehlt alles, was einen guten Film ausmacht - glaubwürdige Charaktere, eine überzeugende Handlung, Humor oder wenigstens gut gemachte Effekte. Nichts! Das einzige was im Kinosaal aufkam war Langweile.
Miss M 09.05.2010 23:16
Dem muss ich widersprechen. Genau der Trash als überzogene Karikatur macht ja den Charme des Films aus.
Geht es nicht jedem Teenager so, dass die Welt so merkwürdig verzerrt ist und alle erwachsenen Mitmenschen irgendwie merkwürdig? Genau das sagt der Film doch.
Zugegeben: Eine Schwäche für Nerds und Pop ist aber sicher hilfreich.
Moe 01.06.2010 09:25
ich hab diesen Film in nem Sneak Preview erwischt^^ man das war mal ein schlechter film aber irgendwie teilweise schon lustig. aber war schon amüsant wie ein teil im kino gelacht hat und der andere innerhalb von 30min den saal verlassen hat. ein zweites mal würd ich mir den aber nich geben:D
Robo 02.06.2010 20:28
Dieser Film schafft es sich die Realität so zu Herzen zu nehmen, dass daraus etwas entsteht was nicht den Anspruch auf Schlüssigkeit, im Sinne von "Moral von der Geschicht", stellt, sondern er erzählt eine Geschicht die gar nicht so weit von denen der wirklichen Welt entfernt spielt und, zumindest mich, wahnsinnig amüsiert hat durch ihr Spiel mit den Elementen unser aller Leben.
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Film-Angaben
Titel: Gentlemen Broncos
USA 2009
Laufzeit: 90 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Regie: Jared Hess
Drehbuch: Jerusha Hess, Jared Hess
Produktion: John J. Kelly, Mike White
Bildgestaltung: Munn Powell
Montage: Yuka Ruell
Musik: David Wingo
Darsteller: Michael Angarano, Halley Feiffer, Jemaine Clement, Jennifer Coolidge, Héctor Jiménez, Mike White, Sam Rockwell, Suzanne May
Kinostart: 27.05.2010
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