Friendship!

Zwei DDR-Touristen reisen 1990 durch die USA. Am westlichsten Punkt der Welt stoßen sie wieder auf die Mauer.

Friendship!

Selbst Darth Vader kennt nicht jeder. Zumindest die beiden Helden von Friendship! nicht, und so sind sie vielleicht die Einzigen, die nicht wissen, dass sie in ihrem Kofferraum kein Faschingskostüm, sondern das Symbol für den bösen Vater schlechthin mit sich herumfahren. Für den Zuschauer scheint dieser Fingerzeig dagegen überdeutlich, ist doch die Suche nach einem verlorenen Vater der Grund für ihre Amerikareise. Und mit der dunklen Seite der Macht hat dessen Verbleib einiges zu tun. Die hier, womit wohl gerade noch nicht zu viel verraten ist, mal wieder auf den Namen „Stasi“ hört.

Veits (Friedrich Mücke) und Toms (Matthias Schweighöfer) Unbedarftheit in Sachen westlicher Popkultur erklärt sich also daraus, dass sie Ossis sind. 1990 – die Mauer ist schon gefallen, aber die DDR steht noch – beschließen die beiden, zum „westlichsten Punkt der Welt“ aufzubrechen, nach San Francisco. Dummerweise reicht ihr Geld nur für einen Flug nach New York, und damit ist der narrative Bogen gespannt für ein klassisches Roadmovie, eine Reise gen Westen, die alle einschlägigen Attraktionen des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten bereithält. Eine USA-Reise, die Regisseur Markus Goller sogar noch vor dem Fall der Mauer unternahm, diente als Inspiration.

Friendship!

Bevor es so weit ist, erzählt der Film kurz Toms und Veits DDR-Vorgeschichte, und hier beschleicht einen ein quälendes Nicht-schon-wieder-Gefühl: Grobkörnige Archivaufnahmen vom Arbeiter-und-Bauern-Staat, den Tom in leuchtreklamegroßen Anführungszeichen preist, um sich dann als frecher Nonkonformist zu outen, der natürlich einen besten Freund hat, der natürlich ganz anders, nämlich ein ganz Stiller ist. Anfangs befürchtet man, in einer Worst-of-Sammlung der ironisch-nostalgischen DDR-Komödie gelandet zu sein.

Doch dann versetzt der Film die Zutaten dieses Genres in ein anderes Setting – die als denkbar größter Gegensatz inszenierten USA – und gewinnt seine Pointen aus der Begegnung von ahnungslosen DDR-Bürgern mit ahnungslosen Amerikanern: Dass die zwar alle total freundlich sind, aber nichts von der Welt wissen und ignoranterweise nicht einmal über Deutschland, dieser lang tradierten Schüleraustauscherkenntnis werden fast alle auftretenden Beispiele gerecht. Doch der Film wiegt das mit Hinterwäldlertum ostdeutschen Zuschnitts halbwegs gerecht auf.

Friendship!

Unterhaltsam ist das immer dort, wo Friendship! den Culture Clash ins Groteske überdreht – etwa wenn Tom und Veit sich, nach einem Bad im DDR-Stil nackt am Steuer, eine wilde Hatz mit zwei erst alarmierten, dann belustigten Cops liefern. Eher enervierend ist es, wenn sich der Film eins zu eins Klischees bedient – etwa die zwei in einer Bar aufgerissenen chicks und ihr schrotflintenbewehrter Daddy – oder auf fast schmerzhaft vorhersagbare Pointen setzt: Was passiert wohl, wenn Tom Amerikanerinnen anzüglich anquatscht, die, so glaubt er, ja eh kein Deutsch verstehen?

Die schönste Begegnung beider Welten ist einem der beiden selbstgedrehten Super-8-Filme zu verdanken, die die beiden im Gepäck haben. Während die Nosferatu-Home-Version auf wenig Interesse stößt, erweist sich Veits DDR-Heimatfilm, vorgeführt in einem Provinzkino im mittleren Westen, als echter Hit – auf rein visueller Ebene erschließt sich dem Publikum über die stummen und schwarzweißen Bilder die bizarre Komik einer fremden, gerade untergehenden Welt.

Friendship!

