Everybody’s Fine

In diesem Remake des italienischen Films Allen geht’s gut (Stanno tutti bene, 1990) von Guiseppe Tornatore spielt Robert de Niro die Rolle, die damals von Marcello Mastroianni verkörpert wurde.

Everybody’s Fine

Frank Goode (Robert de Niro) ist Witwer und Rentner. Er lebt allein. Er hält sein Haus mit penibler Ordnung in Schuss, er ist, das wird schon in wenigen Einstellungen während des Vorspanns von Everybody’s Fine klar, ein Perfektionist. Man sieht das an der Art, wie er den Rasen mäht und wie er im Wohnzimmer staubsaugt. Frank bereitet ein seit langem geplantes Wochenende vor, zu dem seine vier Kinder ihn besuchen wollen. Als alle kurzfristig absagen, macht sich Frank auf zu einer Reise quer durch die USA.

Er will jedes seiner Kinder einzeln überraschend besuchen, von denen jedes, davon ist er überzeugt, glücklich und erfolgreich ist. Lieblingssohn David (Austin Lysy) als bedeutender Künstler in New York, Tochter Amy (Kate Beckinsale) als erfolgreiche Geschäftsfrau mit Mann und Kind, Musiker Robert (Sam Rockwell) als Dirigent eines ganzen Orchesters, und Tänzerin Rosie (Drew Barrymore) als Revuestar in Las Vegas. Für den Vater wird es eine Reise in die Wirklichkeit, von der er keine Ahnung hatte, weil seine Kinder sich stets nur der Mutter anvertraut haben. Vor dem Vater und seiner perfektionistischen Strenge hatten sie Angst.

Everybody’s Fine

Und so lernt er von Besuch zu Besuch Dinge, von denen er nichts wusste. Filmisch am schönsten umgesetzt ist das bei seiner Begegnung mit dem Musiker-Sohn. Als Frank bei einer Orchesterprobe in den Konzertsaal kommt, bleibt die Kamera eine ganze Weile an dem Dirigenten haften, den man als Zuschauer folglich für den Sohn halten muss. Bis sie ein paar Meter weiterschwenkt und schließlich den von einem sehr überzeugenden Sam Rockwell gespielten Robert in den Blick fasst, der in der letzten Reihe, an die Wand gedrückt, unglamourös hinter einer Pauke sitzt. Und einigermaßen erstaunt den Vater in den Besucherreihen erblickt.

Die Enttäuschung väterlicher Hoffnungen auf eine ordentliche Karriere des Sohnes gehört zu den Klassikern der Familienpsychologie. Die beiden Schauspieler machen in Everybody’s Fine aus der kurzen gemeinsamen Szene (der besten des Films) aber keine schwer emotionale Konfrontation. Sie kreisen stattdessen langsam um die Bitterkeit des Sohnes, der ein Leben lang den Erwartungen seines Vaters nicht gerecht werden konnte.

Everybody’s Fine

Frank Goode selbst war vor seiner Rente Arbeiter in einer Kabelfabrik. Das ist nicht nur eine Plackerei gewesen, die ihm die Gesundheit ruiniert hat und auf die er dennoch stolz ist, die ihm zudem ein Haus und eine prosperierende Familie beschert hat – diese Arbeit sorgt außerdem für die grundlegende Metapher. Frank, dessen Kabel ganz Amerika durchziehen und Telefongespräche, Kommunikation also, für die Menschen bedeuten, hat sein Leben lang die Kommunikation mit seinen Kindern vernachlässigt. Die kapitelartig strukturierten Besuche bei ihnen sind stets unterbrochen von Aufnahmen endlos langer Telefonleitungsmasten entlang der Straßen und Bahntrassen, und dazu sind aus dem Off die Telefonstimmen von Franks Kindern zu hören, die sich miteinander unterhalten, über ihn, aber eben nicht mit ihm.

Frank Goode ist de Niros beste Rolle seit einiger Zeit. Man sieht in seinem Gesicht zwar immer mal wieder die typischen Manierismen aufleuchten, aber insgesamt nimmt er seinen expressiven Stil sehr zurück und wirkt als gescheiterter Vater überzeugend. Dennoch ist Everybody’s Fine kein guter Film. Dafür ist er zu vorhersehbar. Dazu bemüht er die Metapher mit den Telefonkabeln zu oft, viel zu oft. Gleichwohl sind die Szenen zwischen Vater und Kindern jeweils gelungene intime Kabinettstücke, für die Regisseur Kirk Jones (Lang lebe Ned Devine, Waking Ned, 1998) sich vor allem bei seinem hervorragenden Ensemble bedanken muss.

Everybody’s Fine

Leider verlässt er selbst besonders gegen Ende des Films den Pfad der Subtilität. Eine Traumsequenz am Schluss, in der in aller Ausführlichkeit die Kinder im Kindesalter auftauchen und haarklein erklärt wird, was vorher nicht ausgesprochen wurde, sowie ein zuckersüßes Ende machen einen schon zuvor arg konstruierten Film vollends zum quietschenden Versöhnungsversuch. Everybody’s Fine, eben.

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