Diese Sequenz gehört zu den wenigen Highlights einer größtenteils einfalls- und risikoarmen Inszenierung, deren Schauplätze – New York, die weiten Highways, das Mittlere-Westen-Kaff, Las Vegas, San Francisco – nahezu musterhaft Amerika-Filmbildern entsprechen, wie man sie schon tausendmal gesehen hat. Mit jeder Etappe arbeitet der Film dabei Schritt für Schritt und recht schematisch das Wachsen und Reifen von Toms und Veits Freundschaft ab, die natürlich auch bald – in einem recht hineingezwungenen Handlungsstrang – von einer Frau auf die Probe gestellt wird.

Für einen tragischen Unterton sorgt von Anfang an das Rätsel von Veits Vergangenheit. Eigentliches Ziel seiner Reise ist sein Vater, der vor Jahren aus der DDR flüchtete und heute in San Francisco lebt. Beim Einwerfen der jährlichen Geburtstagspostkarte an seinem Sohn, den seither einzigen Lebenszeichen, will Veit ihn abpassen, und so wird die Reise bald zum Wettlauf mit der Zeit.

Friendship!

Doch einmal angekommen, verhält sich Veit so, als wolle er die Begegnung lieber vermeiden – ein Annäherungs-Ausweich-Konflikt, den Friedrich Mücke sehr überzeugend spielt. Wir erfahren zuletzt, wie recht er daran tut, und dabei begibt sich Friendship! dann doch zaghaft auf expliziter politisches Terrain – wie geglückt das ist, ist streitbar, mit dem rechthaberischen Gestus des aus dem gleichen Hause stammenden Das Leben der Anderen (2006) hat der Film aber immerhin wenig gemein.

Trailer zu „Friendship!“


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Kommentare


An Genervt

Wie kann man aus so einer guten Idee ein so Grauen erregendes Drehbuch fabrizieren? Musste umbedingt jedes Klischee der Weltgeschichte da hinein? Ohne verlorenen Vater und 3-Ecks Liebe.... und achja Herr Goller: Kinofilme dreht man wohl doch besser mit "Film-kameramännern" und nicht mit "Fernseh-kameramännern", denn Close-ups schön und gut aber Kino heißt TOTALE! Ich bete, dass sowohl Autor als auch Regisseur sich ab jetzt aufs Fernsehen beschränken... inständig.


MatthiasKn

Typisch guter deutscher Film.
Im Kino geht dieser Film einem sehr nahe, wenn man es sich mit seinem gutem Freund anschaut.
Top Top.
Jedenfalls besser, als sein Geld für ein Computer Film namens "avatar" auszugeben.
Der kein cent wert ist sich anzuschauen.


Möhre

Ein perfekt schlechter Film. Von der Auswahl der Musik die aus aktuellen Titeln besteht (u.a. Silbermond... argh) die kein Nachwendegefühl aufkommen lassen bis hin zur allen Klisches bedienenden Story (2 Männer eine Frau.. ohje.. Trabi der über die Golden Gate Bridge fährt.. *schluchz*). Lacher im Film 0.
Dann noch die Zuschauer veräppeln und erzählen es beruht auf einer wahren Begebenheit nur weil da mal jemand durch Amiland gefahren ist ..aha.. alles Klar.
Von daher warne ich jeden davor diesen Film zu schauen. Ich ärger mich heute noch das ich dafür Geld ausgegeben habe.


Ukulele

Ich finde den Film gut und werde ihn mir garantiert auf Blue-Ray kaufen. Natürlich ist das Setting mit dem drastischen kulturellen Gegensatz zwischen Ost und West sehr dankbar. Es stimmt, dass der Regisseur die Klischees bedient, um dem Film einige Pointen dazuzugeben.
Doch hinter dem oberfllächlichen Klamauk steckt in diesem Film eine Story von Freundschaft uns Selbstfindung, die sich besonders in dem von Friedrich Mücke sehr überzeugend gespielten Charakter des Veit entwickelt.
Besonders gefallen haben mir die Dialoge, weil sie wirklich schroff und ungeschliffen wirken. Als Gegensatz fällt mir dazu der Film "The Social Network" ein: brilliante Dialoge - aber niemand redet wirklich so.

Fazit:
Ein guter Film!


Lisa

Die Klischees haben mich auch genervt. Vor allem wenn man die USA (Land und Leute) kennengelernt hat. Weniger ist eben doch mehr^^ Die DDR-Verarschen waren voll lustig. Man hat sich als Ossi nicht angegriffen gefühlt. Meinten selbst meine Eltern (und das will was heißen!) Aber dieses "Freundschafts-Armzeichen" a la HH für Kommunisten mussten sie nicht machen.






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